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Drogen am Steuer

Drogen im Straßenverkehr: Fahrer haftet bei Unfall

Auto fahren mit verschommener Sicht © Quelle: BradenGunem/gettyimages.de

Was viele Autofahrer nicht wissen: Bei einer Alkohol- oder Drogen­fahrt machen sie sich nicht nur strafbar, sondern müssen den entstan­denen Schaden auch selbst zahlen. Eine Versi­cherung kommt in solchen Fällen meist nicht für den Schadensersatz auf. Das kann sehr teuer werden: Bei Perso­nenschäden kann dies die Zahlung einer Rente beinhalten. Eine Frage bleibt: Ist man womöglich schuldunfähig, wenn man Drogen genommen hat?

Wer unter Drogeneinfluss Auto fährt und einen Unfall verursacht, muss beweisen, dass er zum Zeitpunkt der Fahrt schuldunfähig war. Dies kann manchmal schwierig sein. In dem toxikologischen Gutachten wird meist nur der Umfang der im Blut enthaltenen Drogen festgestellt. Die Blutprobe wird in der Regel zwei Jahre aufgehoben. Bei einem späteren Prozess hat der Unfallfahrer nur eine sehr eingeschränkte Möglichkeit zu beweisen, dass er schuldunfähig war. Die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht informiert über eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 17. Juni 2016 (AZ: 1 W 15/16).

Der Mann stahl beim Besuch eines Autohauses einen Autoschlüssel. Er nahm das Auto und flüchtete. Später fand die Polizei das Fahrzeug auf einem Pendlerparkplatz. Die Polizisten blockierten das gestohlene Auto mit zwei Einsatzfahrzeugen und forderten den Fahrer des Wagens auf, den Motor abzustellen.

Dieser fuhr jedoch unerwartet los und rammte zunächst einen, später auf der Flucht auch das andere Einsatzfahrzeug der Polizei. Der Autofahrer hatte keinen gültigen Führerschein und stand nachgewiesenermaßen unter dem Einfluss von Morphinen, Heroin und Cannabis.

Nach Drogen­fahrt und Unfall: Versi­cherung nimmt Unfall­fahrer in Regress

Die Kfz-Haftpflicht­ver­si­cherung, zugleich auch Kasko­ver­si­cherer, regulierte den Schaden im Jahr 2012. Im August 2015 nahm sie den Unfall­fahrer in Regress für den Schadensersatz in Höhe von rund 20.000 Euro nebst Zinsen.

Dieser plädierte auf Unzurech­nungsfähigkeit. Auf die Blutprobe konnte man nicht mehr zugreifen, da diese zwei Jahre nach der Erstellung des toxiko­lo­gi­schen Gutachtens durch die Staats­an­walt­schaft vernichtet wurde. Darauf hatte die Staats­an­walt­schaft sowohl die Versi­cherung als auch den Unfall­fahrer hinge­wiesen.

Unfall­fahrer muss Schuldunfähigkeit bei Drogen­fahrt beweisen

In zwei Instanzen verlor der Unfall­fahrer. Seine Unzurech­nungsfähigkeit hätte er beweisen müssen. Dies war ihm aber nicht gelungen, auch wegen der fehlenden Blutprobe.

Das damalige toxiko­lo­gische Gutachten bezog sich nur auf die Feststellung der im Blut enthal­tenen Drogen. Es setzte sich aber nicht mit der psycho­pa­tho­lo­gi­schen Schädigung ausein­ander. Auch eine Unzurech­nungsfähigkeit durch den anhal­tenden Drogen­konsum und dem damit verbun­denen Abbau der Geistesfähigkeiten konnte der Unfall­fahrer nicht nachweisen. Für das Gericht stand fest, dass er sehr zielge­richtet unter geistes­gegenwärtiger Wahrnehmung einer günstigen Gelegenheit den Autoschlüssel entwendet hatte.

Drogen im Straßenverkehr: Volle Haftung auf Schadensersatz

Auch hatte er bei der Blutentnahme einen „formal geordneten“ und „inhaltlich normalen“ Eindruck gemacht, so das Untersuchungsprotokoll. Auch seine Flucht selbst war bewusst und zielgerichtet. Da der Autofahrer nicht beweisen konnte, zum Zeitpunkt der Tat unzurechnungsfähig gewesen zu sein, haftet er voll gegenüber der Kfz-Versicherung. Er musste den Schaden in Höhe von 20.000 Euro bezahlen.

Quelle: www.dav-verkehrsrecht.de 

Themen
Auto Autounfall Straßenverkehr Unfall Versicherung

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