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Echt Recht?

Darf man eine Urne zu Hause aufbe­wahren?

Urne zu Hause
© Quelle: DAV

Viele Mensche möchten nach dem Tod nicht auf dem Friedhof landen sondern wünschen sich eine letzte Ruhestätte in der Nähe ihrer Liebsten. Aber wie indivi­duell darf der Bestat­tungsort ausfallen? Rechts­anwalt Swen Walen­towski hat sich für unseren Leser Manfred F. die Rechtslage bei Bestat­tungen angeschaut.

Lieber Manfred F.,

man kennt das Bild aus ameri­ka­ni­schen Filmen: Eine dekorative Urne mit der Asche des verstor­benen Großvaters steht auf dem Kaminsims.

Auch viele Menschen hierzu­lande wünschen sich eine möglichst nahe letzte Ruhestätte für Ihre Hinter­blie­benen. Erlaubt ist die Urne im Wohnzimmer in Deutschland aller­dings nicht.

Welcher Umgang mit sterb­lichen Überresten zulässig ist, wird in Deutschland in den Bestat­tungs­ge­setzen der Bundesländer geregelt und variiert von Land zu Land. In den meisten Ländern gibt es nach wie vor einen Fried­hofs­zwang, der eine Bestattung nur auf speziell dafür vorge­se­henen Flächen erlaubt.

Erdbe­stattung nur auf Friedhöfen

Eine klassische Bestattung des Leichnams in der Erde ist aus nachvoll­zieh­baren hygie­ni­schen Gründen fast immer nur auf Friedhöfen möglich. Aller­dings haben einige Bundesländer die Regeln für die Erdbe­stattung in den vergan­genen Jahren gelockert. So muss der Tote beispiels­weise in Berlin nicht mehr zwingend in einem Sarg beerdigt werden. Diese Regelung kommt vor allem musli­mi­schen Bürgern entgegen, die ihre Toten tradi­tionell ohne Sarg beisetzen.

Nach einer Feuer­be­stattung sind die möglichen letzten Ruhestätten vielfältiger. Vielerorts kann die Asche des Verstor­benen heute außerhalb eines klassi­schen Fried­hofes beerdigt werden, beispiels­weise im Rahmen einer sogenannten Natur­be­stattung. Hierbei wird die Asche des Toten in einem speziell dafür vorge­se­henen Waldstück begraben.

Auch Seebe­stat­tungen sind in vielen Bundesländern möglich: In der Regel wird dabei die Urne mit der Asche im Meer versenkt. Teilweise muss die Seebe­stattung im Einzelfall begründet werden, beispiels­weise durch eine besondere Beziehung des Verstor­benen zum Meer – in anderen Ländern wie Schleswig-Holstein ist die Seebe­stattung ohne Einschränkungen möglich.

Nur in Bremen erlaubt: Die Asche im eigenen Garten

Die liberalste Regelung zum Umgang mit den Überresten Verstor­bener hat Anfang 2015 Bremen eingeführt: Hier darf die Asche eines Toten seitdem theore­tisch auf jedem Privat­grundstück verstreut werden – auch im heimi­schen Garten. Voraus­setzung ist aller­dings, dass der Verstorbene zu Lebzeiten den Verstreu­ungsort und eine verant­wort­liche „Person zur Totenfürsorge“ bestimmt hat. Auch der Grundstückseigentümer muss mit der letzten Ruhestätte einver­standen sein.

Eine Aufbe­wahrung der Asche im eigenen Haus ist aller­dings – wie überall in Deutschland –  auch in Bremen nach wie vor illegal. Wer die Bestat­tungs­vor­schriften nicht einhält und die Urne mit der Asche eines Verstor­benen trotzdem zu Hause aufbe­wahrt, begeht eine Ordnungs­wid­rigkeit. Wird man erwischt wird, muss man mit einer Geldbuße rechnen – diese kann beispiels­weise in Brandenburg bis zu 10.000 Euro betragen. Dazu können noch Kosten für eine Zwangs­be­stattung der Urne kommen, die von den Behörden in so einem Fall veran­lasst wird.

In vielen Bundesländern wird aller­dings seit Jahren eine Libera­li­sierung der Bestat­tungs­vor­schriften disku­tiert. Es ist also nicht unwahr­scheinlich, dass es bald auch hierzu­lande möglich sein wird, Opas Urne auf den Kamin zu stellen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Swen Walen­towski

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