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Verbraucherrichtlinie

Online-Shopping: Retouren können teurer werden

Kostenlose Rücksendungen wird es künftig nur noch geben, wenn der Händler sie freiwillig anbietet. © Quelle: DAV

Hose in zwei Größen bestellen, anpro­bieren, eine zurückschicken: Dieses beliebte Shopping­ver­halten könnte bald in vielen Fällen mehr kosten. Am 13. Juni fällt die „40-Euro-Klausel“ weg, nach der Onlinehändler die Rücksen­de­kosten für teure Bestel­lungen übernehmen müssen. Das ist nicht die einzige Änderung bei Online-Käufen.

Wer im Internet einkauft, kann sich bisher auf einen komfortablen Service verlassen: Ab einem Einkaufswert von 40 Euro sind Versandhändler verpflichtet, die Kosten für eine Rücksendung zu übernehmen. Für die Händler ist diese Regelung mit hohen Kosten verbunden, vor allem, wenn sie Kleidung verkaufen. Hier sind Rücksendequoten von über 30 Prozent keine Seltenheit.

Ab dem 13. Juni müssen die Händler die Retour-Kosten nicht mehr übernehmen. Dann tritt eine neue EU-Verbraucherrechte-Richtlinie in Kraft, mit der europaweit einheitliche Standards für den Onlinehandel geschaffen werden. Damit entfällt in Deutschland die sogenannte „40-Euro-Klausel“: Versandhändler können ihren Kunden künftig immer die Rücksendekosten auferlegen.

Wie viele Händler künftig tatsächlich die Kunden für Retouren zahlen lassen, ist derzeit noch nicht abzusehen. Bei einer Umfrage im vergan­genen Jahr gaben rund 60 Prozent der befragten Unter­nehmen an, die Kosten nicht an ihre Kunden weiter­geben zu wollen. Rund 40 Prozent hatten noch keine Entscheidung getroffen.

Widerruf muss erklärt werden

Neben der Rücksendung gelten auch für den Widerruf einer Bestellung künftig andere Bestimmungen, also für das Rückgängigmachen des Kaufs. Bisher konnten Kunden die Ware einfach kommentarlos zurückzuschicken. Das reicht künftig nicht mehr aus.

„Der Kunde muss für einen Widerruf eine eindeutige Erklärung abgeben, zum Beispiel per E-Mail, Brief oder Fax“, sagt Rechtsanwalt Karsten U. Bartels von der Arbeitsgemeinschaft IT-Recht im Deutschen Anwaltwaltverein (DAV). Ein Grund für die Rückgabe müsse dabei allerdings nicht genannt werden, so Bartels.

Fernab­satz­verträge

Verträge über die Lieferung von Waren oder über die Erbringung von Dienst­leis­tungen (auch Finanz­dienst­leis­tungen), die zwischen einem Unter­nehmer und einem Verbraucher unter ausschließlicher Verwendung von Fernkom­mu­ni­ka­ti­ons­mitteln abgeschlossen werden. Neben den tradi­tio­nellen Mitteln wie Briefen, Katalogen, Telefonaten, Versand­handel fallen …

Wer seine Bestellung wider­rufen will, muss das wie bisher innerhalb von 14 Tagen tun. Der Verkäufer ist aller­dings verpflichtet, den Kaufpreis schneller zurückerstatten. Statt 30 hat er nur noch 14 Tage Zeit. „Der Unter­nehmer muss das Geld für die Ware aber erst erstatten, wenn er die Ware zurückerhalten oder der Kunde nachge­wiesen hat, dass er die Ware abgesandt hat“, sagt der Berliner Rechts­anwalt Bartels vom DAV.

Wie bisher ist auch nach der Umsetzung der neuen EU-Richtlinie bei bestimmten Waren der Widerruf ausgeschlossen – zum Beispiel bei schnell verderblichen Lebensmitteln oder bei maßangefertigten Produkten.

Händler: Jetzt reagieren

Wer selbst im Online­handel aktiv ist, sollte unbedingt recht­zeitig seinen Shop aktua­li­sieren. Das gilt nicht nur für Inhaber von eigenen Shopping-Websites, sondern auch für Händler auf Platt­formen wie Ebay und Amazon Market­place. Es gibt keine Karrenzzeit: Am 13. Juni um 0 Uhr müssen die neuen Regelungen umgesetzt sein.

Der wichtigste Punkt ist dabei die Wider­rufs­be­lehrung. „Die bislang gültigen Wider­rufs­be­leh­rungen sind ab dem 13. Juni nicht mehr aktuell. Online-Händler müssen dann Wider­rufs­be­leh­rungen vorhalten, die sich nach dem neuen Recht richten“, sagt der IT-Rechts­ex­perte Bartels.

Anders als bisher wird es künftig nicht mehr nur noch eine Muster-Wider­rufs­be­lehrung geben, die für alle Shops gültig ist. Statt­dessen ist eine „maßgeschnei­derte“ Belehrung nötig, die sich nach dem Profil des jewei­ligen Shops richtet. Wichtig ist dabei zum Beispiel, ob digitale Güter verkauft werden und ob die Lieferung in einem oder mehreren Paketen verschickt wird.

Es empfiehlt sich, bei der Erstellung der neuen Erklärung profes­sio­nelle Beratung in Anspruch zu nehmen. „Unter Umständen müssen auch die Allge­meinen Geschäftsbe­din­gungen angepasst werden. Insbe­sondere dann, wenn die Wider­rufs­be­lehrung in die AGB integriert ist“, sagt Rechts­an­walts Bartels vom DAV.

Vergisst der Händler die Belehrung oder ist diese fehlerhaft, muss er die Ware auch künftig wesentlich länger zurücknehmen – zwar nicht mehr unbegrenzt wie bisher, aber immer noch ein Jahr über die normale Wider­rufs­frist hinaus.

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