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Ruhestand

Rente mit 63: Welche Voraus­set­zungen müssen vorliegen?

Welche Voraussetzungen müssen Versicherte erfüllen, damit sie mit 63 Jahren in den Ruhestand gehen können? © Quelle: DAV

Seit 2014 können Arbeit­nehmer mit 63 Jahren in den Ruhestand gehen, ohne Abschläge bei ihrer Rente befürchten zu müssen. Aller­dings ist diese „Rente mit 63“ nur möglich, wenn man sehr lange gearbeitet und in die Renten­kasse einge­zahlt hat. Welche Bedin­gungen müssen Arbeit­nehmer für die „Rente mit 63“ erfüllen? Ein Überblick.

Welche Arbeit­nehmer können die „Rente mit 63“ nutzen?

Wer als Arbeit­nehmer in den Ruhestand gehen möchte, muss derzeit arbeiten, bis er 65 Jahre und fünf Monate alt ist. Künftig steigt das Renten­ein­tritts­alter auf 67 Jahre.

Wer vor dem offizi­ellen Renten­beginn in den Ruhestand gehen will, muss teils drastische, lebens­lange Abschläge bei seinem Alters­ru­hegeld hinnehmen. Die Deutsche Renten­ver­si­cherung zieht für jeden Monat, den man früher als gesetzlich vorge­sehen in die Rente geht, 0,3 Prozent ab.

„In Zahlen bedeutet das: Wenn jemand eine Vollrente von 1.500 Euro beziehen würde und drei Jahre früher in den Ruhestand geht, verringert sich die spätere Rente um 162 Euro auf 1338 Euro“, erklärt der Rechtsanwalt Christian Wagner von der Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Abschlagsfrei in Rente gehen kann man vor dem gesetz­lichen Renten­ein­tritts­alter nur ausnahms­weise, und zwar wenn man die Voraus­set­zungen für die sogenannte „Alters­rente für besonders langjährig Versi­cherte“ erfüllt. Diese „Rente mit 63“ erhalten Arbeit­nehmer dann, wenn sie zu den Jahrgängen 1950, 1951 und 1952 gehören, noch nicht in Rente sind und bei der Deutschen Renten­ver­si­cherung 45 Beitrags­jahre vorweisen können.

Demgegenüber haben aber Arbeit­nehmer, die 1953 oder später geboren sind, schlechtere Kondi­tionen, um abschlagsfrei in den Genuss der neuen Rente zu kommen. Ein Beispiel: Wer 1957 geboren wurde, kann mit 63 Jahren und 10 Monaten Rentner werden, Personen des Jahrgangs 1964 mit 64 Jahren und 10 Monaten. „Selbst wer bei seinem Geburtstag die 45 Arbeits­jahre erreicht, hat mitunter Pech“, sagt Rechts­anwalt Christian Wagner. „Die Deutsche Renten­ver­si­cherung entscheidet über den abschlags­freien Renten­beginn nicht nur anhand der Arbeits­jahre, sondern auch über das Geburts­datum.“       

Rente mit 63: Welche Zeiten gelten als Versi­che­rungs­zeiten?

Um die abschlags­freie Rente mit 63 zu nutzen, müssen Arbeit­nehmer in der Regel bereits mit 18 Jahren angefangen haben zu arbeiten und auf insgesamt 45 Versi­che­rungs­jahre kommen. Zu den Versi­che­rungs­zeiten zählen:

-    Pflicht­beiträge, die ein Versi­cherter in einer Beschäftigung oder als Selbständiger geleistet hat

-    Beschäftigungs­zeiten aus einem Minijob

-    Zeiten des Zivil- oder Wehrdiensts

-    Zeiten der unent­gelt­lichen Pflege von Angehörigen

-    Zeiten der Kinder­er­ziehung bis zum zehnten Lebens­jahres eines Kindes

-    Phasen, in denen jemand Krankengeld, Schlecht­wet­tergeld, Insol­venzgeld, Winter­aus­fallgeld oder Übergangsgeld erhalten hat

-    Freiwillige Leistungen von Selbstständigen in die gesetz­liche Renten­ver­si­cherung

Rente mit 63: Wie wertet die Renten­ver­si­cherung Zeiten der Arbeits­lo­sigkeit?

Zeiten, in denen jemand in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn arbeitslos gemeldet war, können für künftige Rentner ein Problem darstellen, denn: „Die Rentenversicherung wertet Phasen, in denen jemand Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld II bezogen hat, nicht als Versicherungszeit, sie werden also nicht auf die Rente mit 63 angerechnet“, erklärt der Sozialrechtsexperte Christian Wagner. Allerdings gibt es Ausnahmen von dieser Regel.

