Nachlass ordnen

Erbschaften: Wie schreibt man ein Testament?

Wer ein Testament verfassen will, sollte einige Regeln beachten.
Wer ein Testament verfassen will, sollte einige Regeln beachten.

Quelle: lolostock/gettyimages.de

Die meisten Bundesbürger umgehen das Thema Testament. Zumindest verfügen aktuell nur rund 30 Prozent aller erwachsenen Deutschen über ein solches Dokument. Dabei ist die Scheu, sich mit dem eigenen Tod zu befassen und seinen Nachlass zu ordnen, zwar verständlich, aber nicht unbedingt ratsam.

Denn mit einem inhaltlich klaren und formal korrekten Testament kann man etwa verhindern, dass sich die eigenen Verwandten um das Erbe streiten und sich darüber womöglich entzweien. Vor allem aber bestimmt man in einem Testament selbst, wem man sein Geld und Vermögen vererben will. Man kann so zumindest die gesetzliche Erbfolge aushebeln, die Regeln zu den Pflichtteilen etwa für den Partner oder die Kinder allerdings nicht.

Welche Formen von Testamenten gibt es?

Seinen letzten Willen kann man auf ganz unterschiedliche Weise niederschreiben. Man kann dies zum Beispiel in einem Einzeltestament tun. Wer verheiratet oder verpartnert ist, kann mit seinem Partner ein gemeinschaftlches Testament aufsetzen, ein so genanntes „Berliner Testament“. Darüber hinaus ist es möglich, mit seinen Kindern oder mit jemand anderem, der nicht der Gatte ist, einen Erbvertrag zu schließen. Diesen Erbvertrag muss man bei einem Notar beurkunden lassen, bei anderen Arten von Testamenten ist dies nicht notwendig.

Welche formalen Kriterien muss ein Testament erfüllen?

Es gibt nur wenige formale Kriterien, die man beachten muss, um ein wirksames Testament zu verfassen: Zunächst sollte man das Testament als solches kenntlich macht und das Dokument beispielsweise mit „Mein letzter Wille“ oder „Testament“ überschreiben. Auch muss man ein Testament persönlich und handschriftlich verfassen.

Dabei sollte man nicht vergessen, das Dokument mit Ort und Datum zu versehen und es zu unterschreiben. „Bei einem gemeinschaftlichen Testament schreibt der eine Partner den Text per Hand, dann unterschreiben beide das Dokument“, erklärt der Berliner Rechtsanwalt Dr. Dietmar Kurze von der Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Wer ein Testament aufsetzt, sollte es vermeiden, rechtliche Begriffe in dem Dokument zu verwenden. Denn häufig verwenden juristische Laien diese Termini nicht korrekt. Das kann nach dem Tod des Erblassers dazu führen, dass die Erben das Testament nicht richtig auslegen können oder dass das Testament komplett unwirksam ist. Deshalb sollte man sich von einem Fachanwalt für Erbrecht beraten lassen, bevor man ein Testament verfasst.

Wo sollte man ein Testament aufbewahren?

Man kann sein Testament bei einem Notar hinterlegen, doch da man nur einen Erbvertrag notariell beurkunden lassen muss, kann man andere Formen von Testamenten auch zu Hause aufbewahren. Wenn man sich für diese Variante entscheidet, ist es ratsam, zumindest seinen Verwandten mitzuteilen, wo man das Testament aufhebt. Wer ganz sicher gehen will, dass sein Testament im Falle des Falles gefunden wird, sollte sich an das zuständige Nachlassgericht wenden und es dort hinterlegen.

Was kann man in einem Testament bestimmen?

Bevor man ein Testament verfasst, sollte man sorgfältig überlegen, welche Inhalte man in das Dokument bringen will und wem man wie viel von seinem Nachlass vererben will. Inhaltlich ist man kaum in dem begrenzt, was man in seinem Testament bestimmen darf und wie man seinen Nachlass ordnet. „Heutzutage gibt es nur noch ganz wenige Inhalte, die als sittenwidrig gelten und die daher unwirksam in einem Testament sind“, sagt der Erbrechtsexperte Dr. Kurze.

Diese Rechtslage eröffnet künftigen Erblassern viele Möglichkeiten: So können sie etwa Verwandten, Freunden oder Organisationen, die sie unterstützen möchten, über ein Vermächtnis, einen bestimmten Geldbetrag zuwenden. Sie können sogar ihre Kinder im Testament enterben – allerdings steht diesen aber in jedem Fall der gesetzliche Pflichtteil zu.

Andere Vorgaben könnten etwa definieren, dass die Erben eine bestimmte Immobilie innerhalb einer gewissen Zeit nicht verkaufen dürfen – wobei sich bei solchen testamentarischen Vorgaben in der Praxis oft die Frage stellt, wer kontrolliert, dass sie eingehalten werden. „Wer möchte, dass seine im Testament fixierten Wünsche auch erfüllt werden, sollte einen Testamentsvollstrecker bestimmen“, rät Dr. Kurze.

Kann man ein Testament ändern oder widerrufen?

Einzeltestamente lassen sich problemlos ändern, man sollte dabei aber jeden neuen Zusatz im Testament unterschreiben. Testamente lassen sich auch komplett widerrufen, also etwa vernichten und durch ein neues ersetzen. Bei Testamenten, die ein Paar verfasst hat, ist es hingegen schwieriger, die Inhalte zu ändern, vor allem, wenn einer der beiden gestorben ist. Das gilt auch bei Erbverträgen, die sich ebenfalls nicht einseitig ändern lassen. Es ist möglich, doch muss man dafür ein kompliziertes formales Prozedere durchlaufen.

Muss man gesund sein, um ein Testament zu verfassen?

Wer ein wirksames Testament aufsetzen will, muss zumindest testierfähig sein. Es ist nicht selten, dass die Frage, ob jemand testierfähig war, als er sein Testament  niedergeschrieben hat, für Streit unter Erben sorgt. „Wer keinen Zweifel an seiner Testierfähigkeit aufkommen lassen will, sollte sich von einem Arzt beraten lassen und von ihm ein Gutachten einholen“, empfiehlt Rechtsanwalt Dr. Kurze. Dieses Gutachten sollte man seinem Testament beifügen. Auch wenn man in einem Krankenhaus liegt, kann man noch ein Testament aufsetzen.

Wie hoch sind die Kosten, wenn man ein Testament verfassen will?

Wer ein Einzeltestament verfasst und dieses zu Hause aufbewahrt, muss mit keinerlei Kosten rechnen. Nur wer sein Testament bei einem Nachlassgericht hinterlegen will, muss dafür 50 Euro bezahlen. Möchte man einen Anwalt aufsuchen, um sich beraten zu lassen, kann man das Honorar mit diesem aushandeln. Gebühren für den Notar hängen von der Höhe des zu vererbenden Vermögens ab, aber auch davon, wie komplex der künftige Erbfall ist. Bei Unternehmensnachfolgen etwa können die Gebühren daher bei mehreren tausend Euro liegen.

Wie können Ihnen eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt helfen, wenn Sie ein Testament verfassen wollen?

1. Eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt können Sie bei allen formalen und  inhaltlichen Fragen beraten, die anstehen, wenn Sie Ihren Nachlass regeln wollen. Auch über steuerrechtliche Fragen eines Erbes kann Sie ein Anwalt informieren.
2. Eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt kann für Sie ein Testament entwerfen, so dass Sie es handschriftlich abschreiben oder bei einem Notar beurkunden lassen können. Die Anwältin oder der Anwalt können Ihnen zum Bespiel auch dann helfen, wenn Sie Ihr Testament ändern wollen.

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