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Soziale Leistungen

Hartz IV: Wer hat Anspruch?

Jobcenter zahlen finanziell Bedürftigen Hartz IV. © Quelle: Schäfer/panthermedia.net

Im Januar 2005 trat die Arbeits­mark­treform Hartz IV in Kraft. Auch zehn Jahre danach sind ihre Folgen für Betroffene und den Arbeits­markt in Deutschland umstritten. Die Deutsche Anwaltaus­kunft startet heute ihre Serie über Hartz IV und zeigt in dieser Folge, wer Hartz IV bekommen darf.

Millionen Menschen erhalten Hartz IV. Hinzu kommen Kinder und Jugend­liche, die Sozialgeld beziehen, weil sie mit einemn Hartz IV-Empfänger in einer Bedarfs­ge­mein­schaft leben. Bedarfs­ge­mein­schaften sind zum Beispiel Familien, in denen mindestens einer der Erwach­senen diese soziale Leistung bekommt.

Nach dem Sozialgesetzbuch II haben Menschen dann Anspruch auf Hartz IV oder SGB II, wie diese Leistung offiziell heißt, wenn sie in Deutschland leben, keinen oder nur einen schlecht bezahlten Job haben und finanziell bedürftig sind. Meist zahlen die Jobcenter einen Grundbetrag, den Regelsatz, sowie die Heizkosten und die Miete in einer bestimmten Höhe. Vom Regelsatz muss man alles abdecken, was man zum Leben braucht: Lebensmittel, Kleidung, Strom. „Möbel oder Hausrat zahlt das Jobcenter nicht, die Erstausstattung für Babys aber schon“, sagt Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Conradis von der Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).    

Wie hoch sind die Regelsätze für Hartz IV-Empfänger?

Ab Januar 2017 liegt der Regelsatz für einen Allein­ste­henden bei 409 Euro monatlich. Paare, die in einer Bedarfs­ge­mein­schaft leben, erhalten jeweils 368 Euro. Kinder bis zum sechsten Lebensjahr bekommen ein Sozialgeld von 237 Euro, ältere Kinder bis 14 Jahre 291 Euro. Der Regelsatz für Jugend­liche zwischen 15 und 18 Jahren liegt bei 311 Euro im Monat.

Hartz IV trotz Arbeit, Arbeits­lo­sengeld I und für Pflegende?

Hartz IV können auch Menschen beanspruchen, die arbeiten, aber so wenig verdienen, dass es nicht zum Leben reicht. Zu diesen Aufstockern können Mini-Jobber, Selbstständige und auch Menschen zählen, die voll erwerbstätig sind. Aktuell bessern 1,3 Millionen Menschen ihren Lohn mit Hartz IV auf, 2011 zahlte der Staat dafür rund 10 Milliarden Euro. Anspruch auf Hartz IV haben manchmal auch Menschen, die Arbeitslosengeld I bekommen, kleine Kinder betreuen oder Verwandte pflegen.

Wohngeld und Kinder­zu­schlag statt Hartz IV?

Wenn das Gehalt oder der Lohn zwar für die Eltern, aber nicht für die Kinder reicht, können sie beim Jobcenter Sozialgeld für ihre Kinder beantragen. Doch bevor Eltern dies tun, sind sie verpflichtet, prüfen zu lassen, ob sie nicht Anspruch auf Wohngeld oder einen Kinderzuschlag haben. Diese Leistungen müssen beim zuständigen Wohngeldamt und bei der Familienkasse beantragt werden. Mit dieser Pflicht will der Gesetzgeber die Kassen entlasten, aus denen Hartz IV bezahlt wird.

Anspruch auf Hartz IV nur für Erwerbsfähige

Zu den Voraussetzungen dafür, Hartz IV bewilligt zu bekommen, gehört auch, dass Menschen erwerbsfähig sind und mindestens drei Stunden täglich arbeiten können. Nach Paragraph 8 des SGB II sind Menschen erwerbsfähig, wenn sie gesund sind und, im Falle von Migranten, eine Arbeitserlaubnis besitzen. Jede Arbeit gilt als zumutbar, unabhängig davon, in welchem Beruf jemand früher tätig war, oder ob jemand eine Ausbildung absolviert oder studiert hat. Ausgenommen von der Pflicht zur Arbeit sind etwa kranke Menschen oder diejenigen, die kleine Kinder betreuen.

Viele Hartz-IV-Empfänger müssen Kredit aufnehmen

Wie Medien am 21. Mai 2017 berichtet haben, müssen zahlreiche Hartz-IV-Empfänger einen Kredit bei ihrem zuständigen Jobcenter aufnehmen, um notwendige Anschaf­fungen wie einen Kühlschrank oder eine Wasch­ma­schine kaufen zu können. 2016 gewährte die Bunde­s­agentur für Arbeit 15.289 Hartz-IV-Empfängern ein Darlehen, 2007 waren es 11.521. Diese Zahlen hatte die Arbeits­markt-Expertin der Links­fraktion im Bundestag, Sabine Zimmermann, von der Bunde­s­agentur für Arbeit angefordert. Jobcenter gewähren die zinslosen Darlehen für absolut notwendige Anschaf­fungen. Für die Tilgung werden den Hartz-IV-Empfängern zehn Prozent der Regel­leistung abgezogen. 

Wie alt muss man sein, damit das Jobcenter Hartz IV bezahlt?

Anspruch auf Hartz IV haben nur Menschen, die zwischen 15 und 65 Jahre alt sind. Parallel zum künftig höheren Renten­alter verschiebt sich auch diese Alters­grenze in den kommenden Jahren und wird dann bei 67 liegen. Kindern unter 15 Jahren steht kein Hartz IV zu, sie können manchmal Sozialgeld erhalten, wenn sie in einer Bedarfs­ge­mein­schaft leben.

Wie stellt man einen Antrag auf Hartz IV?

Wer die Bedin­gungen erfüllt, kann bei dem zuständigen Jobcenter „Leistungen zur Sicherung des Lebens­un­ter­halts“ beantragen, wie es etwas sperrig heißt. Dabei muss man aber nicht nur den Antrag ausfüllen, sondern auch zahlreiche Unter­lagen vorlegen. „Gerade wenn jemand zum ersten Mal einen Antrag auf Hartz IV stellt, prüfen die Sachbe­ar­beiter der Jobcenter seine persönlichen und finan­zi­ellen Verhältnisse sehr genau“, sagt der Sozial­rechts­ex­perte Dr. Wolfgang Conradis. „Bis das Jobcenter den Antrag bewilligt, dauert es oft einen Monat, manchmal länger.“

Wer hat keinen Anspruch auf Hartz IV?

Wer noch die Schule besucht, studiert und BAfög bezieht oder eine Ausbildung absolviert, kann keine Leistungen nach dem SGB II beanspruchen. Das gilt auch für Asylbewerber, Rentner oder Menschen, die in einem Alters- oder Jugendwohnheim leben oder in einer Einrichtung für Behinderte. Auch Migranten aus den EU-Mitgliedsstaaten haben in den ersten fünf Jahren ihres Aufenthaltes keinen Anspruch auf Sozialleistungen.

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Arbeit Arbeitslosengeld 1 Arbeitslosengeld 2 Geld Hartz IV

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