Muss man, wenn man die Voraus­set­zungen für die „Rente mit 63“ erfüllt, in den Ruhestand gehen?

Nein das muss man nicht. Es lohnt sich allerdings kaum, weiterzuarbeiten. Zwar erhält der Versicherte für weitere zwei Jahre Gehalt, muss aber auch voll arbeiten. Er erwirbt auch weitere Rentenansprüche. Aber diese sind so gering, dass man die durch den zweieinhalb Jahre kürzeren Ruhestand verlorenen Rentenzahlungen fast nicht mehr aufholen kann. Man muss also genau überlegen und durchrechnen, ob sich die Weiterarbeit nach dem gesetzlichen Renteneintrittsalter wirklich lohnt.       

Rente mit 63: Kann man hinzu­ver­dienen?

Ja, man kann zu seiner Rente hinzuverdienen. Wer bereits das gesetzliche Renteneintrittsalter von derzeit 65 und demnächst 67 Jahren erreicht hat, kann zu seiner Altersrente unbegrenzt hinzuverdienen. Das gilt auch für diejenigen, die die Rente mit 63 erhalten.

Aller­dings: Wer noch nicht das offizielle Renten­ein­tritts­alter erreicht hat, aber schon eine Vollrente erhält und sich etwas dazu verdienen will, muss bestimmte Hinzu­ver­dients­grenzen beachten. „In solchen Fällen darf ein Rentner pro Monat maximal 450 Euro dazu verdienen“, sagt Rechts­anwalt Wagner.

Überschreitet jemand die Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro, erhält er keine Vollrente mehr, sondern, je nachdem wie viel er verdient, eine Teilrente von zwei Dritteln, der Hälfte oder einem Drittel der Vollrente. Wo die Hinzuverdienstgrenzen für die Teilrenten liegen, ist individuell ausgestaltet und hängt vom Verdienst vor Rentenbeginn ab. Wer sehr viel verdient und die höchste Hinzuverdienstgrenze überschreitet, verliert den Rentenanspruch.

Als Hinzu­ver­dienst wertet die Deutsche Renten­ver­si­cherung Arbeits­entgelt aus abhängiger Beschäftigung, Arbeitsein­kommen aus selbständiger Tätigkeit und vergleich­bares Einkommen, etwa Vorru­he­standsgeld.

Rente mit 63 und Alters­teilzeit

Probleme mit der Rente mit 63 können bei einer vereinbarten Altersteilzeit entstehen, wenn sie vertraglich über das 63. Lebensjahr hinaus vereinbart wurde. Ob Arbeitnehmer die Altersteilzeit vorzeitig beenden können, um abschlagsfrei in den Ruhestand gehen zu können, hängt davon ab, was im Tarif- oder Arbeitsvertrag steht. Manche Arbeitgeber lassen sich vielleicht darauf ein, den Beschäftigten früher aus dem Arbeitsvertrag zu entlassen, einen rechtlichen Anspruch darauf hat man aber nicht.

Rente mit 63: Voraus­set­zungen prüfen

Versi­cherte sollten in jedem Fall frühzeitig prüfen, ob sie die Bedin­gungen für die Rente mit 63 erfüllen. Das ist wichtig, denn wenn jemand schon einen Renten­be­scheid für eine andere Rente vielleicht mit Abschlägen erhält, ist ein Wechsel zurück in die Rente mit 63 nicht mehr möglich.

Arbeitnehmer, die sich nicht sicher sind, ob sie die Bedingungen für die Rente mit 63 erfüllen, sollten sich von einem Fachanwalt für Sozialrecht beraten lassen. Dieser kann sagen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind und kann im Falle des Falles ein sogenanntes Kontenklärungsverfahren durchführen. Denn manchmal fehlen für die Rente mit 63 einige Monate, die etwa durch nicht gemeldete Pflegezeiten, Minijobs oder Krankengeld aufgefüllt werden können. Damit kann der Arbeitnehmer dann ohne Abschläge in den verdienten Ruhestand mit 63 Jahren gehen.

Rente mit 63: Arbeitsverhältnis kündigen

Wer die Voraussetzungen für die Rente mit 63 erfüllt, sollte nicht vergessen, bei der Firma, in der er arbeitet, zu kündigen oder einen Aufhebungsvertrag zu schließen. Denn das Arbeitsverhältnis endet bei der Rente mit 63 nicht automatisch.

Themen
Abschlag Arbeitnehmer Arbeitslos Rente Rentenversicherung

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