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Vorsorge für Kinder

Sorge­recht: Tod der Eltern – wie kann man sein Kind absichern?

Wenn Eltern sterben - was passiert mit ihrem Kind? Eine Sorgerechtsverfügung kann sich lohnen. © Quelle: Marina/fotolia.com

Was passiert mit einem Kind, wenn seine Eltern schwer erkranken und sterben? Wer bekommt das Sorge­recht für das Kind, wer verwaltet die Finanzen, das Vermögen und Erbe des Kindes? Diese und ähnliche Frage stellen sich viele Eltern, gerade wenn sie allein­er­ziehend sind. Eltern sollten für ihr Kind und den Ernstfall vorsorgen.

Die meisten Eltern treibt die Sorge um die Zukunft ihres Kindes um. Dabei fragen Mütter und Väter sich auch, was mit ihrem Kind oder ihren Kindern passiert, wenn sie selbst etwa durch eine Krankheit oder bei einem Unfall sterben. Ein schlimmer Gedanke, der für viele Familien und Kinder aber real ist: In Deutschland leben rund 800.000 Kinder, die Halbwaisen oder Vollwaisen sind, die also einen oder beide Eltern­teile verloren haben.

Ein solcher Verlust bringt für die Kinder Trauer mit sich – und eine rechtlich teils unklare Lage. Denn nach dem Tod von Mutter, Vater oder beiden Eltern­teilen kann fraglich sein, wer die Vormund­schaft und das Sorge­recht für das Kind übernimmt. Oft müssen das Jugendamt oder ein Gericht diese Frage klären.

Tod eines Eltern­teils und gemein­sames Sorge­recht: Erhält der andere Elternteil die Vormund­schaft und das Sorge­recht?

Wenn die Eltern das Sorgerecht für ihr Kind gemeinsam ausgeübt haben, ist dessen rechtliche Lage nach dem Tod eines der Elternteile am klarsten. „In solchen Fällen bleibt das Sorgerecht für das Kind bei dem anderen Elternteil“, sagt der Oldenburger Rechtsanwalt Burkhard Bühre von der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Diese Regel gilt unabhängig davon, ob die Eltern mitein­ander verhei­ratet, geschieden oder ein Paar waren, das in „wilder“ Ehe zusam­men­lebte. Wesentlich ist, dass die beiden Eltern des Kindes sorge­be­rechtigt waren und das Sorge­recht gemeinsam ausgeübt haben.

Sorge­recht bei Todesfall beider Eltern oder wenn allein­er­zie­hender Elternteil stirbt: Bekommen Verwandte „automa­tisch“ das Sorge­recht?

Viel unklarer kann die Situation sein, wenn beide Elternteile sterben oder der allein erziehende Elternteil stirbt. Denn dann ist erst einmal offen, wer das Sorgerecht für das Kind bekommt. Das Sorgerecht geht nicht einfach auf Verwandte wie Großeltern, Onkel oder Tanten über. „Das Sorgerecht bekommt auch nicht ‚automatisch‘ der Lebensgefährte oder Stiefvater, wenn das Kind mit diesem in einer Patchwork-Familie gelebt hat“, sagt Bühre.

Tod der Mutter: Kinder zu Vater oder Großeltern?

Großeltern können einen Antrag stellen, dass die Enkel bei ihnen leben, wenn deren Mutter stirbt. Das Recht des anderen leiblichen Elternteils geht aber in der Regel vor. Ein Antrag der Großeltern ist nur unter bestimmten engen Voraussetzungen erfolgreich. Nach einem Urteil des Amtsgerichts Dortmund müssen die Kinder über einen längeren Zeitraum bei ihren Großeltern gelebt haben. Gemeinsame Urlaube, Kurzurlaube am Wochenende oder einige Tage Aufenthalt reichen jedoch nicht aus. Ebenso nicht der Aufenthalt von einem Monat während des Krankenhausaufenthaltes vor dem Tod der Mutter. Dies ergibt sich aus einer Entscheidung des Amtsgerichts Dortmund vom 5. Oktober 2016 (AZ: 113 F 4850/16). Die Arbeitgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) berichtet über das Urteil (Quelle: red/dpa)

Todesfall der Eltern oder ein allein­er­zie­hender Elternteil stirbt: Sorge­recht für Paten?

