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Frauenquote: Die Entscheider sitzen im Vorstand

Frauen in den Chefetagen der Dax-Konzerne sucht man wie Nadeln im Heuhaufen. Aktuell sind es zwölf. Ihnen stehen 179 Männer entgegen. Der Trend ist absehbar: Daran wird sich so schnell nichts ändern, meinen die Anwältinnen. Vom Koalitionsvertrag waren sie enttäuscht. Die jüngst präsentierte Leitlinie wird sie nicht umstimmen.

„Die haben die Frauen für den Mindestlohn geopfert“, hatte sich Mechthild Düsing brüskiert, als das Ergebnis der Koalitionsvereinbarungen publik wurde. Die Rechtsanwältin ist Vorsitzende des Genderausschusses des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD tauche das Thema Frauenquote zwar auf. Aber konkret nur in Bezug zu den Aufsichtsräten der Unternehmen (siehe Infobox). „Das ist gar nicht das, was wir wollten“ so Düsing damals. Der Aufsichtsrat sei nur ein Kontrollgremium. „Der Vorstand und das obere Management sind viel wichtiger. Da sitzen die Bosse drin, die was zu sagen haben“, erläutert die Rechtsanwältin.

Aus dem Koalitionsvertrag

"Aufsichtsräte von voll mitbestimmungspflichtigen und börsennotierten Unternehmen, die ab dem Jahr 2016 neu besetzt werden, sollen eine Geschlechterquote von mindestens 30 Prozent aufweisen."

Die Passagen zur Frauenquote hat die Bundesregierung inzwischen in eine Leitlinie verpackt. Daraus sollen Gesetze ergehen. Teilweise überschreiten die Pläne von Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig nun doch die Ebene des Aufsichtsrates und sollen auch für Vorstände und die oberste Managementebene greifen. Für 2015 will die Ministerin 3500 mitbestimmungspflichtige oder börsennotierte Unternehmen "verbindliche Zielvorgaben" aufgeben: darunter auch Führungspositionen der Bundesverwaltung oder zum Beispiel der Gerichte.

Kein Gesetz ohne Ausnahmen

Eine einheitliche Lösung für alle Unternehmen gibt es aber nicht. 110 voll mitbestimmungspflichtige und börsennotierte Unternehmen erhalten weiterhin einen Freifahrtschein, ihre Vorstände selbst zu bestimmen. Lediglich die 30 Prozent Frauenquote im Aufsichtsrat müssen auch sie erfüllen.

Frauen im Chefsessel kein Selbstläufer

In Deutschlands 30 größten marktkapitalisierten Unternehmen geht die Zahl der Frauen in den Chefetagen derweil zurück. Ihr Anteil sei von 7,8 auf 6,3 Prozent gefallen, teilte jüngst das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit. „Der Rückgang signalisiert, dass mehr Frauen in Führungspositionen, insbesondere in den Spitzenpositionen, kein Selbstläufer sind“, so Elke Horst vom DIW.

Eine verbindliche Quote für ihre Führungsriegen lehnt die Wirtschaft seit jeher ab. Stattdessen hatten sich 2001 Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft und die damalige Bundesregierung eine freiwillige Selbstverpflichtung vereinbart, mehr Frauen in Spitzenpositionen einzusetzen.

„Selbstverpflichtung ist ein zahnloser Tiger“

In den Vorständen kam davon lange nichts an. 2009 noch lag die Quote in den DAX-Vorständen bei 0,6 Prozent. Das rechnet der Deutsche Juristinnenbund vor. Danach stieg sie langsam bis zu dem Höchststand im vergangenen Jahr von rund 8 Prozent an. Auf dem Weg dorthin hatte sich 2011 Bundesfamilienministerin Kristina Schröder von dem Modell der freiwillligen Selbstverpflichtung überzeugt gezeigt: „Wir sehen heute: Mein Weg funktioniert. Die Kombination von Verpflichtung, Freiheit und Verantwortung durch Transparenz ist eine gute Kombination - für faire Chancen für Frauen auf Führungspositionen.“

Das sieht Rechtsanwältin Düsing anders: „Die freiwillige Selbstverpflichtung ist ein zahnloser Tiger.“ Für die Unternehmen habe es keine Folgen, wenn sie sich nicht an diese Vereinbarung hielten. „Da sind null Sanktionen dran geknüpft“, so Düsing. In den Unternehmen gäbe es zwar Programme, um Frauen zu fördern, aber die brächten nichts. Die Männerclique sei damit nicht aufzubrechen.

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