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Bund fürs Leben

Heiraten im Ausland & unter freiem Himmel: Ehe in Deutschland gültig?

Manche Paare möchten sich unter Wasser das Ja-Wort geben. © Hreniuca/fotolia.com

War es bis vor einigen Jahrzehnten noch üblich, sich als Paar das Ja-Wort zu geben, leben heute viele Paare ohne Trauschein zusammen. Wer doch heiratet, hat es jedoch oft gerne außerge­wöhnlich: Eine herkömmliche Trauung in Standesamt und Kirche genügt vielen nicht mehr. Unter Wasser, auf dem Schiff oder unter freiem Himmel soll die Trauung stattfinden. Viele Paare wollen auch im Ausland heiraten, allen voran Las Vegas. Wie sieht es rechtlich dabei aus: Sind solche Hochzeiten in Deutschland gültig?

Wer schon einmal eine Kreuzfahrt gemacht hat, hat es möglicherweise selbst erlebt, oder ist bei der Buchung über ein entspre­chendes Angebot gestolpert: Manche Kreuzfahrt­schiffe bieten ein Hochzeits­kom­plettpaket an, inklusive Trauung durch den Kapitän. Dass die Eheschließung gültig ist, klären meist die Reisever­an­stalter oder deren Hochzeits­planer. Dennoch gilt es, bei Hochzeiten auf einem Kreuzfahrt­schiff oder an anderen ungewöhn­lichen Orten einige rechtliche Aspekte zu beachten.

Heiraten an ungewöhn­lichen Orten: In Deutschland Ländersache

Alle Belange rund um eine Eheschließung sind in Deutschland im Personen­standsrecht geregelt. Mit Blick auf Orte, an denen man heiraten kann, ist das Gesetz jedoch recht vage. In §14 Abs. 2 Personen­stands­gesetz (PStG) heißt es: „Die Eheschließung soll in einer der Bedeutung der Ehe entspre­chenden würdigen Form, die dem Standes­beamten eine ordnungs­gemäße Vornahme seiner Amtshandlung ermöglicht, vorgenommen werden.“

Karl Krömer ist Leiter des Standesamtes Augsburg und Mitglied des Bundes­verbands der Deutschen Standes­be­am­tinnen und Standes­beamten. Er erklärt, dass dieses Gesetz regional sehr unterschiedlich ausgelegt wird: „Was erlaubt ist, kommt auf das Bundesland und die Gemeinde an.“ Heirats­willigen Paaren, die eine spezielle Hochzeit planen, rät Krömer, sich rechts­zeitig beim zuständigen Standesamt danach zu erkundigen.

Deutschland: Nur Standes­beamte dürfen trauen

Ist das Standesamt dazu bereit, ein Paar unter freiem Himmel, im Zoo oder unter Wasser zu trauen, ist die Ehe in der Regel genauso gültig als wäre sie im Standesamt geschlossen worden. Die Voraus­setzung ist, dass ein Standes­beamter die Trauung vornimmt. Er oder sie muss ordnungsgemäß bestellt sein und die Trauung den Vorschriften entsprechend durchführen.

Ausland: Eheschließung nach Ortsrecht gilt auch hierzulande

Wie sieht es aus, wenn ein Paar zwar auf die herkömmliche Art, aber im Ausland heiraten will? Viele träumen zum Beispiel von einer Hochzeit in Las Vegas, wo man sich sogar von einem Elvis-Imitator trauen lassen kann. Sie schätzen auch das unkompli­zierte Prozedere in den USA. Man muss sich nicht so weit im Voraus anmelden und nicht so viele Dokumente mitbringen wie in Deutschland.

Wer in Las Vegas, Paris, Mauritius oder einem anderen Ort im Ausland heiratet, muss sich um die Gültigkeit der Ehe in Deutschland meist keine Sorgen machen: „Wenn die Ehe vor Ort formgemäß geschlossen wurde, sind die Partner regelmäßig auch in Deutschland rechts­kräftig verheiratet“, informiert der Standes­beamte Krömer. Die Eheschließung werde jedoch gewöhnlich nicht automatisch nach Deutschland gemeldet. Wer eine deutsche Heirats­urkunde haben möchte, müsse sich in das Register des deutschen Standesamts eintragen lassen. Auch manchen Behörden müsste der veränderte Famili­enstand gemeldet werden.

Heiraten auf dem Kreuzfahrt­schiff: Manche Kapitäne dürfen trauen

Unter den ungewöhn­lichen Orten, an denen man heiraten kann, nehmen Schiffe einen besonderen Platz ein. Filme und TV-Serien verbreiten den Eindruck, dass Schiffs­ka­pitäne über ähnliche Kompetenzen verfügen wie Standes­beamte. Ob Kapitäne trauen dürfen, hängt allerdings davon ab, unter welcher Flagge das Schiff fährt.

Unter der Flagge Maltas, der Bermudas und der Bahamas dürfen Kapitäne Paare trauen. Das gilt allerdings nur dann, wenn sich das Schiff auf hoher See befindet, das bedeutet mindestens zwölf Seemeilen, also rund 22 Kilometer von der Küste entfernt. „Direkt im Hafen würde das jeweilige Landesrecht gelten“, erklärt Krömer. Kapitäne hätten dann keine Traube­fugnis.

Auch wenn das Schiff, auf dem die Trauung stattfindet, unter einer der drei genannten Flaggen fährt, ist die Eheschließung nicht automatisch in Deutschlang gültig. Bei Maltesischen Schiffen ist das der Fall, da Malta EU-Mitglied ist.

Eheschlie­ßungen nach dem Recht der Bahamas oder Bermudas müssen zunächst geheilt werden, damit sie in Deutschland gültig sind“, informiert Rechts­anwalt Klaus Weil, Mitglied des Geschäfts­füh­renden Ausschusses der Arbeits­ge­mein­schaft Famili­enrecht im Deutschen Anwalt­verein (DAV). Verhei­ratete müssten die Ehe dann noch in Deutschland registrieren lassen.

Besondere Hochzeitsorte: Information ist Trumpf

Das Fazit für Verliebte: Auch wenn es die romantische Stimmung trüben mag, sollte man sich im Vorfeld der Eheschließung über notwendigen adminis­trativen Angele­gen­heiten informieren. Wem das örtliche Standesamt für die Trauung nicht ausreicht, sollte sich bei dem zuständigen Standesamt erkundigen, ob sie unter freiem Himmel, unter Wasser oder an einem anderen ungewöhn­lichen Ort heiraten können.

Ist eine Hochzeit im Ausland geplant, sollte man sich darum kümmern, dass sie nach Ortsrecht rechts­kräftig geschlossen wird. Möchte man auf einem Kreuzfahrt schiffen heiraten, sollte man sich über die Flagge informieren, unter der das Schiff fährt.

Datum
Aktualisiert am
25.02.2016
Autor
vhe
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Themen
Ausland Ehe Hochzeit

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