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Kein Not-Kaiser­schnitt – Klinik handelte korrekt

(DAV). Ein Not-Kaiser­schnitt ist nur dann gerecht­fertigt, wenn ein sicheres Lebens­zeichen des Kindes festzu­stellen ist und dieses ohne Eingriff zu sterben droht. Nur dann ist es gerecht­fertigt, zur Rettung des Kindes die Gesundheit der Mutter Risiken auszu­setzen.

Das berichtet die Arbeits­ge­mein­schaft Medizin­recht des Deutschen Anwalt­vereins (DAV) und verweist auf ein Urteil des Oberlan­des­ge­richts Hamm.

Tragische Totgeburt

Nachdem eine 35-jährige Frau ihren Sohn in der Klinik tot auf die Welt gebracht hatte, verlangte sie vom Krankenhaus Schmer­zensgeld in Höhe von 15.000 Euro. Sie war der Meinung, dass ihr Kind bei ordnungsgemäßer Überwa­chung und Behandlung durch die Mitar­beiter des Kranken­hauses lebend zur Welt gekommen wäre. Am Tage der Geburt hätte ein erfolg­reicher Notfall­kai­ser­schnitt statt­finden können und müssen. Das sei jedoch unter­lassen worden. Darüber hinaus sei sie nicht darüber aufgeklärt worden, dass wegen eines Schwan­ger­schafts­dia­betes erhöhte Risiken bestanden hätten.

Keine Behandlungsfehler

Vor Gericht hatte die Frau keinen Erfolg. Auch nach Anhörung eines medizi­ni­schen Sachverständigen konnten die Richter keine fehler­hafte Behandlung vor oder am Tage der Geburt feststellen. Bevor das Krankenhaus die Patientin zur Geburt aufge­nommen habe, hätte es keine Anhalts­punkte für eine vorzeitige Beendigung der Schwan­ger­schaft gegeben. Insbe­sondere hätten nach Auskunft des Sachverständigen die früheren Ultra­schall­un­ter­su­chungen, Doppler­so­no­gra­phien und CTGs im Normbe­reich gelegen. Es erscheine deshalb plausibel, dass man den weiteren Verlauf der Schwan­ger­schaft abgewartet habe. Eine engma­schige ambulante Behandlung, wie man sie der Frau auch empfohlen habe, habe ausge­reicht. Ihre vorzeitige stationäre Aufnahme sei nicht geboten gewesen.

Das Verhalten des Personals nach der stationären Aufnahme sei auch im Nachhinein nicht zu beanstanden, so die Richter. Als die Frau am Tage der Geburt im Krankenhaus einge­troffen sei, habe das Kind nicht mehr gerettet werden können. Die Patientin sei direkt an ein CTG-Gerät angeschlossen worden. Zu diesem Zeitpunkt habe man bereits keine kindlichen Herztöne mehr feststellen können. Nach dem Ergebnis der weiteren Unter­su­chungen habe das Kind nicht mehr gelebt. Deswegen sei ein Notfall­kai­ser­schnitt bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr angemessen gewesen. Voraus­setzung für ihn sei, dass das Kind noch lebe und ohne den Eingriff zu sterben drohe. „Nur dann ist es gerecht­fertigt, zu seiner Rettung das Leben und die Gesundheit der Mutter aufs Spiel zu setzen“, so das Gericht.

Oberlandesgericht Hamm am 09. Juli 2013 (AZ: 26 U 191/12)

Quelle: www.dav-medizinrecht.de

Rechtsgebiete
Medizinrecht

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