Auch die Taufpaten eines Kindes bekommen nicht automa­tisch das Sorge­recht für das Kind. Entgegen einer weit verbrei­teten Meinung haben Taufpaten heutzutage nur noch eine kirch­liche Funktion, keine recht­liche. Während Paten sich früher im Todesfall der Eltern tatsächlich um ihr Patenkind kümmerten, ist das nicht mehr üblich oder selbst­verständlich.

Jugendamt und Famili­en­ge­richt: Bestimmen sie nach dem Tod der Eltern einen Vormund für das Kind?

Wenn also beide Eltern­teile sterben oder ein allein­er­zie­hender Elternteil mit allei­nigem Sorge­recht, kann es passieren, dass das Jugendamt oder das Famili­en­ge­richt einen Vormund für das verwaiste Kind bestimmen müssen.

Vormund­schaft für Kind nach dem Tod der Eltern: Was ist eine Sorge­rechtsverfügung?

Wenn Eltern ihrem Kind solche, oft langwie­rigen Verfahren ersparen oder diese verkürzen wollen, sollten sie zu ihren Lebzeiten eine Sorge­rechtsverfügung verfassen.

Sorge­rechtsverfügungen sind besondere Formen von Testa­menten, in ihnen legen Eltern fest, wer die Vormund­schaft für ihr Kind in ihrem Todesfall übernehmen soll.

„In einer Sorge­rechtsverfügung kann man einen Vormund und einen Ersatz-Vormund für das Kind aus der Familie oder dem Freun­des­kreis nennen“, sagt Rechts­anwalt Burkhard Bühre. Denkbar ist auch, einen Vormund zu benennen, der die Perso­nen­sorge übernimmt und eine Person, die sich um die Vermögenssorge kümmert (siehe weiter unten).

Aber: Bevor man einer oder zwei Personen die Vormund­schaft in der Sorge­rechtserklärung anträgt, sollte man mit diesen Personen sprechen und deren Zustimmung einholen. Denn die Vormund­schaft für ein Kind zu übernehmen, ist eine der wohl verant­wor­tungs­vollsten Aufgaben für Erwachsene überhaupt.

Sorge­rechtsverfügung nach Todesfall der Eltern: Wer kann Vormund für ein Kind werden?

Eltern sollten sich gut überlegen, welchen Personen sie die Vormund­schaft für ihr Kind übertragen möchte: Die Personen müssen in jedem Fall für diese Aufgabe geeignet sein. Auch müssen sie volljährig, aber nicht zu alt sein, damit sie die Vormund­schaft für das Kind längere Zeit ausüben können, mindestens bis zur Volljährigkeit des Kindes.

Wenn ein Elternteil stirbt oder beide Eltern sterben: Wie setzt man eine Sorge­rechtsverfügung auf?

Im Internet finden sich zahlreiche Muster und Formulare für Sorgerechtsverfügungen. Aber in der Regel reicht es aus, seine Wünsche schriftlich niederzulegen und das Dokument zu unterschreiben. Wichtig ist, dabei bestimmte formale Vorgaben einzuhalten. Diese sind mit denen identisch, die man beim Aufsetzen eines Testaments beachten muss.

Außerdem sollte man das Dokument so aufbe­wahren, dass es im Ernstfall schnell gefunden werden kann. Es bietet sich daher an, die Sorge­rechtsverfügung entweder dem Vormund zu geben, einem Notar oder sie beim Nachlass­ge­richt zu hinter­legen.

Ein Kind absichern: Kann man in einer Sorge­rechtsverfügung Personen ausschließen?

