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Die (un)üblichen Verdächtigen

Verdachts­kün­digung: Wer muss was beweisen?

Verdachtskündigung
© Quelle: kritchanut/fotolia.de

Wann ist eine Verdachts­kün­digung erlaubt?

Spricht der Arbeitgeber eine Verdachts­kün­digung aus, muss er dabei strenge Anforde­rungen erfüllen:

  • Die Verdachtsmomente müssen sich auf objektive Tatsachen gründen
  • Diese müssen geeignet sein, das für die Fortsetzung des Arbeitsfeldes erforderliche Vertrauen zu zerstören
  • Der Arbeitgeber muss alle zumutbaren Anstrengungen zur Aufklärung des Sachverhalts vornehmen, insbesondere den Betroffenen Gelegenheit zur Stellungnahme geben
  • Der Verdacht des Arbeitgebers muss auf konkrete Tatsachen gestützt sein
  • Der Verdacht des Arbeitgebers muss dringend sein
  • Es muss eine große Wahrscheinlichkeit dafür bestehen, dass er zutrifft.

Richter: Erinne­rungs­lücken möglich, Verdacht nicht stark genug

Nachdem die Kieler Richter diese Punkte geprüft hatten, lehnten sie die Verdachts­kün­digung ab. Es bestehe gegen die Arbeit­nehmerin zwar ein Verdacht, der sei jedoch nicht stark genug, so das Gericht. Allein aus den merkwürdigen Pausen­zeiten hatten die Richter keine hohe Wahrschein­lichkeit heraus­gelesen, dass die Mitarbeiterin ihren Arbeitgeber habe betrügen wollen.

Die Arbeit­nehmerin sei zwar verpflichtet, den Sachverhalt zu ergänzen. Es reiche aber aus, dass sie ihre Pausen­zeiten darlege. Sie müsse dem Arbeitgeber gegenüber nicht detailliert belegen, was sie an den einzelnen Tagen nach den von ihr angegebenen Pausen konkret für Tätigkeiten erledigt habe.

Plausible Erinne­rungs­lücken seien tatsächlich denkbar. Auch ist klar, dass man nicht jeden Tag Notizen des Geschehenen anfertige. Das Gericht berück­sichtigte hier insbesondere, dass schon über ein Monat vergangen war.

Verdachts­kün­digung: Angemessene Frist für Anhörung des Arbeit­nehmers verpflichtend

Damit eine Verdachts­kün­digung wirksam ist, muss der Arbeitgeber außerdem genug Zeit haben, sich zu dem Verdacht zu äußern. Das geht aus einer Entscheidung des Landes­ar­beits­ge­richts Schleswig-Holstein vom 21. März 2018 hervor (AZ: 3 Sa 398/17), über die die Arbeits­ge­mein­schaft Arbeitsrecht im DAV informiert. Demnach ist eine Frist von zwei Werktagen dafür in jedem Fall zu kurz. Die Verdachts­kün­digung ist dann unwirksam.

Verdachts­kün­digung durch Arbeitgeber Rechts­anwalt hilft

Die Arbeit­nehmerin konnte sich erfolgreich gegen ihren Arbeitgeber und gegen ihre Verdachts­kün­digung wehren. Dies ist nur mit einer im Arbeitsrecht versierten Rechts­an­wältin beziehungsweise einem Rechts­anwalt möglich. Ansprech­partner im ganzen Bundes­gebiet finden Sie über die Anwaltssuche oben auf der Seite.

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Datum
Aktualisiert am
07.03.2019
Autor
red/dpa,DAV
Bewertungen
890
Themen
Kündigung Kündigungs­schutz Verdacht

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