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Häusliche Pflege

Wie sind pflegende Angehörige abgesi­chert?

Die Pflegeversicherung honoriert die häusliche Pflege von Verwandten. © Quelle: Maskot/corbisimages.com

Wer Angehörige pflegt, hat einen nicht ganz einfachen Job, den er oft auch noch neben Beruf und Familie bewerk­stel­ligen muss. Doch die Pflege­ver­si­cherung honoriert die Leistungen von Pflegenden und sichert sie sozial ab. Welche Regeln dabei gelten, zeigt die Deutsche Anwaltaus­kunft.

Aktuell leben in Deutschland 2,8 Millionen pflegebedürftige Menschen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums könnte sich die offizielle Zahl der Pflegebedürftigen ab Januar 2017 auf 3,3 Millionen erhöhen. Denn ab 2017 greift die Reform der Pflege und damit wird es zum Beispiel statt Pflegestufen künftig nur noch Pflegegrade geben. Über das System der Pflegegrade können mehr Menschen als bisher als pflegebedürftig anerkannt werden. In diesem Überblickstext erfahren Sie mehr über die neuen Leistungen, die Pflegebedürftigen ab 2017 zustehen.

Die meisten Pflegebedürftigen werden nicht von profes­sio­nellen Helfern etwa in Senio­ren­heimen gepflegt, sondern von Angehörigen zu Hause. Um mehr als 70 Prozent aller Pflegebedürftigen kümmern sich Famili­en­mit­glieder - oft ohne zusätzlich die Hilfe durch einen ambulanten Pflege­dienst in Anspruch zu nehmen. Um die oft aufrei­bende Arbeit pflegender Angehöriger wenigstens teilweise zu honorieren und die Bedin­gungen zu verbessern, bringt die Pflege­reform auch Neuerungen für pflegende Angehörige mit sich.

Pflegebedürftige: Können Angehörige sich beraten lassen?

Die gesetzlichen Neuerungen sind im Zweiten Pflegestärkungsgesetz und seinem „Nachfolger“, dem Dritten Pflegestärkungsgesetz, definiert. Nach letzterem haben Pflegebedürftige sowie ihre Angehörigen einen Anspruch auf eine qualifizierte Beratung zum Thema Pflege und Pflegeleistungen. Diese Pflegeberatung sollen kommunale Pflegestützpunkte bieten, diese befinden sich teilweise noch im Aufbau. Eine offizielle bundesweite Übersicht über die Pflegestützpunkte gibt es nicht. Wer sich über Beratungsstellen vor Ort informieren will, muss sich an seine Pflegekassen wenden und sich dort erkundigen.

Von den Pflege­kassen erhalten Betroffene auch Gutscheine für die Pflege­be­ratung, wenn sie erstmals einen Antrag auf Leistungen stellen. Die Gutscheine müssen innerhalb von zwei Wochen eingelöst werden.

Wann zahlt die Pflege­ver­si­cherung Renten­beiträge für pflegende Angehörige?

In Zukunft zahlt die soziale Pflege­ver­si­cherung Renten­beiträge für alle pflegenden Angehörigen in die Kasse der Deutschen Renten­ver­si­cherung ein. Dabei muss die Pflege­person den Pflegling aber an mindestens zwei Tagen und mindestens zehn Stunden pro Woche zu Hause betreuen. Auch muss der Pflegebedürftige in einen Pflegegrad von 2 bis 5 einge­stuft sein. Mit zuneh­mender Pflegebedürftigkeit steigen die Renten­ver­si­che­rungs­beiträge: Wer sich um einen schwer Pflegebedürftigen kümmert (Pflegegrad 5), erhält künftig um bis zu 25 Prozent höhere Renten­beiträge als bisher. 

Wer zahlt die Arbeits­lo­sen­ver­si­cherung für pflegende Angehörige?

Mit den neuen Pflege­regeln soll sich auch der Versi­che­rungs­schutz bei der Arbeits­lo­sen­ver­si­cherung für pflegende Angehörige verbessern. Wer wegen der Pflege eines pflegebedürftigen Famili­en­mit­glieds aus dem Berufs­leben aussteigt, für den zahlt die Pflege­ver­si­cherung in Zukunft die Beiträge zur Arbeits­lo­sen­ver­si­cherung für die komplette Zeit der Pflege. So erwerben pflegende Angehörige Ansprüche auf Arbeits­lo­sengeld und Leistungen der aktiven Arbeitsförderung.

Sind pflegende Angehörige kranken­ver­si­chert?

Am Versi­che­rungs­schutz ändert die Pflege eines Verwandten nichts. Wenn Pflegende erwebstätig sind, sind sie über das Arbeitsverhältnis kranken­ver­si­chert. Wer keiner Lohnarbeit nachgeht, sondern zum Beispiel als Hausfrau tätig ist, bei dem greift die Famili­en­ver­si­cherung.

Entfällt diese, muss man sich entweder freiwillig versi­chern oder ist, bei Bezug von Sozial­leis­tungen, über den Leistungsträger kranken­ver­si­chert. Diese Regeln gelten für gesetzlich Versi­cherte. In der privaten Kranken­ver­si­cherung muss jeder wie vor der Pflege seines Angehörigen auch weiter seine eigenen Beiträge zahlen.

Pflegende Angehörige: Sind sie unfall­ver­si­chert?

Pflegende sind während der Betreuung ihrer Angehörigen und auf dem Weg dorthin oder zurück nach Hause gesetzlich unfall­ver­si­chert. Dieser Versi­che­rungs­schutz gilt für alle Unfälle, die während der Pflege in oder auch außerhalb der Wohnung passieren können, zum Beispiel beim Einkaufen. Der Unfall­ver­si­che­rungs­schutz greift „automa­tisch“ mit Beginn der Pflege. Pflegende müssen sich also nicht extra versi­chern, und für diesen Schutz auch nichts bezahlen. Für den Versi­che­rungs­schutz ist der Unfall­ver­si­che­rungsträger der Gemeinde zuständig, in der der Pflegebedürftige lebt.

Pflegebedürftigkeit: Wie hoch ist das Pflegegeld?

Wer ein pflegebedürftiges Famili­en­mit­glied pflegt, kann Pflegegeld beantragen. Dieses entfällt bei Pflegegrad 1.

Pflegebedürftige des Pflege­grades 2 – 316 Euro

Pflegebedürftige des Pflege­grades 3 – 545 Euro

Pflegebedürftige des Pflege­grades 4 – 728 Euro

Pflegebedürftige des Pflege­grades 5 – 901 Euro

Themen
Behinderte Pflege Pflegefall Pflegeversicherung Senioren

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