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An Baustellen besonders hohen Seiten­ab­stand halten

(red/dpa). Baustellen und Baustel­len­fahr­zeuge bergen besondere Unfall­ri­siken. Dazu gehört auch, dass die dort tätigen Personen häufig so auf ihre Arbeit konzen­triert sind, dass sie nicht immer die im Straßenverkehr gebotene Sorgfalt vollständig beachten.

Andere Verkehrsteilnehmer müssen daher unter anderem auch damit rechnen, dass sich die Tür eines Baustellenfahrzeugs unerwartet öffnet, erläutert die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Autofahrer müssten darum einen besonders großen Abstand zu solchen Fahrzeugen halten, so das Landgericht Saarbrücken.

Unfall mit Baustellenfahrzeug trotz Warnblinker und Rundumleuchte

Als ein Pkw einen in einer Baustelle geparkten Lkw überholte, streifte er dabei dessen geöffnete Fahrzeugtür. Das Baustel­len­fahrzeug stand mit einge­schal­teter Warnblink­anlage und Rundum­leuchte am rechten Straßenrand. Der Betrieb, dem der Lkw gehörte, klagte auf Schadensersatz.

Weites Türöffnen ist an Baustellen einzukalkulieren

Mit teilweisem Erfolg: Der Lkw-Halter trägt ein Drittel des Schadens, zwei Drittel der Pkw-Halter, entschieden die Richter. Der Autofahrer habe den Unfall durch eine Unter­schreitung des gebotenen Seiten­ab­standes mitver­ur­sacht. Beim Vorbei­fahren an einem parkenden Fahrzeug sei stets ein ausrei­chender Sicher­heits­ab­stand einzu­halten. Wie groß der sein müsse, hänge aller­dings vom Einzelfall ab. In dem vorlie­genden, beson­deren Fall hätte der Autofahrer den Abstand – über das im Normalfall übliche Maß hinaus­gehend – so bemessen müssen, dass es selbst bei weiter Öffnung der Fahrertür nicht zu einer Kollision gekommen wäre.

Passiere ein Verkehrs­teil­nehmer ein Baustel­len­fahrzeug, das mit weiß-rot-weißen Warnein­rich­tungen, Warnblink­licht und Rundum­leuchte gekenn­zeichnet sei, müsse er die typischen Baustel­len­ri­siken einplanen. Dabei gelte: Je schwerer der Verkehrs­verstoß, desto weniger müsse der andere Verkehrs­teil­nehmer ihn einkal­ku­lieren. Ein unvor­sich­tiges, auch weites Öffnen der Tür gehöre aller Erfahrung nach an einer Baustelle aber zu einer typischen Nachlässigkeit, mit der man rechnen müsse.

Der Lkw-Fahrer habe aller­dings fahrlässig gegen seine Sorgfalts­pflicht beim Ein- und Aussteigen verstoßen. Er hätte die Tür erst öffnen dürfen, nachdem er sich durch einen Blick nach hinten verge­wissert hatte, dass sich kein Fahrzeug nähere.

Landgericht Saarbrücken am 17. April 2014 (AZ: 13 S 24/14) 

Quelle: www.verkehrsrecht.de

Rechtsgebiete
Verkehrsrecht Verkehrsstraf- und OWi-Recht

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