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Belei­digung des Vorge­setzten – keine Kündigung

(dpa/red). Dass grobe Belei­di­gungen und Beschimp­fungen eines Vorge­setzten den eigenen Job in Gefahr bringen können – wer wüsste das nicht? Aber nicht jede Belei­digung recht­fertigt gleich eine Kündigung.

Die Verhältnismäßigkeit zwischen dem konkreten Vorfall und der Kündigung muss gewahrt sein, so die Arbeits­ge­mein­schaft Arbeits­recht des Deutschen Anwalt­vereins (DAV). Das Landes­ar­beits­ge­richt Köln hatte sich mit der Frage zu befassen, ob der Arbeit­geber einem Mitar­beiter wegen einer einma­ligen Belei­digung im vertrau­lichen Gespräch kündigen darf.

Grobe Ehrverletzung: Vorgesetzten als Kollegenschwein beschimpft

Der technische Angestellte litt unter gesund­heit­lichen Problemen, die er auf die Arbeits­be­din­gungen am Prüfstand, an dem er tätig war, zurückführte. Ab Ende Oktober 2012 war er fortlaufend arbeitsunfähig erkrankt. Im Februar 2013 fand ein Wieder­ein­glie­de­rungs­gespräch statt.

Der Mitar­beiter strebte erfolglos die Versetzung in anderes Team an. Er gab an, dass er seinen Vorge­setzten, den Teamleiter, nicht akzep­tiere und nannte ihn ein „Kolle­gen­schwein“. Nachdem er sich mit einem Betriebs­rats­mit­glied beraten hatte, stimmte er am Ende des Gesprächs dem Wieder­ein­glie­de­rungsplan seines Arbeit­gebers und damit der Beschäftigung im bishe­rigen Team zu.

Das Unter­nehmen wollte dem Mitar­beiter nun jedoch kündigen, weil er seinen Vorge­setzten mehrfach in ehrver­let­zender Weise als Kolle­gen­schwein bezeichnet habe. Es hörte dazu den Betriebsrat an. Dieser hatte Bedenken gegen die außerordent­liche Kündigung und legte Wider­spruch gegen die ordent­liche Kündigung des Arbeitsverhältnisses ein. Das Unter­nehmen kündigte dem Mann trotzdem fristlos, hilfs­weise frist­ge­recht.

Dieser wehrte sich mit einer Kündigungs­schutz­klage und hatte in beiden Instanzen Erfolg. Weder die fristlose noch die ordent­liche Kündigung sei wirksam, entschieden die Richter. Beide Kündigungen seien unverhältnismäßig. Die Inter­es­senabwägung falle hier zu Gunsten des Mitar­beiters aus.

Grobe Beleidigung ist erheblicher Verstoß

In der Tat habe dieser seinen Arbeits­kol­legen „grob beleidigt und erheblich gegen seine vertrag­liche Rücksicht­nah­me­pflicht verstoßen“. Diese erheb­liche Ehrver­letzung des Teamleiters habe der Arbeit­geber auch nicht hinnehmen müssen. Jedoch hätte eine Abmahnung ausge­reicht. Sie wäre eine geeignete und angemessene Reaktion gewesen. Die Pflicht­ver­letzung des Mannes sei auch nicht so schwer gewesen, dass eine Abmahnung entbehrlich gewesen wäre.

Es sei zu berücksich­tigen, dass es sich um einen einma­ligen Vorfall gehandelt habe und der Mitar­beiter die Äußerung in einem vertrau­lichen Gespräch in Abwesenheit des Teamleiters gemacht habe. Darüber hinaus würde die Kündigung den Mann aufgrund seines fortge­schrit­tenen Alters und seiner Behin­derung – Grad der Behin­derung von 30 – besonders hart treffen.

Landesarbeitsgericht Köln am 7. Mai 2014 (AZ: 11 Sa 905/13)

Quelle: www.dav-arbeitsrecht.de

Rechtsgebiete
Arbeitsrecht

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