Man kann in einer Sorge­rechtsverfügung bestimmte Personen ausschließen und wider­sprechen, dass diese das Sorge­recht erhalten. Das könnten etwa  Allein­er­zie­hende tun, die dem leiblichen Elternteil des Kindes, also der Mutter oder dem Vater, kein Sorge­recht einräumen wollen, weil dieses sich beispiels­weise jahrelang nicht um das Kind gekümmert hat.

Kind für Todesfall der Eltern absichern: Prüft das Famili­en­ge­richt die Sorge­rechtsverfügung und ob sie Kindeswohl entspricht?

Ob Gerichte solchen Vorgaben immer nachkommen, ist aber nicht garantiert. „Das Familiengericht prüft jede Sorgerechtsverfügung genau und wägt ab, ob sie dem Kindeswohl entspricht“, sagt Burkhard Bühre. Bei berechtigten Zweifeln am Inhalt der Sorgerechtsverfügung, daran, ob sie dem Kindeswohl entspricht oder am festgelegten Vormund (siehe oben), wird das Gericht den Bestimmungen nicht nachkommen. Deshalb ist es besonders wichtig, Sorgerechtsverfügungen gut zu begründen, damit das Gericht die Entscheidung nachvollziehen kann. Dabei kann ein Rechtsanwalt für Familienrecht helfen.

Für Eltern lohnt es sich in jedem Fall, eine Sorge­rechtsverfügung zu verfassen und die Chance zu ergreifen, ihre Wünsche zu äußern und gericht­liche Entschei­dungen zu beein­flussen. In jedem Fall verein­facht eine solche Sorge­rechtsverfügung, das Sorge­recht  für sein Kind zu klären und eine Entscheidung zum Wohl des Kindes zu treffen.

Tod der Eltern: Wie kann man seine Kinder finan­ziell absichern?

Wenn ein oder beide Eltern­teile sterben, erhalten die Kinder eine Halbwaisen- oder eine Vollwai­sen­rente. Auch Kindergeld steht ihnen mindestens bis zu ihrem 18. Geburtstag weiter zu. Zusätzlich kann man seine Kinder auch etwa über eine Lebens­ver­si­cherung finan­ziell absichern. Ob etwa eine Risiko­le­bens­ver­si­cherung, eine Kapital­le­bens­ver­si­cherung oder andere Versi­che­rungen in Frage kommen und wie hoch die Versi­che­rungs­summe sein sollte, hängt vom Alter der Kinder ab, aber natürlich auch von den eigenen finan­zi­ellen Möglich­keiten. Über die Höhe der Versi­che­rungs­summe sollte man sich Gedanken machen, man sollte sich aber zuvor gut über Versi­che­rungs­pro­dukte infor­mieren und beraten lassen.

Tod der Eltern: Müssen Großeltern Unterhalt für die Enkel zahlen?

„Viele Großeltern wissen nicht, dass sie im Falle des Falles Unterhalt für ihre Enkel zahlen müssen“, erklärt Rechts­anwalt Bühre. Diese Unter­halts­pflicht haben aber nur die Oma und der Opa, für andere Verwandte gilt diese nicht. Die Höhe des Unter­halts hängt vom  Einkommen der Großeltern, also ihrer finan­zi­ellen Leistungsfähigkeit, ab. Großeltern steht außerdem ein Selbst­behalt in einer gewissen Höhe zu.

Tod der Eltern: Wer verwaltet das Vermögen und Erbe der Kinder?

Um das Vermögen zu sichern und den Kindern später eine gute Ausbildung zu sichern, sollte man in der Sorgerechtsverfügung eine Person benennen, die die Vermögenssorge für das Kind ausübt, bis dieses mindestens volljährig ist. Die Person, die man für diese Aufgabe  bestimmt, übernimmt also die Funktion eines Testamentsvollstreckers und kümmert sich um das Erbe der Kinder, also das Geld, die Immobilien oder was sonst an Vermögen und Eigentum vorhanden ist.

Themen
Eltern Kinder Sorgerecht Tod Vorsorge

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