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Arbeitnehmer

Jobwechsel: Welche Urlaubs­ansprüche hat man?

Urlaubsanspruch bei Jobwechsel: Wie viel steht mir zu?
© Quelle: Hero Images/corbisimages.com

Bei einem Wechsel des Arbeits­platzes fragt sich mancher Arbeit­nehmer, wie viel Urlaub er noch bei seinem "alten" Arbeit­geber hat und wie viele Urlaubstage er bei seinem neuen Arbeit­geber nehmen kann. Die Deutsche Anwaltaus­kunft erklärt, welche Urlaubs­ansprüche Arbeit­nehmer nach einem Jobwechsel haben.

Viele Arbeit­nehmer wünschen sich mehr Urlaub, wie eine Umfrage des Meinungs­for­schungs­in­stituts YouGov zeigt. Besonders Arbeit­nehmer zwischen 18 und 34 Jahren sind mit der Anzahl ihrer jährlichen Urlaubstage unzufrieden, Zweidrittel von ihnen wollen mehr freie Tage.

Urlaubs­an­spruch & Arbeit­nehmer: Wie viele Tage Urlaub steht Arbeit­nehmern mindestens zu?

Nach dem Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) stehen Arbeitnehmern bei einer sechstägigen Arbeitswoche mindestens 24 Tage Urlaub im Jahr zu. Bei einer 5-Tage-Woche sind es 20 Tage.

Der Minde­st­urlaub hängt also von der Anzahl der Arbeitstage ab, die ein Arbeit­nehmer pro Woche arbeitet. Wer vier Tage in der Woche arbeitet, hat also nur mindestens 16 Tage Urlaub im Jahr.

Bei Jugend­lichen und Schwer­be­hin­derten kann der Minde­st­urlaub höher liegen.

Wie viel Urlaub steht Arbeit­nehmern pro Jahr zu?

Arbeitnehmer haben hierzulande im Durchschnitt 30 bezahlte Urlaubstage im Kalenderjahr, ihre genaue Anzahl kann je nach Branche und Arbeitsvertrag variieren.

Arbeit­nehmer haben in der Regel also mehr Urlaub, als ihnen gesetzlich mindestens zusteht (siehe oben). Das liegt daran, dass es Arbeit­gebern frei steht, Arbeit­nehmern mehr Urlaubstage als die gesetzlich vorge­schrie­benen zuzuge­stehen und dies im Arbeits­vertrag zu fixieren.

Weniger Urlaub als der Minde­st­ur­laubs­an­spruch vorsieht: erlaubt?

Nein. Weniger Urlaub als der gesetzlich mindestens vorge­schriebene dürfen Arbeit­geber den Angestellten in ihrem Unter­nehmen nicht gewähren.

Arbeit­nehmer: Wann kann man den ganzen Jahres­urlaub nehmen?

„Wenn ein Arbeitnehmer in einem Unternehmen zu arbeiten beginnt, steht ihm für jeden vollen Monat, den er dort tätig ist, ein Zwölftel des Jahresurlaubs zu“, sagt der Wiesbadener Rechtsanwalt Jakob T. Lange von der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Bei einem Urlaubsanspruch von 24 Tagen sind das zwei Tage im Monat.

Nach sechs Monaten, der sogenannten Wartezeit, kann der Arbeit­nehmer - zumindest theore­tisch - seinen gesamten Jahres­urlaub nehmen.

Arbeit­nehmer: Urlaub und Jobwechsel - welche Regeln gelten?

Wenn ein Arbeit­nehmer bei einem anderen Arbeit­geber zu arbeiten beginnt, kann sich die Frage stellen, wie viel Urlaub ihm bei seinem „alten“ und bei seinem neuen Arbeit­geber zustehen.

Die Urlaubsregeln bei Beginn eines neuen Arbeitsverhältnisses lassen sich anhand einiger Beispiele verdeutlichen:

Beispiel 1: Ein Arbeit­nehmer beendet sein Arbeitsverhältnis bei einem Unter­nehmen zum 31. Mai und beginnt am 1. Juni in einer anderen Firma an zu arbeiten. In diesem Fall hat der Arbeit­nehmer bei seinem „alten“ Arbeit­geber einen Urlaubs­an­spruch von 5/12 seines Jahres­ur­laubes.

