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Verurteilung

Fall Reus: Was droht beim Fahren ohne Fahrer­laubnis?

Kein Kavaliersdelikt: Wer ohne Fahrerlaubnis steuert, begeht eine Straftat. © Quelle: Benjamin Nolte/fotolia.de

Mindestens sechs Mal saß der National­spieler Marco Reus am Steuer eines Fahrzeugs, obwohl er nie einen Führer­schein gemacht hat – und zahlt dafür mehr als eine halbe Millionen Euro. Die Deutsche Anwalt­auskunft erklärt, welche Konsequenzen beim Fahren ohne Fahrer­laubnis möglich sind.

540.000 Euro fürs „Schwarz­fahren“: Fußballstar Marco Reus muss kräftig dafür büßen, dass er jahrelang ohne Fahrer­laubnis Auto fuhr.  Auch wenn Reus damit vermutlich einen der saftigsten Strafzettel aller Zeiten kassiert, ist er mit seinem Vergehen nicht allein: Im Jahr 2013 wurden in Deutschland nach Angaben des des Kraftfahrt­bun­desamtes rund 111.000 Fahrer ohne gültige Fahrer­laubnis erwischt.

Ihnen drohen dabei die gleichen Konsequenzen wie dem Dortmunder Fußballstar Reus – auch wenn die Strafsumme in den meisten Fällen deutlich niedriger ausfallen dürfte. Die wichtigsten Fragen in der Übersicht:

Welche Strafen sind bei Fahren ohne Fahrer­laubnis möglich?

Fahren ohne Fahrer­laubnis ist eine Straftat. Bei einer Verurteilung drohen eine Geldstrafe oder bis zu ein Jahr Freiheits­entzug. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man wie Marco Reus noch nie einen Führer­schein hatte oder die Fahrer­laubnis wegen anderer Vergehen entzogen wurde.

Wonach richtet sich die Höhe der Strafe?

Nach der Schwere der Tat. In milden Fällen kann die Staats­an­walt­schaft das Verfahren gegen Zahlung eines Geldbe­trages einstellen, noch bevor es zu einer Anklage kommt. Das kommt zum Beispiel vor, wenn ein Fahran­fänger es nicht mehr abwarten kann und einen Tag, bevor er den Führer­schein erhält, am Steuer erwischt wird“, sagt Rechts­anwalt Dr. Michael Burmann vom Ausschuss Verkehrsrecht des Deutschen Anwalt­vereins (DAV). Freiheits­strafen wegen Fahrens ohne Fahrer­laubnis kämen vor allem dann in Frage, wenn jemand bereits vorbestraft ist und erneut erwischt wird.

Die weitaus meisten Verfahren enden aber mit der Verurteilung zu einer Geldstrafe. Diese wird in Tagessätzen angeben: Die Sätze richten sich nach dem durchschnitt­lichen Einkommen, das einer Person pro Tag zur Verfügung steht. Aus diesem Grund ist die Strafe für den gut verdie­nenden Fußballer Marco Reus auch so hoch: Er wurde zur Zahlung von 90 Tagessätzen verurteilt, die bei Reus’ Einkommen 540.000 Euro entsprechen.

„Die Strafe für Reus ist relativ milde, wenn man bedenkt, dass er nachweislich über Jahre mehrfach ohne Fahrer­laubnis unterwegs war“, sagt Rechts­anwalt Dr. Burmann. In der Praxis seien Verurtei­lungen zu deutlich mehr Tagessätzen nicht unüblich.

Welche Konsequenzen drohen neben einer Verurteilung?

Wenn man ohne Fahrer­laubnis einen Unfall baut, drohen neben den strafrecht­lichen Konsequenzen auch hohe Geldfor­de­rungen der Versicherung. „Die Haftpflicht­ver­si­cherung kann in diesem Fall Regress­for­de­rungen von bis zu 5000 Euro stellen“, sagt der Verkehrs­rechtler Dr. Burmann. Die Kaskover­si­cherung könne man sogar ganz verlieren – und damit auf dem Schaden am eigenen Fahrzeug vollständig sitzen bleiben.

Auch sozial­rechtliche Folgen sind nach einer unerlaubten Fahrt möglich. Das Sozial­gericht Gießen verhandelte im Februar 2014 beispielweise den Fall eines Mannes, der betrunken und ohne Fahrer­laubnis mit dem Auto fuhr und einen Unfall verursachte.

Dabei verletzte er sich so schwer, dass er erwerbs­unfähig wurde. Den Antrag des Mannes auf eine Rente wegen Erwerbs­min­derung lehnte die Renten­ver­si­cherung aber ab, denn die Minderung sei Folge einer Straftat, so die Versicherung. Dieser Argumen­tation folgten die Richter und der Mann ging leer aus (AZ: S 4 R 158/12).

Hat man Nachteile, wenn man nach einer Verurteilung den Führer­schein machen möchte?

Marco Reus hat angekündigt, schnellst­möglich seinen Führer­schein nachholen zu wollen. Unter Umständen muss er vorher noch eine andere Hürde überwinden: Die medizinisch-psycho­lo­gische Untersuchung (MPU). “Eine  MPU kann vor der Erteilung der Fahrer­laubnis angeordnet werden, wenn Zweifel an der charak­ter­lichen Eignung zur Führung eines Fahrzeuges bestehen“, sagt Rechts­anwalt Dr. Michael Burmann.

Ob eine Verurteilung wegen Fahrens ohne Fahrer­laubnis diesen Zweifel begründet, liegt allerdings im Ermessen der jeweiligen Verkehrs­behörde.

Wird man auch bestraft, wenn man sein Fahrzeug einem „Schwarz­fahrer“ überlässt?

Ja. Den kleinen Bruder oder den besten Kumpel ohne Führer­schein nur mal kurz ans Steuer zu lassen, ist keine gute Idee. „Wer einem Fahrer ohne Fahrer­laubnis das Fahrzeug überlässt, macht sich ebenfalls strafbar“, sagt Rechts­anwalt Dr. Michael Burmann. In diesem Fall wird man genauso bestraft wie der unerlaubt Fahrende selbst – mit Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Haft.

Auch wenn der Halter nicht weiß, dass er sein Fahrzeug jemandem ohne gültige Fahrer­laubnis überlässt - etwa weil der ein Fahrverbot verschweigt – droht eine Strafe wegen Fahrläs­sigkeit. Diese fällt mit bis zu sechs Monaten Gefängnis oder einer Geldstrafe allerdings geringer aus.

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