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Überstunden müssen bewiesen werden

(DAV). Wer über die normale Arbeitszeit hinaus arbeitet, möchte hierfür auch einen Ausgleich erhalten – entweder in Form von Geld oder von Freizeit. Schwierig wird es, wenn der Arbeit­geber die Zahl der Überstunden bestreitet. Wer muss was nachweisen?

Für das Landes­ar­beits­ge­richt in Schleswig Holstein steht fest: Wer die Bezahlung oder den Ausgleich von Mehrarbeit fordert, muss die Überstunden im Einzelnen darlegen. Dazu gehört die Angabe der Norma­l­ar­beitszeit sowie an welchen Tagen und zu welchen Zeiten der Mitar­beiter Überstunden geleistet hat.

 

Der Fall

Der Arbeit­geber hat mehrere Filialen. Einer der dortigen Mitar­beiter musste Überstunden machen und wollte hierfür einen Ausgleich haben. Der Arbeit­geber glaubte ihm jedoch nicht, dass er so viel mehr gearbeitet habe. Ebenso wenig habe er Überstunden angeordnet. Wegen des Filial­netzes könne er die Angaben aber auch nicht überprüfen.

Die Entscheidung

Überstunden müssen ausge­glichen werden, erläutert die Deutsche Anwaltaus­kunft. Auch muss die Mehrarbeit vom Arbeit­geber angeordnet, gebilligt oder geduldet werden und zur Erledigung der Arbeit notwendig sein.

Überstunden, die exakt angegeben werden, sind zu bezahlen oder mit Freizeit auszu­gleichen, entschied das Gericht. Die Angaben des Arbeit­nehmers müssten aber die Überstunden genau benennen. Bestreite der Arbeit­geber die Anzahl der Überstunden, müsse er konkret nachweisen, dass diese nicht angefallen seien. Der Hinweis auf die große Entfernung zur Filiale und der Perso­nal­ab­teilung reiche nicht. „Es handelt sich um eine organi­sa­to­rische Frage, wie der Arbeit­geber sicher­stellt, Infor­ma­tionen über den Arbeits­ablauf zu erhalten“, führen die Kieler Richter aus.

Der Arbeit­geber habe grundsätzlich Überstunden auch geduldet. Es reiche aus, dass der Arbeit­geber davon Kenntnis und die Mehrarbeit zugelassen hat.

Landes­ar­beits­ge­richt Schleswig-Holstein am 4. Juli 2012 (AZ: 3 Sa 57/12)

Rechtsgebiete
Arbeitsrecht

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