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Längere Kündigungs­frist bei Kündigung in der Probezeit

(red/dpa). In der Probezeit soll sich der neue Mitar­beiter einar­beiten. Der Arbeit­geber kann sich in dieser Zeit ein Bild von ihm machen. In der Probezeit gilt grundsätzlich die Kündigungs­freiheit. Man kann sich also schnell vonein­ander trennen.

Der Arbeitgeber kann aber bei einer sechsmonatigen Probezeit auch zum Ende kündigen. Er hat sogar die Möglichkeit, die Kündigungsfrist zu verlängern, wenn er dem Betroffenen noch eine Chance geben möchte. So hat das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern eine Verlängerung der Kündigungsfrist auf vier Monate bestätigt. 

Kündigung in der Probezeit

Der Mann war seit dem ersten Dezember 2012 bei dem Unter­nehmen beschäftigt und in der Kunden­be­lie­ferung einge­setzt. Es wurde eine Probezeit von sechs Monate mit einer eintägigen Kündigungs­frist vereinbart. Die Probezeit verlief jedoch nicht problemlos. Im März 2013 beschädigte der neue Mitar­beiter ein Firmen­fahrzeug. Auch soll er Probleme gehabt haben, die vorge­ge­benen Leistungs­ziele einzu­halten.

Der Arbeit­geber bot ihm in der Probezeit an, die Probezeit um drei Monate zu verlängern. Dieses Angebot lehnte der Mann ab. Daraufhin kündigte das Unter­nehmen das Arbeitsverhältnis mit einer Kündigungs­frist von vier Monaten. In dem Kündigungs­schreiben hieß es: „Die längere Kündigungs­frist wird als weitere Bewährungs­chance angesehen, sich besser in die betrieb­lichen Abläufe einzu­passen, die anste­henden Arbeiten auf einem höheren Qualitäts- und Leistungs­niveau auszuführen. Ihnen wird ausdrücklich bei Erfüllung der Leistungs­kri­terien eine Wieder­ein­stellung in Aussicht gestellt.“

Der Mitar­beiter wehrte sich gegen die Kündigung. Er richtete seine Klage auch gegen die Kündigungs­frist von vier Monaten: Der Arbeit­geber habe sich so nur seine Arbeits­kraft über die Sommer­monate „sichern“ wollen.

Längere Kündigungsfrist in Probezeit möglich

Die Klage hatte keinen Erfolg. Nach Ansicht des Gerichts in Rostock lag eine wirksame Kündigung vor. Die gewählte Kündigungs­frist sei nicht unzulässig lang. Das Gericht stellte auch fest, dass der Kläger die Probezeit nicht bestanden habe. Zum einen habe er ein Fahrzeug beschädigt. Zum anderen habe es mehrere Gespräche mit seinem Vorge­setzten über seine Leistungen gegeben. Dass der Arbeit­geber die Kündigungs­frist über die gesetz­liche Vorgabe hinaus verlängert habe, sei nicht zu beanstanden. Dem Mann sei schließlich auch die Wieder­ein­stellung bei Bewährung in Aussicht gestellt worden.

Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern am 24. Juni 2014 (AZ: 5 Sa 222/13)

Rechtsgebiete
Arbeitsrecht Kündigungsschutzrecht

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