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Nachlass

Unter­neh­mens­nach­folge: Wie vererbt man einen Famili­en­be­trieb?

Wie regelt man die Nachfolge im eigenen Unternehmen? © Quelle: Blueimages/corbisimages.com

In vielen Unter­nehmen und Famili­en­be­trieben steht in den nächsten Jahren ein Eigentümerwechsel an. Meist, weil die Chefs in den Ruhestand gehen. Wer als Eigentümer sein Unter­nehmen weiter­geben oder vererben will, sollte einige erbrecht­liche Regeln beachten, damit die Unter­neh­mens­nach­folge oder Unter­nehmensübergabe problemlos funktio­niert.

Die nächsten vier Jahre werden die deutsche Unter­neh­mens­land­schaft verändern. Zumindest stehen in rund 135.000 Betrieben Wechsel in der Führungs­spitze an, weil die bishe­rigen Eigentümer die Leitung des Betriebes an andere abgeben und sich aufs Altenteil zurückziehen. Dabei werden die Nachfolger nach Angaben des Instituts für Mittel­stands­for­schung Bonn in einem Drittel der Fälle externe sein, in der Hälfte der Fälle übernimmt ein Famili­en­angehöriger den Betrieb.

Doch wie auch immer die Unternehmensnachfolge aussieht – Eigentümer sollten sich gut darauf vorbereiten und sich dabei von einem Fachanwalt für Erbrecht beraten lassen. Denn eine  schlecht geregelte Unternehmensnachfolge kann einem Betrieb zum Beispiel über Erbschaftssteuern oder Pflichtteilansprüche von Angehörigen wirtschaftlich schaden, zu  massiven Liquiditätsproblemen führen und sogar zu einer Zersplitterung des Betriebs.  

Wie kann man Gesell­schafts­an­teile vererben?

Wer genau das Unternehmen weiterführen soll, kann der Eigentümer frei entscheiden und in seinem Testament niederschreiben. Nach seinem Tod greifen die von ihm verfügten Vorgaben. Trifft ein Unternehmer keine testamentarische Nachfolgeregelung, gilt nach seinem Tod die gesetzliche Erbfolge. Danach ist der Ehepartner der gesetzliche Erbe, den Kindern steht ebenfalls ein Teil des Nachlasses zu.

Wer Gesellschafter etwa einer GmbH oder einer Kommanditgesellschaft ist, kann seine Anteile daran auch vererben, muss dabei aber einiges beachten. „Manche Gesellschaftsverträge von Personengesellschaften enthalten erbrechtliche Sonderregeln. Diese können beispielsweise den Personenkreis reduzieren, der berechtigt ist, den Gesellschaftsanteil eines Gesellschafters zu erben“, erklärt der Berliner Rechtsanwalt Dr. Dietmar Kurze von der Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Wenn ein Gesell­schafts­vertrag vorsieht, dass die Erben nicht Gesell­schafter werden dürfen, enthält er meist eine Abfin­dungs­klausel. Diese Erbe auszu­be­zahlen kann ein Unter­nehmen mitunter aber finan­ziell überfordern oder sogar in den Ruin treiben. „Um Nachteile für ein Unter­nehmen zu vermeiden, sollten sich Gesell­schafter den Gesell­schafts­vertrag mit seinen möglichen Nachfol­ge­klauseln genau ansehen und ihn mit dem eigenen Testament abgleichen“, rät Rechts­anwalt Dr. Dietmar Kurze.

Alter­native zum Vererben: Die Übertragung eines Unter­nehmens

Wer Eigentümer eines Unter­nehmens ist, sollte sich überlegen, ob er die Leitung seines Betriebes bereits zu Lebzeiten an einen Nachfolger abgibt und es an diesen über eine Schenkung überträgt. Solche Übertra­gungen können gegenüber dem Vererben Vorteile mit sich bringen, nicht zuletzt steuer­rechtlich kann sich dies lohnen.

Doch abgesehen von der steuer­recht­lichen Seite kann die Übertragung eines Unter­nehmens zu Lebzeiten auch einen ganz prakti­schen Vorteil haben: Man kann seinen Nachfolger beizeiten einar­beiten und diesen in seine künftigen Aufgaben hinein­wachsen lassen.