Bei seinem neuen Arbeit­geber erwirbt er einen antei­ligen Urlaubs­an­spruch. Dieser beträgt 1/12 des Jahres­ur­laubs für jeden ganzen Monat, in dem er dort tätig ist.

Nach einer Wartezeit von mindestens sechs Monaten kann der Arbeit­nehmer zumindest theore­tisch seinen ganzen Jahres­urlaub nehmen. Von diesem muss er aber die freien Tage abziehen, die er bereits bei seinem „alten“ Arbeit­geber genommen hat.

Neues Arbeitsverhältnis: Jobwechsel nach Erwerb des ganzen Urlaubs­an­spruchs

Rechtlich kompli­ziert kann es werden, wenn ein Arbeit­nehmer bei einem neuen Arbeit­geber tätig wird, nachdem er im vorhe­rigen Unter­nehmen bereits den vollen Urlaubs­an­spruch erworben hat. Hier sind zwei Szenarien denkbar:

Beispiel 2: Ein Arbeit­nehmer beginnt ab dem 1. September in einem neuen Arbeitsverhältnis. Da er bereits sechs Monate bei seinem „alten“ Arbeit­geber tätig war, hat er dort einen Anspruch auf seinen kompletten Jahres­urlaub erworben. Von den ihm zuste­henden 30 Tagen Urlaub hat der Arbeit­nehmer beim vorhe­rigen Arbeit­geber nur 20 Tage aufge­braucht, zehn Tage hat er also noch übrig.

Diese zehn Tage konnte der Arbeit­nehmer beim „alten“ Arbeit­geber nicht nehmen, ausbe­zahlt worden sind sie ihm auch nicht. „In solchen Fällen hat der Arbeit­nehmer beim neuen Arbeit­geber Anspruch auf antei­ligen Urlaub“, sagt Rechts­anwalt Jakob T. Lange. „Das aber nur dann, wenn dieser mehr als 20 Urlaubstage im Jahr gewährt.“

Wie viele von seinen verblei­benden Urlaubs­tagen ein Arbeit­nehmer nach einem Jobwechsel nehmen darf, hängt von der Anzahl der jährlichen Urlaubstage ab, die der neue Arbeit­geber vertraglich zusichert. Im beschrie­benen Fall könnten sich die freien Tage also reduzieren, wenn der neue Chef weniger Urlaub gewährt als der frühere Arbeit­geber.  

Um einem neuen Arbeit­geber nachzu­weisen, wie viele Tage Urlaub man noch hat, kann man seinem neuen Chef eine Urlaubs­be­schei­nigung vorlegen, wenn dieser Auskunft über den genom­menen oder bereits abgegol­tenen Urlaub verlangt. Der frühere Arbeit­geber ist verpflichtet, eine solche Beschei­nigung auszu­stellen, wenn der Arbeit­nehmer dies möchte. Das hat das Bundes­ar­beits­ge­richt entschieden (AZ: 9 AZR 295/13).

Arbeit­nehmer und Urlaubs­an­spruch: Doppelte Ansprüche auf Jahres­urlaub nach Jobwechsel?

Beispiel 3: Ein Arbeit­nehmer wechselt zum 1. September in eine neue Firma. Beim „alten“ Arbeit­geber, bei dem er wegen der erfüllten Wartezeit von sechs Monaten Anspruch auf seinen ganzen Jahres­urlaub erworben hat, hat er seinen gesamten Urlaub aufge­braucht.In diesem Fall hat der Arbeit­nehmer keinen bezahlten Urlaub beim neuen Arbeit­geber. Ein Urlaubs­an­spruch steht ihm grundsätzlich erst mit Beginn des neuen Kalen­der­jahres zu. 

Diese Regeln ergeben sich aus dem Bundesurlaubsgesetz (BUrlG). Dieses sieht vor, dass Arbeitnehmer nur einmal im Kalenderjahr einen Jahresurlaub nehmen können, es schließt doppelte Urlaubsansprüche aus. Eine Ausnahme besteht dann, wenn der neue Arbeitgeber mehr Urlaub als der vorherige Chef anbietet. Dann kann dem Arbeitnehmer ein anteiliger Urlaubsanspruch zustehen, obwohl er den Jahresurlaub bei seinem vorherigen Arbeitgeber vollständig genommen hat.

Lesen Sie in disem Text, bis wann Arbeitnehmer ihren Resturlaub nehmen sollten.

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