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Probezeit: Die 5 wichtigsten recht­lichen Fragen

Die Probezeit wird von Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertraglich vereinbart. © Quelle: King/ corbisimages.com

Jedem Anfang wohnt ein Zaudern inne: Ein neuer Job beginnt fast immer mit der Probezeit, in der sich Arbeit­nehmer und Arbeit­geber kennen lernen können – und bei Bedarf schnell wieder trennen. Die Deutsche Anwaltaus­kunft erklärt, was dabei rechtlich zulässig ist.

1. Was genau regelt die Probezeit?

„Die Probezeit dient dem gegenseitigen Kennenlernen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber“, sagt Rechtsanwalt Reinhard Schütte von der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Der Arbeitnehmer kann herausfinden, ob er sich im neuen Job wohl fühlt, der Arbeitgeber erhält einen Eindruck, ob der Mitarbeiter seinen Aufgaben gewachsen ist.

Der Begriff Probezeit kann unterschiedliche Bedeutungen haben. Es gibt befristete Arbeitsverhältnisse „aus Gründen der Erprobung“, die zu einem fest vereinbarten Datum enden. Aber auch bei „normalen“, also unbefristeten Arbeitsverhältnissen, ist im Arbeitsvertrag in der Regel eine Probezeit von drei bis sechs Monaten vereinbart.

Die entschei­dende Einschränkung während der Probezeit liegt in der kürzeren Kündigungs­frist: Sie beträgt mindestens zwei Wochen. Sonst sind gesetzlich mindestens vier Wochen vorge­schrieben – viele Arbeits­verträge enthalten außerhalb der Probezeit aber längere Kündigungs­fristen.

2. Welche Auswirkungen hat die Probezeit auf den Kündigungsschutz?

Entgegen der landläufigen Meinung hat die Probezeit mit dem gesetz­lichen Kündigungs­schutz nichts zu tun. Das Kündigungs­schutz­gesetz legt fest, dass der Arbeit­nehmer eine Kündigung nur aus bestimmten Gründen aussprechen darf. Dieser Schutz greift erst nach einer sechs­mo­na­tigen Wartezeit – unabhängig von der Probezeit.

„Wenn die Probezeit beispiels­weise drei Monate beträgt, genießt der Arbeit­nehmer auch nach Ende der Probezeit noch keinen Kündigungs­schutz“, so der Arbeits­rechtler Reinhard Schütte. Anders herum ist es genauso: Ist beispiels­weise eine neunmo­natige Probezeit vereinbart, kann der Arbeit­nehmer trotzdem nach sechs Monaten nicht mehr grundlos gekündigt werden.

3. Wie lang darf die Probezeit sein?

In der Regel dauert die Probezeit nicht länger als sechs Monate – ab diesem Zeitpunkt greift in jedem Fall auch der gesetz­liche Kündigungs­schutz (s.o.). In Einzelfällen kann aber auch eine längere Probezeit vereinbart werden. „Das betrifft vor allem sehr anspruchs­volle Tätigkeiten, bei denen auch nach einigen Monaten noch nicht eindeutig zu sagen ist, ob der Arbeit­nehmer die an ihn gestellten Anfor­de­rungen erfüllt“, so Reinhard Schütte vom DAV.

Hat sich ein Arbeitgeber nach mehreren Monaten Probezeit noch nicht entschieden, ob ein Arbeitnehmer übernommen werden sol oder nicht, lässt sich die Probezeit auch verlängern - zumindest theoretisch. Die Kriterien dafür sind aber äußerst eng. Möglich ist eine Verlängerung zum Beispiel, wenn ein Arbeitnehmer in der Probezeit so lange krank war, dass der Arbeitgeber seine Eignung für das Unternehmen nicht prüfen konnte. In solchen Fällen gilt die reguläre Kündigungsfrist, eine "Probezeitkündigung" ist nicht möglich.

4. Hat man in der Probezeit Anspruch auf Urlaub?

„Nach dem Bundes­ur­laubs­gesetz erwirbt ein Arbeit­nehmer den vollen Urlaubs­an­spruch erst nach sechs Monaten“, sagt der Arbeits­rechtler Reinhard Schütte. Erst nach dieser Zeit besteht die Möglichkeit, den vollen Jahres­urlaub auszuschöpfen. Man kann also nicht nach zwei Monaten im neuen Job schon drei Wochen Urlaub nehmen.

Ein generelles Urlaubsverbot in der Probezeit ist trotzdem nicht zulässig. Denn rein rechtlich erwirbt man jeden Monat 1/12 des Jahresanspruches auf Urlaub. Diesen kann man auch in der Probezeit schon nehmen. Der Arbeitgeber darf den Urlaub dann nur aus zwingenden betrieblichen Gründen verweigern, zum Beispiel wenn bereits viele andere Kollegen fehlen.

Nimmt man während der ersten sechs Monate keinen Urlaub, kann man diesen selbst­verständlich später nachholen. Auch wenn man während der Probezeit gekündigt wird, besteht das Recht, noch ausste­henden Resturlaub in Anspruch zu nehmen. Da die gesetz­liche Kündigungs­frist während der Probezeit mindestens zwei Wochen beträgt, bleibt dafür in der Regel auch bei einer Kündigung am letzten Tag der Probezeit ausrei­chend Zeit. 

5. Was gilt, wenn vor dem eigentlichen Arbeitsverhältnis schon ein Praktikum absolviert wurde? Wird es auf die Probezeit angerechnet?

Beim Übergang von einem Praktikum oder Traineeship in ein unbefris­tetes Beschäftigungsverhältnis ist es durchaus zulässig, eine neue Probezeit zu verein­baren. Anders sieht es beim Kündigungs­schutz aus. Hier ist allein entscheidend, dass beim selben Arbeit­geber mehr als sechs Monate lang ein Arbeitsverhältnis bestand. Wer also beispiels­weise ein einjähriges Traineeship absol­viert und im Anschluss unbefristet übernommen wird, genießt vom ersten Tag an den Kündigungs­schutz.

Umstritten ist die Frage, ob zum Beispiel auch „Schnup­pertage“ und „freiwillige“ Probe­arbeit als Arbeitsverhältnis gelten und somit angerechnet werden können. „In der Regel geht die Recht­spre­chung davon aus, dass ein Arbeitsverhältnis immer dann besteht, wenn konkrete Arbeits­an­wei­sungen erteilt werden“, so der Arbeits­rechtler Reinhard Schütte. 

Themen
Arbeitnehmer Arbeitsplatz Kündigung

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