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Leben zu zweit

Vom Namen bis zur Rente: Was sich nach der Hochzeit alles ändert

Was ändert sich nach der Hochzeit für die Frischvermählten? © Quelle: Tetra Images/gettyimages.de

Nach dem Gang zum Traualtar kommt der Gang zu den Behörden. Vom Bankkonto über die Versi­che­rungen bis zum Mietvertrag ändert sich mit der Hochzeit einiges. Vieles davon hat seine Vorteile, gleich­zeitig gibt es für Frischvermählte aber auch einiges zu erledigen. Die wichtigsten Vorteile und Baustellen im Überblick.

- Neue Rechte: Auskunft im Krankenhaus, Pakete annehmen, Vollmachten schreiben? Viele glauben, dass die Hochzeit an solchen Stellen das Leben erleichtert. „Eine rechtliche Grundlage gibt es dafür eigentlich nicht", sagt Eva Becker, Fachanwältin für Familienrecht und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Es kann aber trotzdem sein, dass eine Ehefrau im Krankenhaus leichter Informationen über ihren Mann bekommt als eine Lebensgefährtin. „Für das Krankenhaus ist es damit leichter, zu sehen, dass da tatsächlich eine Beziehung besteht", erklärt Becker.

- Der neue Name: Wer nach der Hochzeit anders heißt, muss seinen Personalausweis schnellstmöglich ändern lassen. Beim Führerschein gibt es keine Änderungspflicht - bei den Fahrzeugpapieren aber schon. Und natürlich müssen auch alle anderen Dienstleister, Vertragspartner, Versicherer und so weiter den neuen Namen kennen. Soziale Netzwerke haben für die Namensänderung nach der Hochzeit eigene Funktionen. Und die alte E-Mail-Adresse lässt sich so einrichten, dass sie Post automatisch an die neue weiterleitet.

- Steuern: Durch die Hochzeit rutschen Arbeit­nehmer in eine andere Lohnsteu­er­klasse. Der Wechsel von Klasse eins zu Klasse vier ändert zunächst aber nichts. Für Paare mit großen Unter­schieden beim Einkommen lohnt es sich aber, in die Steuer­klassen drei und fünf zu wechseln. Die Entscheidung muss aber nicht sofort fallen, Frischvermählte können damit bis zur Steuererklärung warten. Die geben Ehepaare gemeinsam oder getrennt ab.

- Der Arbeitgeber: Arbeitnehmer müssen ihre Heirat oft dem Chef mitteilen. „Entsprechende Regelungen gibt es in fast jedem Arbeitsvertrag", sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Selbst ohne gilt: Alles, was für die Gehaltsabrechnung relevant ist, muss der Arbeitnehmer wissen. Dazu gehört auch der Wechsel der Steuerklasse. Sonst ändert sich für Verheiratete im Job kaum etwas. „Die Zeiten, in denen Frauen nur mit Erlaubnis des Ehemanns arbeiten durften, sind ja zum Glück vorbei", so Oberthür.

- Die Alters­vor­sorge: Änderungen gibt es durch die Hochzeit vor allem bei der privaten Alters­vor­sorge. Für die Riester-Rente reicht es zum Beispiel, wenn nur ein Ehepartner förderbe­rechtigt ist: Damit hat der andere automa­tisch Anspruch auf Zuschüsse vom Staat, erklärt die Deutsche Renten­ver­si­cherung Bund. Um sich gegen­seitig abzusi­chern, können Ehepaare außerdem eine gemeinsame Risiko­le­bens­ver­si­cherung abschließen. Laut Bund der Versi­cherten lohnt sich das aber in der Regel nur für kinderlose Paare. Wer Kinder hat, ist demnach mit zwei getrennten Versi­che­rungen besser bedient.

- Die Wohnung: Wer vor der Hochzeit schon zusammenwohnt, muss sich nach der Hochzeit um kaum etwas kümmern. Wichtig ist nur, einen neuen Namen dem Stromversorger und anderen Providern mitzuteilen, etwa fürs Telefon. Wer jetzt erst zusammenzieht, muss zudem den Vermieter darüber informieren. Dieser darf dem Einzug aber nicht widersprechen, das gilt für verheiratete ebenso wie für andere Paare. Außerdem lohnt sich ein Blick in die Nebenkostenabrechnung: Wird die nach Personen aufgeteilt, steigt durch das Zusammenziehen die Warmmiete.

- Das Konto: Mit der Hochzeit bekommen Frischvermählte nicht automa­tisch Zugriff auf das Bankkonto ihres Ehepartners. Man kann dem Ehepartner aber bei der Bank eine Vollmacht ausstellen. Der Partner bekommt dann auch eigene Karten und Zugriff aufs Online-Banking. Alter­nativ legen sich Eheleute ein gemein­sames Konto an. Die praktischste Variante ist das sogenannte Oder-Konto, mit dem beide unabhängig vonein­ander Zugriff haben.

- Versi­che­rungen: Wer nur wenig oder gar kein Geld verdient, kann sich in der gesetz­lichen Kranken­ver­si­cherung eventuell über den Ehepartner mitver­si­chern. In einer privaten Kranken­ver­si­cherung zahlt dagegen jeder eigene Beiträge. Viele weitere Policen wie Haftpflicht-, Hausrat- oder Rechts­schutz­ver­si­cherung brauchen Ehepaare zudem nur einmal. Doppelte Versi­che­rungen lassen sich nach der Hochzeit daher getrost kündigen. Und auch bei anderen Versi­che­rungen, etwa für das Auto oder gegen Berufsunfähigkeit, gibt es durch die Hochzeit eventuell Änderungen - Nachfragen lohnt sich.

- Hartz IV, Bafög, Kindergeld und die Rente: Viele Bezüge wie das Arbeitslosengeld I oder das Kindergeld ändern sich durch die Hochzeit nicht. „Die bekommen Sie ja nicht wegen Ihrem Familienstand, sondern zum Beispiel wegen Ihrer Arbeitsleistung", sagt Rechtsanwältin Eva Becker. Anders ist es bei Sozialleistungen wie Hartz IV: Hier bilden Eheleute eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft. Reicht deren Einkommen zum Leben aus, gibt es eventuell kein Geld vom Staat. Das hat mit der Hochzeit aber eigentlich nichts zu tun. Denn auch Lebensgefährten, die zusammenleben, sind in der Regel eine Bedarfsgemeinschaft.

- Kinder: Bringt einer der Eheleute Kinder aus anderen Beziehungen mit, hat der Partner deswegen zunächst keine Rechte oder Pflichten. Er kann die Kinder aber adoptieren. „Die rechtlichen Voraussetzungen dafür sind die gleichen wie sonst auch", sagt Becker. „Bei der Beurteilung durch die Behörden kann die Ehe aber helfen." Theoretisch können die Kinder auch den bei der Hochzeit gewählten Familiennamen annehmen - dem muss der andere Elternteil aber zustimmen.

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Ehe Familie Hochzeit Verlobung

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