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Punkte und Fahrverbot

Rote Ampel überfahren und erwischt – was nun?

Rote Ampel überfahren und geblitzt worden? Was Sie jetzt tun können
Eine rote Ampel zu überfahren kann unter Umständen teuer werden. © Quelle: DAV

Sie haben eine rote Ampel überfahren und sorgen sich um Ihre Fahrer­laubnis oder ein hohes Bußgeld? Hier lesen Sie, welche Strafen auf Sie zukommen können, welche Chancen ein Einspruch gegen Ihren Rotlicht­verstoß und den Bußgeldbe­scheid hat und was für Fahranfänger in der Probezeit gilt.

Das schaffe ich noch, ist doch erst gelb! Dieser Gedanke dürfte vielen Autofahrern durch den Kopf gehen, bevor sie eine rote Ampel überfahren. Dass das Überfahren einer roten Ampel nicht nur eine Gefährdung für andere Verkehrs­teil­nehmer und Fußgänger ist, sondern auch sehr teuer werden kann, dämmert dem Fahrer meistens erst zu spät: Dann, wenn der Blitzer an der Kreuzung ein Foto macht oder im Rückspiegel das Blaulicht der Polizei auffla­ckert. Doch mit welcher Strafe und welchem Bußgeld muss der PKW-Fahrer rechnen, der über eine rote Ampel gefahren ist und erwischt wurde?

Was ist ein einfacher Rotlicht­verstoß?

Entscheidend für die Höhe Ihres Bußgeldes ist, wie lange die Ampel schon rot war. Überfährt man die rote Ampel nach weniger als einer Sekunde und wird geblitzt, ist es laut Bußgeldkatalog ein einfacher Rotlichtverstoß aus. Der Bußgeldkatalog sieht für diesen ein Bußgeld von 90 Euro sowie einen Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg vor. Fahranfänger in der Probezeit müssen neben dem Bußgeldbescheid nach einem einfachen Rotlichtverstoß zudem damit rechnen, dass ihre Probezeit verlängert wird und sie an einem Aufbauseminar teilnehmen müssen. Alles nur, weil sie eine rote Ampel überfahren haben.

Was ist ein quali­fi­zierter Rotlicht­verstoß?

Einen qualifizierten Rotlichtverstoß haben Sie laut Bußgeldkatalog begangen, wenn die Ampel schon länger als eine Sekunde rot zeigte oder durch das Überfahren der roten Ampel andere Verkehrsteilnehmer gefährdet wurden. Wenn der Rotlichtverstoß zu einer Sachbeschädigung führt, handelt es sich ebenfalls um einen qualifizierten Rotlichtverstoß. Ein solches Vergehen ist mit einem Bußgeld von mindestens 200 Euro deutlich teurer. Zudem muss der Fahrer bei einem qualifizierten Rotlichtverstoß neben dem Bußgeldbescheid auch mit einem Monat Fahrverbot und 2 Punkten in Flensburg rechnen. Eine teure rote Ampel.

Da der Führerschein nach der Punktereform im Jahr 2014 schon bei 8 Punkten in Flensburg ganz entzogen wird, ist das vor allem für Menschen, die viel fahren, eine erhebliche Belastung. Aber nicht nur für Vielfahrer, die im Beruf auf ihren Führerschein angewiesen sind, kann es sinnvoll sein, gegen die Strafe nach einem Rotlichtverstoß Einspruch einzulegen. Also nicht nur dann, wenn Sie sich sicher sind, dass Ihr Auto geblitzt wurde, als die Ampel noch gelb war. "Es kommt tatsächlich nicht selten vor, dass Rotlichtverstöße und der entsprechende Bußgeldbescheid auf technische Fehler zurückgehen. Eine defekte Ampelschaltung ist nur ein Beispiel"‚ sagt Rechtsanwältin Gesine Reisert vom Deutschen Anwaltverein im Gespräch über Rotlichtverstöße. (DAV).

