Rechtslexikon

Diebstahl

Eines der wichtigsten Vermögensdelikte, nach § 242 StGB jede Handlung, durch die jemand eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, sie sich rechtswidrig zuzueignen. Fremd ist eine Sache, wenn sie dem Täter nicht gehört; die rechtswidrige Zueignung herrenloser Sachen wird jedoch nicht vom Tatbestand des Diebstahls erfasst. Verloren gegangene Sachen sind gewahrsamslos; sie können daher nicht gestohlen, sondern allenfalls unterschlagen werden (Unterschlagung). Unter Wegnahme wird der Bruch fremden Gewahrsams, d. h. die Aufhebung der tatsächlichen Sachherrschaft eines anderen und die Begründung neuer, meist eigener Sachherrschaft des Täters verstanden. Dabei genügt auf der Seite des Bestohlenen ein »gelockerter«, seine faktische Zugriffsmöglichkeit vorübergehend ausschließender Gewahrsam, sofern sich die Sache nach sozialer Betrachtungsweise der Herrschaftssphäre des Opfers noch zuordnen lässt. Beispiele: Diebstahl ist möglich bei Schlafenden oder bei abwesenden Hausbewohnern.

Die Zueignungsabsicht liegt vor, wenn der Täter über die Substanz der Sache wie ein Eigentümer verfügen oder sie ihrem Wert nach dem eigenen Vermögen zuführen will (z. B. Entwendung eines Sparbuches, um die Einlage abzuheben). Kein Diebstahl liegt daher vor, wenn der Täter die Sache nur gebrauchen und dann dem Berechtigten wieder zur Verfügung stellen will (»Gebrauchsdiebstahl«), jedoch kann dieses Verhalten unter andere Strafvorschriften fallen (z. B. § 248 b StGB, unbefugter Gebrauch eines Fahrzeuges). Nicht nur versuchter, sondern bereits vollendeter Diebstahl liegt häufig beim Ladendiebstahl vor, wenn der Täter die Ware aus der Auslage entnimmt und an seinem Körper, in seiner Kleidung oder mitgeführten Taschen verbirgt.

Der einfache Diebstahl wird nach § 242 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bedroht, während in den besonders schweren Fällen des § 243 StGB eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu zehn Jahren zu verhängen ist. Ein besonders schwerer Fall liegt »in der Regel« (also nicht notwendigerweise stets) vor beim Einbruch-, Einsteige- und Nachschlüsseldiebstahl, beim Diebstahl einer (z. B. durch ein Schloss) gegen Wegnahme besonders gesicherten Sache, beim gewerbsmäßigen Diebstahl, beim Diebstahl aus Kirchen oder anderen Räumlichkeiten zur Religionsausübung, beim Diebstahl bestimmter gefährlicher Waffen sowie dann, wenn der Täter die Hilflosigkeit eines anderen, einen Unglücksfall oder eine Gemeingefahr ausnutzt. Der Diebstahl mit Waffen und der Bandendiebstahl (Diebstahl von Mitgliedern einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbunden haben) werden nach § 244 StGB mit Freiheitsentzug von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. Der Diebstahl geringwertiger Sachen wird außer bei öffentlichem Interesse im Falle des § 242 StGB nur auf Antrag verfolgt (§ 248 a StGB). Ferner wird nach § 247 StGB der Diebstahl nur auf Antrag verfolgt, wenn er sich gegen einen Angehörigen, einen Vormund, einen Betreuer oder eine Person richtet, mit der der Täter in häuslicher Gemeinschaft lebt (»Haus- und Familiendiebstahl«). Als ein Verbrechen wird der räuberische Diebstahl (die Widerstandsleistung des auf frischer Tat Ertappten) bestraft (§ 252 StGB). Kein Diebstahl im eigentlichen Sinn ist die unbefugte Entziehung elektrischer Energie (Elektrizitätsdiebstahl, z. B. das Anzapfen von Stromleitungen), weil die Elektrizität nicht als »Sache« im Sinne des § 242 StGB gilt; doch steht auf diese Tat nach § 248 c StGB Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe.

Quelle:
Duden Recht A – Z © 2011 Bibliografisches Institut GmbH Berlin

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