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Arbeitsrecht

Grobe Belei­digung des Chefs kann zu frist­loser Kündigung führen

Die Kündigung eines Arbeitnehmers ohne Abmahnung ist auch nach langjähriger Beschäftigung möglich. © Quelle: fizkes/fotolia.de

Wer seinen Arbeit­geber grob beleidigt, riskiert seinen Arbeits­platz. Unabhängig davon, ob die Belei­digung in sozialen Netzwerken oder persönlich ausge­sprochen wird. Dabei muss der Arbeit­geber in schweren Fällen nicht einmal abmahnen, bevor er den Arbeit­nehmer fristlos kündigt. Doch gilt dies auch für langjährig Beschäftigte?

Die Kündigung eines Arbeit­nehmers ohne Abmahnung ist auch nach langjähriger Beschäftigung möglich, auch fristlos. Es kommt darauf an, ob es dem Arbeit­geber noch zumutbar ist, den Mitar­beiter weiter zu beschäftigten.

Beleidigt ein Arbeit­nehmer den Arbeit­geber als „soziales Arschloch“, kann er auch nach 23 Jahren Zugehörigkeit zum Betrieb ohne vorherige Abmahnung außerordentlich gekündigt werden. Dies ergibt sich aus einer Entscheidung des Landes­ar­beits­ge­richts Schleswig-Holstein vom 24. Januar 2017 (AZ: 3 Sa 244/16). In dem Fall kam hinzu, dass es sich um einen kleinen Famili­en­be­trieb handelte. Hier sind die Grenzen der Zumut­barkeit geringer, so die Arbeits­ge­mein­schaft Arbeits­recht des Deutschen Anwalt­vereins (DAV).

Kleinbetrieb: außerordentliche Kündigung nach grober Beleidigung des Arbeitgebers

Der 62 Jahre alte Mann war bei einem kleinen Handwerks­be­trieb für Gas- und Wasser­in­stal­la­tionen beschäftigt. Neben den Geschäftsführern sind dort noch deren Mutter im Büro sowie drei Gesellen tätig.

Im Februar 2016 kam es zu einem Wortwechsel zwischen dem Mann und dem Vater der Geschäftsführer. Dieser hatte den Betrieb früher geführt. Ob dieser auf eine Frage etwas sarkas­tisch reagiert hatte, blieb unklar. Der Arbeit­nehmer verließ grußlos den Raum. Dabei hörte er, wie ein Geschäftsführer das sinngemäß mit den Worten kommen­tierte: "Kinderkram/Sind wir hier im Kinder­garten?"

Am nächsten Morgen kehrte der Arbeit­nehmer ins Büro zurück. Er äußerte in einem gereizten Wortwechsel mit den Geschäftsführern, dass einer der Geschäftsführer gerne den Chef raushängen lasse. Auch habe sich dessen Vater ihm gegenüber wie ein „Arsch“ benommen. Und er sei auf dem besten Wege, seinem Vater den Rang abzulaufen. Auf die Worte des Klägers: „Dann kündigt mich doch", erwiderte der Geschäftsführer: „Damit wir dann als soziale Arschlöcher dastehen." Der Kläger gab zur Antwort, dass die Firma das sowieso schon sei.

An dem Tag arbeitete der Mann zunächst noch weiter, wurde aber abends für drei Tage von der Arbeit freigestellt. Als er sich auch dann noch nicht entschuldigt hatte, kündigte der Arbeitgeber fristlos, hilfsweise ordentlich. Der Kläger wandte sich mit seiner Kündigungsschutzklage gegen diese Kündigung. Er berief sich auf seine Meinungsfreiheit. Auch habe er aus einem Affekt heraus und auf Provokation des Geschäftsführers sowie dessen Vater gehandelt. 

Gericht: Arbeitgeber darf bei Beleidigung ohne Abmahnung kündigen

Die Klage schei­terte in zwei Instanzen. Der Famili­en­be­trieb muss den Arbeit­nehmer nicht weiter beschäftigen. In einem Kündigungs­schutz­prozess kommt es auch für Arbeit­geber darauf an, sich mit anwalt­licher Hilfe gegen unberech­tigte Klagen erfolg­reich zu wehren.

Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte im Arbeits­recht finden auch Arbeit­geber in der Anwalts­suche auf dieser Website. Die gegen das Urteil des Arbeits­ge­richts einge­legte Berufung wies das Landes­ar­beits­ge­richt in Kiel zurück. 

Bei groben Beleidigungen, die nach Form und Inhalt eine erhebliche Ehrverletzung für den bzw. die Betroffenen bedeuten,  könne sich ein Arbeitnehmer nicht auf sein Recht auf freie Meinungsäußerung berufen. Auch seien die Äußerungen des Geschäftsführers und des Vaters keine Provokationen, die die Beleidigung rechtfertigten. Von besonderem Gewicht sei die 16-stündige Zeitspanne zwischen den beiden Gesprächen. Diese schließe nicht nur eine Affekthandlung aus, sondern lasse auch genug Raum für eine Entschuldigung. 

Beleidigung des Arbeitgebers: Muss Chef vor der Kündigung abmahnen?

Eine vorherige Abmahnung sei gerade wegen der fehlenden Entschul­digung nicht notwendig gewesen. Selbst in der Berufungs­ver­handlung habe es dem Mann an der Einsicht gefehlt, dass er sich gegenüber dem Arbeit­geber falsch verhalten habe. Auch sei es einem kleinen Famili­en­be­trieb nicht zuzumuten, das über 23 Jahre andau­ernde Arbeitsverhältnis auch nur bis zum Ablauf der Kündigungs­frist (30. September 2016) fortzu­setzen.

Themen
Arbeit Persönlichkeitsrechte

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