Was Sie bei einem Rotlicht­verstoß tun sollten

1. Schweigen

Wie fast immer im Verkehrsrecht gilt auch bei einem Rotlichtverstoß: Schweigen ist zunächst die beste Verteidigung. Das gilt gerade dann, wenn Sie unmittelbar nach dem Vorfall von der Polizei angehalten werden. Die Gefahr ist groß, sich durch unvorsichtige Aussagen zu überführen.

Wer nicht von einem Polizei­be­amten, sondern von einem Blitzer erwischt wird, bekommt zunächst einen Brief. Mit diesem Anhörungs­bogen versucht die Behörde, den Halter des Fahrzeugs, um den Fahrer zu ermitteln. "Antworten Sie unter keinen Umständen auf das Schreiben. Machen Sie keine Angaben zur Sache", sagt die Verkehrs­recht­lerin Gesine Reisert.

Schon zu diesem Zeitpunkt empfiehlt es sich, einen Anwalt oder eine Anwältin aufzu­suchen. Gemeinsam können Sie die nächsten Schritte planen. Spätestens nach Zugang eines Bußgeldbe­scheids wird dieser Schritt unver­zichtbar, um diesen auf Fehler prüfen zu können. Beim Vorgehen gegen Bußgeld und Punkte gibt es weitere Ansatz­punkte.

2. Messtechnik prüfen

Bei einem einfachen Rotlicht­verstoß reicht in der Regel die Zeugen­aussage eines Polizisten als Beweis aus. Bei einem quali­fi­zierten Rotlicht­verstoß muss die Polizei hingegen exakt nachweisen, dass die rote Ampel tatsächlich schon länger als eine Sekunde rot war.

Dies geschieht in der Regel mit Hilfe eines "Ampel­blitzers". Eine Messanlage, die mit Induk­ti­ons­schleifen versehen ist und genau erfasst, wann das Fahrzeug die Halte­linie überfährt. Am Ende hält der Blitzer den vermeint­lichen Rotlicht­verstoß fest. "Vor allem auf stark befah­renen Straßen kann es passieren, dass sich die Induk­ti­ons­schleife verschiebt und nicht mehr zuverlässig misst", sagt Gesine Reisert vom DAV. Auch nicht geeichte oder falsch kalibrierte Anlagen können einen Ansatz­punkt sein, um die Messung anzufechten.

3. Ampel­schal­tungen anzweifeln

Auch Ampeln machen Fehler: Vor allem zu kurze Gelbphasen können den Rotsünder entlasten und für einen erfolg­reichen Einspruch sorgen. Innerorts muss die Gelb-Phase je nach erlaubter Geschwin­digkeit mindestens zwischen drei und fünf Sekunden dauern. Ist die Gelb-Phase kürzer, kann der betroffene Fahrer anführen, dass er nicht mehr recht­zeitig bremsen konnte und Überfahren der roten Ampel unver­meidlich gewesen sein.

Gelegentlich kommt es aber zu noch gravie­ren­deren Fehlschal­tungen. "Auch wenn es wie eine schlechte Ausrede klingt, gibt es tatsächlich auch Fälle, in denen eine Ampel grün anzeigt, obwohl sie eigentlich rot zeigen sollte", so Gesine Reisert. In solchen Fällen kann der Anwalt einen Schaltplan der Ampel oder das Gutachten eines Sachverständigen anfordern. Auch in diesem Fall hat ein Einspruch Aussichten auf Erfolg.

4. Beweisfoto muss eindeutig sein

Eine weitere Hürde für die Behörden ist die eindeutige Identi­fi­zierung der Person, die gefahren ist. Sofern die Polizei den Sünder nicht auf frischer Tat ertappt, ist das Foto des Blitzers der entschei­dende Beweis. Um den Fahrer festzu­stellen, dürfen die Behörden auch Profil­bilder in sozialen Netzwerken prüfen oder den möglichen Fahrer zu Hause besuchen. Dennoch ist eine Identi­fi­zierung, die auch vor Gericht bestand hat, gar nicht so einfach.

