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Diebstahl

Laden­dieb­stahl: Welche Strafen drohen?

Taschendiebstahl: weit verbreitet, aber kein Kavaliersdelikt. © Quelle: Cunaplus/fotolia.com

Der eine oder andere Jugend­liche hat im Laden schon einmal etwas mitgehen lassen. Ob als Mutprobe, wegen des Adrena­lin­kicks oder aus anderen Gründen: Laden­dieb­stahl ist kein Kavaliers­delikt, sondern eine Straftat. Die Anwaltaus­kunft infor­miert, mit welchen Strafen jugend­liche und erwachsene Laden­diebe rechnen müssen, und wovon das Strafmaß bei Laden­dieb­stahl abhängt.

Rund zwei Milli­arden Euro pro Jahr: So hoch sind die Schäden, die den Händlern in Deutschland durch Laden­dieb­stahl entstehen. Das zeigen Zahlen des Kölner Handels­for­schungs­in­stituts. Diese Summe entfällt übrigens nur auf die Kunden – Diebstähle von Mitar­beitern sind noch nicht einge­rechnet. Bei der Strafe für Laden­dieb­stahl kommt es, wie so oft, auf den Einzelfall an.

Verdacht auf Laden­dieb­stahl: Taschen dürfen kontrol­liert werden

Ob im Supermarkt, im Elektromarkt oder im Kaufhaus: Wird ein Kunde beim Ladendiebstahl erwischt, haben die Mitarbeiter beziehungsweise der Ladendetektiv das Recht, die Taschen des Kunden zu kontrollieren. „Bestätigt sich der Verdacht des Ladendiebstahls, kann der Inhaber entscheiden, ob er Anzeige erstattet“, erklärt Rechtsanwalt Tommy Kujus, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Strafrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). In den meisten Fällen würden Ladendiebstähle zur Anzeige gebracht.

Wenn der Inhaber eine Strafanzeige gegen den Ladendieb stellt, kann er gleichzeitig einen Strafantrag stellen. Damit signalisiert er den Strafverfolgungsbehörden, dass er Ermittlungen aufnehmen und die Strafe verfolgen lassen möchte. Das ist vor allem wichtig, wenn es um den Diebstahl von relativ geringwertigen Gegenständen geht, deren Wert maximal 25 bis 30 Euro beträgt. Fehlt der Antrag, können die Behörden in diesen Fällen nicht aktiv werden. Geht es um höherwertige Gegenstände, genügt auch eine bloße Strafanzeige.

Einfacher, schwerer oder räuberi­scher Diebstahl: Strafmaß unter­schiedlich

Welche Strafen für Ladendiebstahl möglich sind, hängt von mehreren Faktoren ab. So ist entscheidend, ob der Ladendieb Erst- oder Wiederholungstäter ist, wie teuer der entwendete Gegenstand ist und ob der Dieb gewalttätig wird oder Waffen einsetzt. Grundsätzlich gilt: Wer einfach etwas mitnimmt, ohne es zu bezahlen, macht sich des einfachen Diebstahls schuldig. Das Strafmaß reicht hier bei erwachsenen Straftätern von Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft.

Schwerer Diebstahl liegt hingegen vor, wenn man in ein Haus oder ein Geschäft einbricht, oder Dinge stiehlt, die ander­weitig gesichert sind. Zum Beispiel in einem Tresor oder in einer speziell gesicherten Vitrine im Laden. Dafür kann eine Freiheits­s­trafe von drei Monaten bis zehn Jahren fällig werden.

Wer zusätzlich zu dem Diebstahl Gewalt anwendet oder damit droht, macht sich des räuberi­schen Diebstahls schuldig. „Dazu genügt es aller­dings schon, wenn man bei einem Laden­dieb­stahl erwischt wird und versucht, sich zu wehren oder gar um sich schlägt“, warnt der Rechts­anwalt aus Leipzig. Als Strafe drohe dann mindestens ein Jahr Haft.

Laden­dieb­stahl: Bei Ersttätern kann Verfahren einge­stellt werden

Geht es um einfachen Diebstahl, kommen Ersttäter möglicher­weise noch glimpflich davon. „Bei Ersttätern wird das Verfahren teilweise einge­stellt“, sagt Rechts­anwalt Kujus. Die Einstellung des Verfahrens sei aber oft an eine Auflage gebunden. Der Ladendieb muss dann zum Beispiel einen bestimmten Geldbetrag an eine gemeinnützige Organi­sation zahlen. Eine Garantie gibt es dafür, dass das Verfahren einge­stellt wird, gibt es natürlich nicht.

Wer häufiger beziehungsweise teure Dinge mitgehen lässt, sollte nicht auf eine Einstellung des Verfahrens hoffen. In diesen Fällen von Ladendiebstahl werden meist höhere Geld- oder Bewährungsstrafen fällig. Letztere werden vor allem dann verhängt, wenn es um Beschaffungskriminalität geht. „Eine Geldstrafe ist hier nicht sinnvoll, und könnte sogar kontraproduktiv sein“, erläutert der Rechtsanwalt aus Leipzig. Häufig komme zu einer Bewährungsstrafe die Auflage, eine Therapie zu machen.

Wie Rechts­anwalt Kujus hinzufügt, werden für Laden­dieb­stahl eher selten Gefängniss­trafen verhängt. Das habe zwar den Nachteil, dass die Straftäter das Gerichtsgebäude ohne direkt spürbare Strafe verlassen können. Auf die leichte Schulter nehmen sollte man das natürlich dennoch nicht.

Laden­dieb­stahl bei Jugend­lichen: Als Strafe meist Sozial­stunden

Bei jugend­lichen Laden­dieben ist das Strafmaß grundsätzlich milder als bei erwach­senen, da es bei ihnen weniger um die Strafe als um die Erziehung geht. Auch hier kann in manchen Fällen das Verfahren einge­stellt werden. Andern­falls hängt das Strafmaß vom Einzelfall ab. Werden Jugend­liche wegen Laden­dieb­stahls verur­teilt, müssen sie als Strafe meist Sozial­stunden leisten. Wieder­ho­lungstätern droht aller­dings Jugen­darrest, oder gar eine Jugend­strafe. Diese entspricht im Jugend­straf­recht der Freiheits­s­trafe.

Verfahren wegen Laden­dieb­stahl? Kontak­tieren Sie einen Anwalt

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