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Krank­schreibung: Was ist erlaubt?

Krankschreibung: Was erlaubt ist, wenn Sie krank sind.
© Quelle: DAV

Sport machen, verreisen, einkaufen gehen – dürfen Beschäftigte das, wenn sie krank­ge­schrieben sind? Oder müssen sie während der Arbeitsunfähigkeit zu Hause bleiben und das Bett hüten? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Krank­schreibung und Arbeitsunfähigkeit.

Arbeitsunfähig: Wann muss man sich krank­melden?

Beschäftigte müssen sich gleich am ersten Tag ihrer Erkrankung vor Arbeits­beginn bei ihrem Chef melden und ihm mitteilen, dass sie erkrankt sind und nicht zur Arbeit kommen können. Dabei müssen sie auch mitteilen, wie lange sie der Arbeit voraus­sichtlich fern bleiben werden.

Krank­meldung: Wann müssen Beschäftigte dem Arbeit­geber die Krank­schreibung schicken?

Mitar­beiter brauchen eine Arbeitsunfähigkeits­be­schei­nigung von ihrem Arzt, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage andauert. Nach dem Entgelt­fort­zah­lungs­gesetz muss dem Arbeit­geber die Arbeitsunfähigkeits­be­schei­nigung des Arztes spätestens am vierten Tag vorliegen, wenn die Erkrankung mehr als drei Tage umfasst. Manche Chefs verlangen die Arbeitsunfähigkeits­be­schei­nigung schon vorher, was üblich und rechtlich erlaubt ist.

Der Arbeit­geber kann verlangen, dass der Mitar­beiter schon ab dem ersten Tag der Erkrankung eine Arbeitsunfähigkeits­be­schei­nigung vorlegt. Dann muss der Arbeit­nehmer auch seinen Arzt aufsuchen, wenn er davon ausgehen kann, am nächsten Tag wieder gesund zu sein.

Erkrankter Mitar­beiter: Muss man sich „gesund­schreiben“ lassen?

Wer sich trotz Krankschreibung wieder fit fühlt, darf ohne weiteren Arztbesuch an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. Eine „Gesundschreibung“ gibt es nicht.

Arbeitsunfähigkeit und Krank­schreibung: Wer zahlt das Gehalt oder den Lohn?

Krankgeschriebene Mitarbeiter bekommen vom ersten Tag ihrer Erkrankung an eine Entgeltfortzahlung. Diese beträgt 100 Prozent des Lohns, geleistet wird sie vom Arbeitgeber. Nach sechs Wochen endet diese Zahlung und die Krankenkasse leistet Krankengeld.

Arbeitsunfähigkeit und Krank­schreibung: Darf man während einer Krankheit Sport treiben?

Auf diese Frage gibt es keine generelle Antwort, denn es kommt auf die Erkrankung an. „Zunächst einmal gilt: Krankgeschriebene Arbeitnehmer dürfen nichts tun, was verhindert, dass sie genesen und schnell wieder gesund werden“, sagt der Rechtsanwalt Dr. Johannes Schipp, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Es könne aber Krankheiten geben, bei denen Sport zur Genesung beitrage. „In einem solchen Fall dürfen krankgeschriebene Arbeitnehmer sich sportlich betätigen“, sagt Schipp.

Darf man trotz Krank­schreibung verreisen, einkaufen gehen oder sein Kind in die Kita bringen?

Krank­ge­schriebene Arbeit­nehmer müssen nicht zwangsläufig zu Hause bleiben und das Bett hüten, zumindest dann nicht, wenn ihre Krankheit das nicht verlangt. Alle Handlungen, die ihre Genesung nicht behindern oder sogar befördern, sind erlaubt. Daher dürfen krank­ge­schriebene Mitar­beiter etwa verreisen, wie ein Urteil des hessi­schen Landes­ar­beits­ge­richtes zeigt. Die Richter hoben 2012 die Kündigung eines Beschäftigten auf, der während seiner Krank­schreibung zu seinen Eltern gereist war, um sich bei ihnen auszu­ku­rieren (AZ: 18 Sa 695/12).

Auch eine Aktivität wie Einkaufen gehen ist erlaubt, solange der krankgeschriebene Mitarbeiter seine Genesung damit nicht verhindert. „Wer aber etwa hohes Fieber hat und dann sein Kind in die Kita bringt, könnte Ärger bekommen“, so Schipp. „Denn das kann dazu führen, dass die Krankheit sich verschlimmert.“ In solchen Fällen könnte der Arbeitgeber, wenn er vom Verhalten des Mitarbeiters erfährt, diesen abmahnen oder sogar kündigen.

Darf man während der Krank­schreibung ein Abend­studium besuchen?

Ist Mitar­beitern ein Abend­studium bewilligt worden, können sie dieses auch besuchen, wenn sie krank­ge­schrieben sind. Voraus­setzung ist auch hier, dass dadurch der Genesungs­verlauf nicht beeinträchtigt wird. Eine mit dem Besuch der Vorle­sungen begründete Kündigung ist dann unwirksam, so das Arbeits­ge­richt Berlin am 15. April 2016 (AZ: 28 Ca 1714/16).

Krank­ge­schriebene Mitar­beiter: Muss man erreichbar sein?

Prinzi­piell nicht. Er muss auch nicht ohne weiteres zu sogenannten Kranken­gesprächen in den Betrieb kommen, solange er noch arbeitsunfähig ist. Aber man sollte vorsichtig sein: Arbeit­nehmer haben gegenüber ihrem Arbeit­geber sogenannte Treue­pflichten. Sollten während ihrer Erkrankung Fragen aufkommen, die nur dieser Mitar­beiter beant­worten kann, sollte dieser dies auch tun und koope­rieren.

Arbeitsunfähigkeit und Krank­schreibung: Darf der Chef kontrol­lieren?

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass Arbeit­geber Krank­schrei­bungen infrage stellen. So meldete sich 2016 in Nieder­sachsen eine Lehrerin krank – und begleitete anschließend ihre Tochter zu den Drehar­beiten der RTL-Sendung „Dschun­gelcamp“ nach Australien. Zuvor hatte die Pädagogin einen Antrag auf Sonder­urlaub gestellt – erfolglos. Das Landge­richt Lüneburg sah es als erwiesen an, dass die 48jährige ein unrich­tiges Gesund­heits­zeugnis gebraucht habe. Nun droht ihr dafür die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis.

Auch in der Privat­wirt­schaft dürfen Arbeit­geber die Erkrankung ihrer Angestellten in Zweifel ziehen. Die übliche Vorge­hens­weise ist es, in Verdachtsfällen den Medizi­ni­schen Dienst der Kranken­kasse einzu­schalten. Der Medizi­nische Dienst bestellt krank­ge­schriebene Mitar­beiter ein und erstellt ein eigenes ärztliches Gutachten.

Manche Arbeitgeber setzen aber auch auf weniger offizielle Wege und kontrollieren ihre krankgeschriebenen Mitarbeiter selbst oder lassen dies durch andere Beschäftigte erledigen.

Wenn durch diese Form der Kontrolle herauskommt, dass der Beschäftigte nicht krank ist, könnte dies als Betrugsversuch zu einer Verdachtskündigung führen. Von Kündigungen gefährdete Mitarbeiter sollten eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht hinzuziehen und sich von dieser oder von diesem eingehend darüber beraten lassen, wie man vorgehen sollte und welche Möglichkeiten es gibt, sich gegen eine Verdachtskündigung zu wehren.

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