Entscheidet man sich dabei für einen Nachfolger aus der eigenen Familie, eines seiner Kinder zum Beispiel, können die anderen Kinder bei einer Übertragung keinen finanziellen Ausgleich beanspruchen. Sie dürfen aber nach dem Tod des Eigentümers ihren Pflichtteil einfordern, wenn die Übergabe eine pflichtteilsrelevante Schenkung  darstellt. Diese Pflichtteile müsste der Nachfolger aber recht schnell aus dem Betriebsvermögen zahlen, was Unternehmen vor große finanzielle Probleme stellen kann.

„Hier bietet es sich an, im Prozess der Unter­nehmensübertragung zu Lebzeiten klare Absprachen innerhalb der Familie zu treffen. Man könnte zum Bespiel mit den Kindern vertraglich verein­baren, dass sie auf ihren späteren Pflichtteil verzichten“, erklärt Dr. Kurze. „Dafür müsste man ihnen einen anderen Ausgleich anbieten, dessen Zahlung sich z.B. über einen langen Zeitraum erstreckt. Andere Formen des Ausgleichs könnten stille Betei­li­gungen sein.“

Auch dem Ehepartner sollte man einen finan­zi­ellen Ausgleich anbieten und diesen mit ihm vertraglich verein­baren. Denn auch der Ehepartner kann einen Pflichtteil einfordern oder einen Anspruch auf Zugewin­n­aus­gleich geltend machen, beides könnte ein Unter­nehmen finan­ziell stark belasten. „Daher könnten man den überle­benden Ehepartner absichern, indem man ihm Privatvermögen überträgt oder ihm einen Nießbrauch einräumt, durch den er einen Teil der Erträge des Unter­nehmens erhält“, sagt Rechts­anwalt Kurze.

Viele dieser Regeln nehmen letztlich die Erbfolge vorweg, weswegen man in diesem Falle auch von vorweg­ge­nom­mener Erbfolge spricht.

Wer übernimmt das Unter­nehmen, wenn die Nachfolger zu jung sind?

Wer einen Verwandten zu seinem Nachfolger machen will, der aber noch ein Kind oder Jugendlicher ist, kann die Nachfolge des Unternehmens trotzdem absichern. Er muss zu Lebzeiten dazu aber einige Vorgaben in seinem Testament verfügen. Dabei könnte er etwa bestimmen, dass, wenn er selbst stirbt, ein externer Geschäftsführer das Unternehmen leitet, bis das Kind volljährig ist. Weiterhin könnte er bestimmen, dass ein oder mehrere Testamentsvollstrecker die Gesellschaftsanteile verwalten und die ökonomischen Interessen des Kindes wahrnehmen, bis es erwachsen ist.

Wenn kein Nachfolger vorhanden ist – wer erbt das Unter­nehmen?

Hat ein Unter­nehmen etwa keine Kinder oder ist generell kein Nachfolger vorhanden, könnte er zu Lebzeiten überlegen, das Unter­nehmen an eine Stiftung zu vererben oder in der Form einer Stiftung weiterführen zu lassen. Eine weitere Möglichkeit könnte sein, das Unter­nehmen an die Mitar­beiter zu vererben. Wenn beides nicht passt, sollte ein Testa­ments­voll­strecker bereit stehen, der das Unter­nehmen im Erbfall verkauft.

Was ist eine Unter­nehmer-Vorsor­ge­voll­macht?

Es kann schneller passieren als viele Menschen annehmen – man wird durch einen Unfall oder eine Krankheit handlungsunfähig. Für solche Fälle sollten Unternehmer beizeiten vorsorgen und eine Vorsorgevollmacht für ihre geschäftlichen Belange aufsetzen. In einer solchen Vorsorgevollmacht erteilt ein Unternehmer einem Menschen, dem er vertraut und den er als kompetent einstuft, die Vollmacht, ihm im Unternehmen zu vertreten. Je nach der Rechtsform des Betriebes kann der Bevollmächtigte etwa einen neuen Geschäftsführer einsetzen.

Man sollte recht­zeitig an die Unter­neh­mens­nach­folge denken und sich anwaltlich beraten lassen. 

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