Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Recht oder falsch?!

Wer gekündigt wird, erhält eine Abfindung?

Nicht bei jeder Kündigung gibt es automatisch eine Abfindung. © Quelle: www.panthermedia.de

Arbeit­nehmer gehen oft davon aus, dass sie bei einer Kündigung durch den Arbeit­geber automa­tisch Anspruch auf eine Entschädigungs­zahlung haben. Aber wann kann man sich den Abschied wirklich mit eine Abfindung versüßen lassen?

„Jetzt müssen sie dir aber eine ordentliche Abfindung zahlen!“ Aufmunternde Sprüche wie diesen hören Arbeitnehmer häufig von Kollegen und Freunden, wenn sie eine Kündigung erhalten. Die Ansicht, dass bei einem Rauswurf automatisch hohe Entschädigungszahlungen fließen, ist weit verbreitet.

Dieser Mythos mag auch darin gründen, dass Arbeit­nehmer im deutschen Recht einen hohen Schutz genießen und in der Regel nicht wie in anderen Ländern ohne weiteres gefeuert werden können. Da liegt es nahe zu glauben, dass bei einer Kündigung automa­tisch ein großzügiges finan­zi­elles Abschieds­ge­schenk des Arbeit­gebers fällig ist.

Kein genereller Anspruch auf Abfindung

Doch das Gerücht stimmt nicht: Arbeitnehmer haben bei einem vorzeitigen Ausscheiden keinen generellen Anspruch auf eine Abfindung. Ein solcher Anspruch würde auch kaum  Sinn ergeben – schließlich sind Mitarbeiter in Deutschland durch das Kündigungsschutzgesetz ohnehin gegen willkürliche Entlassungen abgesichert.

Wenn ein Arbeitnehmer ohne triftigen Job gekündigt wird, muss seinen Chef nicht um eine Entschädigung bitten, sondern kann die Kündigung einfach vor Gericht anfechten – und seinen Job behalten. Mehr als 30 Prozent aller gekündigten Arbeitnehmer gehen nach Angaben des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) gerichtlich gegen Ihre Entlassung vor.

Viele Verfahren enden mit einem Vergleich

Dass trotzdem häufig Abfin­dungen gezahlt werden, hat praktische Gründe: Bei vielen Kündigungs­schutz­klagen haben beide Seiten kein wirkliches Interesse daran, dass Arbeitsverhältnis fortzu­setzen. Schließlich ist es für Chef und Mitar­beiter nicht einfach, zum Tages­geschäft überzu­gehen, wenn man sich kurz zuvor noch vor Gericht gestritten hat.

Oft enden diese Gerichtsverfahren deshalb mit einem Vergleich: Statt aufwändig zu klären, ob die Kündigung rechtens war, zahlt der Arbeitgeber eine Abfindung und der Arbeitnehmer akzeptiert seine Entlassung. Diese Lösung ist häufig für beide Seiten attraktiver als ein langes Verfahren mit ungewissem Ausgang.

Aufhebungsverträge lohnen sich selten

Gelegentlich einigen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch ohne Beteiligung eines Gerichts – mit einem Aufhebungsvertrag. Dieser hat für den Arbeitnehmer zwar Nachteile, zum Beispiel bezüglich des Anspruchs auf Arbeitslosengeld, kann die Trennung vom alten Job aber erheblich beschleunigen. Auch im Rahmen eines Aufhebungsvertrages kann eine Abfindung vereinbart werden – ebenfalls freiwillig und ohne gesetzlich definierte Ansprüche.

Die Höhe einer freiwillig vereinbarten Abfindung hängt entscheidend davon ab, wie energisch der Arbeitnehmer verhandelt. Es gibt zwar Faustformeln zur Berechnung der Abfindung, die sich aber mit etwas Geschick und einer guten Verhandlungsposition durchaus übertreffen lassen. Worauf Sie bei der Verhandlung der Abfindung achten sollten, können Sie hier nachlesen.

Anspruch auf Abfindung in Ausnahmefällen

Auch wenn es keine generelle gesetz­liche Pflicht zur Zahlung einer Entschädigung bei Kündigungen gibt, können Arbeit­nehmer in Sonderfällen trotzdem einen Anspruch auf eine Abfindung haben – zum Beispiel, wenn es entspre­chende Regelungen in einem Tarif­vertrag gibt. Bei größeren Kündigungs­wellen oder Schließungen ganzer Betriebe setzt der Betriebsrat häufig Abfin­dungs­zah­lungen durch, auf die dann ebenfalls alle Mitar­beiter Anspruch haben.

Seit 2004 steht Arbeitnehmern unter ganz bestimmten Umständen ebenfalls eine Abfindung zu: Wer betriebsbedingt gekündigt wird und freiwillig auf eine Klage verzichtet, hat gemäß § 1a des Kündigungsschutzgesetzes einen Anspruch auf eine Abfindung in Höhe von 0,5 Monatsgehältern für jedes Jahr des Bestehens des Arbeitsverhältnisses. Das gilt allerdings nur, wenn der Arbeitgeber freiwillig diese Möglichkeit einräumt, indem er im Kündigungsschreiben darauf hinweist – und das passiert eher selten.

Brauchen Sie rechtlichen Rat zum Thema Abfindung? Hier finden Sie eine Anwältin oder einen Anwalt für Arbeitsrecht in Ihrer Nähe.

Themen
Arbeit Arbeitnehmer Arbeitsplatz Kündigung Recht oder falsch?!

Zurück

Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Mobilität
Sturm und Starkregen: Ihre Rechte bei Zugausfall und Flugverspätung
Leben
Matratzenkauf im Internet: Gibt es ein Recht auf Rückgabe?
Beruf
Sabbatical: Antworten auf die wichtigsten Rechtsfragen
Mobilität
Unfall beim Abschleppen eines Autos: Wie weit geht die Darlegungslast?
Beruf
Mindestlohn: Was Arbeitnehmer und Arbeitgeber wissen müssen
zur
Startseite