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Reiserücktritt

Thailand: Das sollten Reisende beachten

 Quelle: Gough/ corbisimages.com
Demonstrationen in Thailand Ende 2013: Seitdem ist die politische Lage im Land angespannt. Wer die aktuellen Anschläge verübt hat, ist noch unklar.
© Quelle: Gough/ corbisimages.com

Eine Anschlags­serie hat zahlreiche Orte im Süden Thailands erschüttert. Noch ist unklar, wer für die Attacken verant­wortlich ist. Reisenden aus Deutschland stellt sich in dieser Situation die Frage, ob sie ihren Urlaub in Thailand abbrechen oder eine geplante Reise dorthin kostenfrei stornieren können. Wir erklären die Rechtslage.

Bei den Bomben- und Brand­anschlägen im Süden Thailands hat es mehrere Tote und viele Verletzte gegeben. Betroffen sind besonders bei Urlaubern beliebte Orte wie Hua Hin, Phuket, Krabi, Trang und Surat Thani. Nach Ansicht des Auswärtigen Amtes in Berlin sind weitere Anschläge nicht ausge­schlossen.

Deshalb rät das Auswärtige Amt Urlaubern zu äußerster Vorsicht. Das Amt empfiehlt Reisenden, öffentliche Plätze und Menschenansammlungen zu meiden, „die Medien aufmerksam zu verfolgen und den Anordnungen der örtlichen Sicherheitskräfte und Behörden unbedingt Folge zu leisten.“ Eine Reisewarnung für Thailand hat das Auswärtige Amt nicht ausgesprochen.

In dieser Situation werden viele Reisende überlegen, ihren Urlaub in Thailand abzubrechen oder den Urlaub gar nicht erst anzutreten. Doch ob eine kosten­freie Reise­un­ter­bre­chung oder eine kosten­freie Kündigung derzeit möglich ist, ist offen. „Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob Urlauber jetzt einen recht­lichen Anspruch auf kosten­freie Kündigung ihrer Thailand-Reise haben“, sagt der auf Reise­recht spezia­li­sierte Rechts­anwalt Paul Degott vom Deutschen Anwalt­verein (DAV).

Dennoch können Reisende in dieser Situation etwas tun: „Wer eine Pauschal­reise nach Thailand gebucht hat, sollte bei seinem Reise­ver­an­stalter nachfragen, ob er kostenfrei auf ein anderes Urlaubsland umbuchen kann“, rät Paul Degott. Möglicher­weise kämen Reise­ver­an­stalter ihren Kunden aus Kulanz entgegen.

Aus Kulanz hat der Reise­ver­an­stalter TUI den Kunden, die nach Thailand reisen wollten, derweil angeboten, ihre Reise bis einschließlich Montag (15.8.2016) gebührenfrei umzubuchen oder zu stornieren. Andere Veran­stalter sind dem gefolgt.

Urlaub kostenfrei stornieren – wann ist das möglich?

Ob man eine Reise kostenfrei stornieren kann, ist für Urlauber ganz generell eine wichtige Frage geworden - spätestens seit beliebte Urlaubsorte wie Griechenland, die Türkei, Tunesien und jetzt wieder Thailand zu Schauplätzen schwerer finanzieller Krisen, Anschlägen und Attacken geworden sind.

Nach Gewalt­taten wollen viele Menschen, die ihren Urlaub in dem betrof­fenen Land verbringen wollten, ihre Reise dorthin am liebsten stornieren. Zwar ist das verständlich, aber nicht immer möglich, zumindest nicht kostenfrei.

„Reiserechtlich gesehen rechtfertigen allein subjektive Gründe und Ängste keinen kostenfreien Rücktritt von einer Reise“, sagt Rechtsanwalt Degott. Dazu brauche es objektive Gründe. Diese nimmt das Reiserecht dann an, wenn in einem bestimmten Land der Umstand der ‚höheren Gewalt“ herrscht und daher die Gesundheit oder gar das Leben eines Reisenden gefährdet ist oder sein könnte. Unter den Umstand der ‚höheren Gewalt“ fallen politische und militärische Auseinandersetzungen, Kriege oder Naturkatastrophen.

Wann kann man eine Reise nicht kostenfrei stornieren?

„Aller­dings sind kosten­freie Stornie­rungen von Reisen dann nicht möglich, wenn sich etwa politische Unruhen auf einen bestimmten Landesteil konzen­trieren“, sagt Paul Degott. Wer als Urlauber in Landes­teile reisen wolle, die von den Konflikten nicht betroffen seien, könne nicht von der Reise zurücktreten ohne für die Stornierung Gebühren zahlen zu müssen.

Ein Beispiel: Ende 2013 und Anfang 2014 gab es in Thailand heftige politische Ausein­an­der­set­zungen zwischen der Regierung und Teilen der Bevölkerung. Seinerzeit verhängte die thailändische Regierung den Ausnah­me­zu­stand über Bangkok.

Reisende, die nach Thailand fliegen wollten und zu deren Urlaub wesentlich ein Bangkok-Aufenthalt gehörte, konnten den Vertrag mit ihrem Veran­stalter kostenlos kündigen und mussten keine Stornie­rungsgebühren befürchten. Einen Anspruch auf Schadensersatz wegen entgan­gener Urlaubs­freuden hatten diese Urlauber aber nicht, denn es handelte sich hier nicht um ein Versagen des Reise­ver­an­stalters, sondern um den Umstand der „höheren Gewalt“.

Kostenfrei von ihrer Reise zurücktreten konnten Urlauber aber dann nicht, wenn ihre Reise sie in Regionen Thailands führte, die nicht von den Konflikten betroffen waren. Diese Urlauber mussten bei einem Reiserücktritt mit Gebühren rechnen.

Kann man den Reise­vertrag während des Urlaubs kündigen?

Brechen etwa politische Konflikte aus, während man in dem betref­fenden Land Urlaub macht, kann man die Reise abbrechen und vom Reise­ver­an­stalter einen Teil des Reise­preises zurück verlangen und sich dabei auf „höhere Gewalt“ berufen. „Der Veran­stalter behält in solchen Fällen aller­dings den Teil des Reise­preises ein, den er bis dahin für Flüge oder Hotelübernach­tungen für die Reisenden bezahlt hat.“, erklärt Paul Degott.

Reise unter­brechen oder stornieren: Zahlen Reiserücktritts­ver­si­che­rungen die Kosten?

Reiserücktritts­ver­si­che­rungen kommen in Fällen „höherer Gewalt“ nicht für entste­hende Kosten auf. Reiserücktritts­ver­si­che­rungen springen nur dann finan­ziell ein, wenn Urlauber ihre Reise aus persönlichen Gründen nicht antreten können. Wenn sie zum Beispiel unerwartet schwer krank werden – oder wenn sie seit der Reise­bu­chung ihren Job verloren haben und wegen der Arbeits­lo­sigkeit die teuren Reise­kosten nicht mehr zahlen können. 

Lesen Sie hier, welche Bedeutung die Informationen des Auswärtigen Amtes für kostenfreie Stornierungen für Reisen haben.

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