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Geld und Gesundheit

Pflege­ver­si­cherung: Welche Leistungen stehen Pflegebedürftigen zu?

Pflege: Wann braucht ein Menschen Hilfe, wann ist er pflegebedürftig? © Quelle: DaveandlesJacobs/gettyimages.de

Ab Januar 2017 greifen mit dem Zweiten Pflegestärkungs­gesetz grund­le­gende Neuerungen in der gesetz­lichen Pflege­ver­si­cherung. Welche Leistungen stehen Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen dann zu? Was müssen die beachten, die bereits Leistungen von der Pflege­ver­si­cherung erhalten? Wir beant­worten die wichtigsten Fragen zur Pflege.

Pflege­ver­si­cherung: Was ändert sich ab 2017 für Menschen, die bereits pflegebedürftig sind?

Das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) tritt am 01. Januar 2017 in Kraft. Die Neuerungen betreffen vor allem die Menschen, die ab 2017 erstmals einen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung stellen. Für diejenigen, die die Pflegeversicherung bereits als pflegebedürftig anerkannt hat und die ambulant oder stationär versorgt werden, ändert sich dagegen wenig. Denn bereits anerkannte Pflegebedürftige stehen unter einer sogenannten gesetzlichen Besitzstandswahrung. Ihnen soll es durch die Reform also nicht schlechter gehen als vor der Reform, sie erhalten ab 2017 teilweise sogar mehr Leistungen als bisher. Wer bereits eine Pflegestufe hat und ambulant oder stationär versorgt wird, muss keine Anträge stellen und sich nicht erneut begutachten lassen.

Wie funktio­niert der Wechsel von Pflege­stufen in Pflege­grade?

Ab Januar 2017 weist die Pflege­ver­si­cherung pflegebedürftigen Menschen nicht mehr Pflege­stufen zu, sondern Pflege­grade. Es gibt dann statt drei Pflege­stufen fünf Pflege­grade.

Wer bereits als pflegebedürftig anerkannt ist und eine Pflege­stufe hat, dem teilt die Pflege­ver­si­cherung ab Januar 2017 einen Pflegegrad zu, und zwar den nächsthöheren. Wer etwa in der Pflege­stufe zwei war, erhält dann Pflegegrad drei. Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen müssen nichts weiter unter­nehmen, der Wechsel geschieht „automa­tisch“. 

Pflegegrad für Demenz­kranke – welche Vorgaben gelten?

Pflegebedürftige mit einer anerkannten Demenz und Pflege­stufe werden ab Januar 2017 zwei Pflege­grade höher einge­stuft. Dies gilt auch für dauerhaft psychisch kranke oder geistig behin­derte Menschen. An Demenz erkrankte Menschen sollten noch bis zum Ablauf des Jahres einen Antrag auf Feststellung der „eingeschränkten Alltags­kom­petenz“ stellen, sie erhalten in 2016 noch einen „Rabatt von 20 Prozent“, wenn sie einen Pflegegrad beantragen.

Pflege­ver­si­cherung: Wie wird der Pflegegrad ermittelt?

Die Pflegebedürftigkeit eines Menschen wird ab 2017 anders als bisher ermittelt. Dafür steht den Gutachtern des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) und anderer Organisationen dann ein neues System aus 64 Kriterien und sechs Modulen zur Verfügung.

Ambulante oder stationäre Versorgung: Was ist Pflegebedürftigkeit?

Die Gutachter und damit die Pflege­grade richten sich danach, wie pflegebedürftig ein Mensch ist. Dabei wird der Begriff der Pflegebedürftigkeit ab Januar 2017 aber neu gefasst. In Zukunft ist für die Einstufung in Pflege­grade ausschlag­gebend, wie selbstständig ein Mensch sein Leben bewältigt. Bisher richteten sich die Pflege­leis­tungen danach, wie stark jemand physisch eingeschränkt war daher bei körperlichen Verrich­tungen Hilfe brauchte.

Pflegebedürftigkeit: Was bedeuten die neuen Pflege­grade?

Nach dem neuen System gilt: Je unselbstständiger der Pflegebedürftige, desto höher der Pflegegrad und desto mehr Leistungen erhält sie oder er aus der Pflege­kasse.

Pflege­ver­si­cherung: Wie kann man einen Pflegegrad beantragen?

Wer noch keine Pflege­stufe hat, im neuen Jahr aber einen Pflegegrad beantragen will, wird nach dem neuen Prüfverfahren begut­achtet. Die Gutachter prüfen, wie selbstständig jemand ist und vergeben danach den Pflegegrad (siehe oben).

Neue Pflege­grade in der Pflege­ver­si­cherung: Wie ändern sich die Leistungen?

Die Politik hat angekündigt, dass sich durch die Reform der Pflege für bereits anerkannte Pflege- und Hilfebedürftige finan­ziell nichts ändert (siehe oben).

Allerdings: Die Reform der Pflege setzt einen Schwerpunkt auf Prävention und ambulante Pflege. Wer ab 2017 einen Antrag auf stationäre Pflege in einem Seniorenheim oder in einem Pflegeheim stellt, muss mit reduzierten Leistungen der Pflegekassen rechnen (siehe Paper S. 13). Reduzierte Pflegleistungen für Plätze in Pflegeheimen oder Seniorenheimen greifen zumindest bei Menschen mit geringerem Pflegebedarf und Pflegegraden von zwei und drei.

Pflegebedürftige: Antrag auf Platz in Pflegeheim oder Senio­renheim noch in 2016 stellen

Daher sollten sich Pflegebedürftige, die ambulant versorgt werden, sich aber überlegen, in ein Pflege- oder Senio­renheim zu ziehen, noch in 2016 einen Antrag auf einen Heimplatz stellen. Denn der Zuschuss zu Heimplätzen sinkt ab dem kommenden Jahr (siehe oben). Die Zuschüsse für die stationäre Versorgung sinken etwa von 1.064,00 Euro monatlich (Pflege­stufe I) auf dann 770,00 Euro (Pflegegrad 2).

Reform der Pflege: Erhöhen sich die Beiträge zur Pflege­ver­si­cherung für die Versi­cherten?

Ab 01. Januar 2017 erhöhen sich für die Versi­cherten die Beiträge zur Pflege­ver­si­cherung. Dann zahlen Arbeit­nehmer für die Pflege­ver­si­cherung 0,2 Prozent­punkte mehr als bisher, also 2,55 Prozent ihres Brutto­lohns. Kinderlose Arbeit­nehmer zahlen dann 2,8 Prozent.

Pflege­leis­tungen: Bessere Beratung für Pflegebedürftige, Menschen mit Beeinträchtigungen und Angehörige

Mit dem Pflegestärkungsgesetz soll sich auch die Beratung zum Thema Pflege, etwa zu den Leistungen der Pflegekassen und der Absicherung pflegender Angehöriger verbessern. Für Pflegebedürftige und Angehörige gibt es viel Beratungsbedarf, diesen decken wollen die Kommunen in sogenannten Pflegestützpunkten.

Hören Sie mehr zum Thema Pflege, Leistungen für Pflege-und Hilfebedürftige sowie pflegende Angehörige in unserem Interview mit dem Hamburger Rechtsanwalt Prof. Ronald Richter.

Themen
Altersheim Gesundheit Krankenversicherung Pflege Pflegeversicherung

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