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Überbu­chung

Flug überbucht: Das sind Ihre Rechte

Warteschlange am Check-in © Quelle: mr_morton/gettyimages.de

In den USA sorgte kürzlich ein Vorfall für Aufsehen, der sich in einem Flugzeug von United Airlines zugetragen hat. Der Flug war überbucht und nicht alle Passa­giere konnten mitfliegen. Da niemand freiwillig zurücktrat, wurde ein Passagier per Zufall bestimmt – und von Sicher­heitskräften mit Gewalt aus dem Flugzeug gezerrt. Ein Rechts­anwalt erklärt, ob so etwa auch hierzu­lande passieren kann und welche Rechte Fluggäste bei einer Überbu­chung genießen.

Sie hatten ein gültiges Flugticket und durften trotzdem nicht mitfliegen? Dann war der Flug wahrscheinlich überbucht. Das ist ärgerlich – kann aber lukrativ sein.

Überbu­chung: Fluggäste können abgewiesen werden

Indem sie einen Flug überbuchen, wollen Flugge­sell­schaften sicher­stellen, dass der Flug ausge­lastet ist, auch wenn nicht alle Passa­giere erscheinen. Kommen doch alle zum Abflug, kann nicht jeder Passagier mitge­nommen werden. Tritt dann niemand – gegen eine Entschädigung – freiwillig zurück, werden die überzähligen Passa­giere beim Check-in oder beim Boarding abgewiesen.

„Sogenannte Nicht-Beförderungen kommen immer mal wieder vor, allerdings sehr selten“, sagt Rechtsanwalt Holger Hopperdietzel, Experte für Reiserechte und Mitglied im Deutschen Anwaltverein (DAV). Der Fall bei United Airlines sei wahrscheinlich auf ein Versäumnis bei der Zugangskontrolle zurückzuführen. „Normalerweise kommt es gar nicht so weit“, fügt er hinzu. Dass sich ein Vorfall wie in den USA auch in Deutschland ereigne, sei sehr unwahrscheinlich.

Das Boden­per­sonal weiß in der Regel schon bei der Sitzplatz­zu­weisung, dass der Flug überbucht ist und nicht alle Passa­giere mitfliegen könnten. Wer dann als letztes eincheckt oder ans Gate kommt, wird nicht mitge­nommen.

Geld, Mahlzeiten, Übernachtung: Anspruch auf Entschädigung bei überbuchtem Flug

In diesem Fall haben Fluggäste bei einer Überbu­chung Anspruch auf eine Entschädigung. Das regelt die Europäische Fluggast­rech­te­ver­ordnung. Demnach müssen zurückgelassene Passa­giere einen finan­zi­ellen Ausgleich erhalten. Die Höhe richtet sich nach der Flugstrecke: Für die Kurzstrecke (bis zu 1.500 km) gibt es 250 Euro, für die Mittel­strecke (bis 3.500 km bezie­hungs­weise innerhalb der Europäischen Gemein­schaft) 400 Euro und für die Fernstrecke bezie­hungs­weise für Flüge außerdem der EU 600 Euro.

Zudem haben die Fluggäste ein Recht auf Unterstützungs­leis­tungen wie Getränke oder Mahlzeiten. Der Beförderungs­an­spruch bleibt dabei bestehen: Die Fluggäste des überbuchten Fluges können auf den nächsten Flug ausweichen. Geht dieser erst am nächsten Tag, haben sie das Recht auf eine Hotelübernachtung und den Transfer zum Hotel.

Flugreise als Familie oder Paar: Rechte bei Überbu­chung vom Einzelfall abhängig

Doch was passiert, wenn man mit dem Partner oder Kindern unterwegs ist und einer der Fluggäste aufgrund der Überbu­chung nicht mitfliegen kann: Dürfen die Reisenden dann geschlossen zurücktreten oder, zulasten anderer Passa­giere, gemeinsam ins Flugzeug? „Wie die Flugge­sell­schaften dann verfahren bezie­hungs­weise wie ein Richter bei einem Verfahren entscheiden würde, hängt vom Einzelfall ab“, sagt Rechts­anwalt Hopper­dietzel. Könne bei einem kinder­losen Paar beispiels­weise nur einer mitfliegen und der nächste Flug gehe in zwei Stunden, könne es zumutbar sein, die Reisenden zu trennen.

Auch dass von einer Familie ein Erwachsener mit den Kindern vorausfliege und der zweite ein paar Stunden später nachkomme, könne zulässig sein. Anders sieht es aus, wenn die Reisegruppe sich aus irgendeinem Grund nicht trennen kann, zum Beispiel weil die Reiseunterlagen nur einmal vorliegen. Auch wenn es bis zum nächsten Flug länger als einen Tag dauert, kann es rechtens sein, dass die Reisegruppe zusammen bleibt. Und natürlich kann Kindern nicht zugemutet werden, alleine zu fliegen oder auf den nächsten Flug zu warten.

Konflikt mit der Flugge­sell­schaft? Rechtsanwälte helfen

Sie mussten wegen Überbuchung von Ihrem Flug zurücktreten und sind der Meinung, dass das nicht rechtens war? Dann sollten Sie einen Anwalt kontaktieren. Rechtsanwälte für Reiserecht beraten Sie zu Ihren Fluggastrechten bei Überbuchung, Verspätung, Flugausfall und anderen Rechtsfragen rund ums Reisen. Sie können auch einschätzen, ob in Ihrem Fall ein Gerichtsverfahren sinnvoll ist. Anwälte und Anwältinnen für Reiserecht in der Nähe Ihres Wohnortes finden Sie in unserer Anwaltssuche.

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Flug Geld Reisen

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