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Selbstjustiz

Auffahr­unfall provo­ziert: Volle Haftung

Streit auf der Straße © Quelle: stevecoleimages/Gettyimages.de

Wild West und Selbst­justiz im Straßenverkehr gibt es immer wieder. Wer versucht, andere Autofahrer zu diszi­pli­nieren, muss bei einem absichtlich provo­zierten Auffahr­unfall aller­dings haften. „Akte der Selbst­justiz“ sind nicht erlaubt.

Wer als Autofahrer absichtlich bremst und einen Auffahrunfall provoziert, um so andere Autofahrer zu maßregeln, haftet bei dem Unfall zu 100 Prozent. Und das trotz des Anscheinsbeweises, dass zunächst immer der Auffahrende schuld ist. Die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) informiert über ein Urteil des Amtsgericht Solingen vom 6. Januar 2017 (AZ: 13 C 427/15).

Autounfall durch absicht­liches Bremsen an grüner Ampel - Haftungs­fragen

Die Frau fuhr mit ihrem Auto die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Der Autofahrer hinter ihr bedrängte sie, da er schneller fahren wollte. Als er die Frau überholen konnte, scherte er kurz vor ihr ein. An der roten Ampel hielten beide an. Der Mann stieg aus seinem Auto aus und ging zu der Autofahrerin. Als sie aber kein Gespräch wollte, stieg er wieder in seinen Wagen. Als die Ampel Grün zeigte, fuhr er an und bremste etwa sieben Meter hinter der Haltelinie voll ab. Die Frau fuhr auf. Die Kfz-Versicherung des Mannes regulierte den Schaden zu 25 Prozent.

Absichtlich provo­zierter Auffahr­unfall: Voller Schadensersatz für geschädigte Autofah­rerin dank anwalt­licher Hilfe

Die Autofahrerin wollte aber den Schadensersatz von 100 Prozent und auch die gerichtlichen und außergerichtlichen Kosten für ihren Rechtsanwalt voll ersetzt bekommen. Bei Gericht bekam sie Recht. Dies zeigt, dass man sich bei einem Autounfall unmittelbar an einen Anwalt für Verkehrsrecht wenden sollte. Für Unfallopfer übernimmt auch die gegnerische Kfz-Versicherung die Rechtsanwaltskosten, die vorgerichtlich und bei Gericht entstanden sind. DAV-Verkehrsrechtsanwälte findet man in der Anwaltssuche auf dieser Website.

Autounfall wegen absicht­lichem Bremsens: Schadensersatz

Der beklagte Autofahrer haftet in diesem Fall zu 100 Prozent für den Auffahr­unfall. Und zwar unabhängig von der Tatsache, ob die klagende Autofah­rerin eigentlich den so genannten Anscheins­beweis hätte entkräften können.

Das Gericht bewertete das Fehlver­halten des Mannes als schwer­wiegend. „Akte der Selbst­justiz“ könnten im Straßenverkehr nicht hinge­nommen werden. Wer absichtlich nur deshalb scharf abbremst, um den nachfol­genden Autofahrer zu diszi­pli­nieren oder zu maßregeln, haftet für die Folgen eines Auffahr­un­falls zu 100 Prozent. Durch das Losfahren an der grünen Ampel und die Vollbremsung unmit­telbar danach lag ein Akt der Selbst­justiz vor. Der Schaden sei aufgrund des verkehrs­wi­drigen Verhaltens des Autofahrers entstanden.

Quelle: www.verkehrsrecht.de

Themen
Haftung Straßenverkehr Unfall Unfallversicherung

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