Um ein Blitzer-Foto zweifelsfrei der Person zuzuordnen, die den PKW gefahren ist, müssen eine Vielzahl von biome­tri­schen Merkmalen erkennbar sein. Die Qualität der Fotos erfüllt aber oft nicht die Erfor­der­nisse, die Gerichte einfordert. Ist das Gesicht des Fahrers beispiels­weise durch dessen Hand oder eine Sonnen­blende teilweise verdeckt, ergibt sich bei einem Rotlicht­verstoß die Chance, unerkannt und ohne Strafe zu bleiben.

Eine ganz schlechte Idee ist es, eine anderen Fahrer anzugeben, der dann den Punkt oder das Fahrverbot übernimmt. "Dabei handelt es sich aus recht­licher Sicht um eine falsche Verdächtigung und das ist eine Straftat", sagte Rechtsanwältin Reisert.

5. Indivi­duelle Umstände können straf­mil­dernd sein

Wie bei jedem anderen Vergehen gilt es auch ist bei einem Rotlichtverstoß die Situation zu berücksichtigen. Es gibt viele Urteile, die auf ein Fahrverbot verzichteten, weil die Umstände günstig waren. Das gilt vor allem, wenn Sie versehentlich oder wegen einer kurzen Unaufmerksamkeit [MO1] über die rote Ampel gefahren sind.

So urteilte das OLG Karlsruhe, dass bei einem Rotlichtverstoß von einem Fahrverbot abgesehen werden kann, wenn der Fahrer versehentlich nicht auf die eigene rote Ampel, sondern auf das Grün der Nachbarspur achtet und daraufhin losfährt (AZ: 2 (6) SsBs 558/09). Auch wenn Sie nachweislich zwar die Haltelinie, nicht aber die Kreuzung überfahren, können Sie eine schwere Strafe abwehren. Gleiches gilt, wenn Sie die rote Ampel auf legale Weise "umfahren".

Zusam­men­fassung: Wie Sie bei einem Rotlicht­verstoß vorgehen

  • Hält die Polizei Sie an, nachdem Sie eine rote Ampel überfahren haben, berufen Sie sich auf Ihr Recht zu Schweigen. Sie machen keine Angaben zum vermeintlichen Rotlichtverstoß. Äußern Sie auch keine Entschuldigung wie "Ich dachte, ich schaffe es noch."
  • Wenn Sie den Anhörungsbogen per Post erhalten: Machen Sie auch hier keine Angaben zum Rotlichtverstoß, den Ihnen die Behörde vorwirft. Ist der Brief an Sie adressiert, können Sie davon ausgehen, dass der Behörde ihre persönlichen Daten bereits vorliegen.
  • Überprüfen Sie, was genau die Behörde Ihnen zur Last legt. Nach dem seit 2014 gültigen Punktesystem kann es heute schneller zum Entzug der Fahrerlaubnis kommen. Hier können sie nachschauen, welche Strafe Ihnen droht. Überprüfen Sie, welche Konsequenzen zusätzliche Punkte in Flensburg oder ein vorübergehendes Fahrverbot für Sie hätten. Den aktuellen Stand ihres Punktekontos können Sie beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg in Erfahrung bringen.
  • Vor allem wenn Sie beruflich auf Ihren Führerschein angewiesen sind und schon ein Monat Fahrverbot Sie vor große Probleme stellt, kann sich ein Einspruch für Sie lohnen.
  • Sprechen Sie so früh wie möglich mit einem Anwalt oder einer Anwältin. Informieren Sie sich, wie erfolgreich Ihr Einspruch gegen die Strafe und den Bußgeldbescheid sein könnte. Wenn Sie über eine Rechtsschutzversicherung verfügen: Prüfen Sie, ob Ihre Kosten übernommen werden ‒ auch für eventuelle Gutachten.
  • Geben Sie niemals eine Person als Fahrer an, die nicht am Steuer saß, als der Wagen über die rote Ampel gefahren ist. Handelt es sich um Familienangehörige haben Sie allerdings ein Zeugnisverweigerungsrecht und müssen diese nicht belasten!
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Auto Bußgeld Strafzettel Straßenverkehr

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