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Gesundheit und Arbeit

Wann gilt Schwerhörigkeit als Berufs­krankheit?

Starker Lärm schadet der Gesundheit. Doch wann gilt er als Berufskrankheit? © Quelle: HeroImages/gettyimages.de

Wer dauerhaft starkem Lärm ausge­setzt ist, kann an einer Lärmschwerhörigkeit erkranken. Ob die Berufs­ge­nos­sen­schaft diese als Berufs­krankheit anerkennt, hängt aber davon ab, ob starker Lärm am Arbeits­platz diese verur­sacht hat. Eine gewöhnliche Lärmbelastung am Arbeits­platz, auch in einem Großraumbüro, führt nicht zur Einstufung einer Schwerhörigkeit als Berufs­krankheit. Das hat das Landes­so­zi­al­ge­richt Baden-Württemberg entschieden.

Jeder weiß: Dauer­hafter, starker Lärm kann der Gesundheit und dem Gehör schaden. Ob ein solcher Schaden aber als „Berufs­krankheit“ einge­stuft wird, hängt von verschie­denen Faktoren ab. Diese Faktoren lassen sich am Beispiel eines Falles darstellen, der dem Landes­so­zi­al­ge­richt Baden-Württemberg vorlag.

Danach erkrankte ein 48-jähriger Ingenieur, der seit rund 15 Jahren in einem Großraumbüro beschäftigt war, an beiden Ohren an Tinnitus und einer leichten Hörminderung im Hochtonbereich. Er meinte, seine Tätigkeit in dem Großraumbüro habe die Schwerhörigkeit verursacht und wollte die Anerkennung und Entschädigung der Erkrankung als Berufskrankheit erreichen.

In dem Büro wurde eine Lärmbelastung zwischen 50 dB und 65 dB gemessen. Ein von der Berufsgenossenschaft eingeschalteter ärztlicher Sachverständiger kam zum Ergebnis, dass diese Lärmbelastung viel zu gering sei, um die Erkrankung zu verursachen. Die Hörminderung des Mannes sei für sein Alter nicht ungewöhnlich. Außerdem litten in Deutschland drei bis vier Millionen Menschen unter Ohrgeräuschen, die von unterschiedlichsten Ursachen herrührten. Unter Berufung auf dieses Gutachten lehnte die Berufsgenossenschaft die Anerkennung einer Berufskrankheit ab.

Schwerhörigkeit als Berufs­krankheit?

Dagegen zog der Mann erfolglos vor Gericht. Bereits das Sozial­ge­richt Stuttgart hatte die Anerkennung der beste­henden Erkrankung als Berufs­krankheit abgelehnt. Das bestätigte das Landes­so­zi­al­ge­richt. Nach Auffassung der Richter ist nicht jede Erkrankung auch eine Berufs­krankheit im Sinne der gesetz­lichen Unfall­ver­si­cherung. Es komme darauf an, ob die beruf­liche Tätigkeit die Ursache für den Gesund­heits­schaden sei. Im vorlie­genden Fall sei der für eine Lärmschwerhörigkeit notwendige Dauer­schall­pegel bei weitem nicht erreicht worden.

Eine sogenannte Lärmschwerhörigkeit könne sich nur bei einer hohen und lang andau­ernden Lärmbelastung entwi­ckeln. Erfor­derlich hierfür sei eine Lärmbelästigung von mehr als 85 dB(A) als Dauer­schall­pegel bei einem Achtstun­dentag über viele Arbeits­jahre hinweg. Der Ingenieur sei im Großraumbüro keiner derar­tigen Lärmein­wirkung ausge­setzt gewesen (AZ: L 6 U 4089/15).

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Arbeit Arbeitnehmer Arbeitsplatz Gesundheit

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