Falsch geblinkt

Fahrer blinkt falsch: Wer haftet bei einem Verkehrsunfall?

Auffahrunfall beim Abbiegen (Beispielbild)
Auffahrunfall beim Abbiegen (Beispielbild)

Quelle: Kadmy/fotolia.de

Wer auf eine Vorfahrtsstraße fahren will, hat grundsätzlich eine gesteigerte Sorgfaltspflicht. Er darf auch nicht auf den Blinker des anderen Fahrzeugs vertrauen. Allerdings haftet derjenige, der falsch blinkt, bei einem Unfall mit. In diesem Zusammenhang informiert die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) über eine Entscheidung des Amtsgerichts Oberndorf vom 21. April 2016 (AZ: 2 C 434/15).

Verkehrsunfall an Vorfahrtstraße nach falschem Blinken

Der Autofahrer fuhr mit seinem Opel Astra auf einer Vorfahrtsstraße. Die Fahrerin eines anderen Fahrzeugs wollte auf die Vorfahrtsstraße auffahren. Dabei prallte sie auf die rechte Seite des vorbeifahrenden Autos. Dessen Fahrer hatte sein Fahrzeug vor der Kreuzung nicht verlangsamt.

Die Versicherung der Autofahrerin regulierte zwei Drittel des Schadens. Das restliche Drittel in Höhe von etwa 3.800 Euro klagte der Fahrer ein. Strittig war vor Gericht vor allem, ob der Fahrer rechts geblinkt hatte, obwohl er geradeaus weitergefahren war. Wäre der Autofahrer rechts abgebogen, wäre es nicht zu dem Unfall gekommen.

Gericht: Wer falsch blinkt, haftet zu einem Drittel mit

Die Klage des Fahrers war erfolglos. Das Gericht entschied, dass er zu einem Drittel mithaften müsse, da er irreführend geblinkt habe. Insofern glaubte das Gericht der Autofahrerin. Sie hatte angegeben, sich 100-prozentig sicher zu sein, dass der Blinker des Autofahrers gesetzt war.

Ein Gutachter kam zu einem ähnlichen Schluss. Demnach war der Autofahrer vorher nach rechts von einer Bundesstraße abgefahren. Bei der dortigen Kurvenführung schalte sich der gesetzte Blinker nicht automatisch ab, so der Gutachter. Er hätte manuell ausgeschaltet werden müssen.

Also ging das Gericht davon aus, dass der rechte Blinker noch angeschaltet gewesen war. Als Wartepflichtige habe die Frau jedoch eine gesteigerte Sorgfaltspflicht. Auch könne man nicht nur wegen eines gesetzten Blinkers darauf vertrauen, dass der andere tatsächlich abbiege – insbesondere zumal im vorliegenden Fall der Fahrer seine Fahrt nicht verlangsamt habe. Wegen des irreführenden Blinkens hafte die Frau zu zwei Drittel und der Mann zu einem Drittel, so dass seine Klage erfolglos blieb.

Verkehrsunfall: Anwälte für Verkehrsrecht einschalten!

Gerade bei einem Verkehrsunfall und der schwierigen Frage, ob es zu einer Haftungsverteilung kommt, ist es wichtig, anwaltlich vertreten zu sein. Auch außergerichtliche Anwaltskosten können ganz oder teilweise eingeklagt werden. Anwältinnen und Anwälte im Verkehrsrecht finden Sie in der Anwaltssuche auf dieser Website.

Quelle: www.verkehrsrecht.de

Albrecht Cziohsek Helmut Merle Tobias Goldkamp Michael Giesen Peter Michael Möller

Wählen Sie aus über 65000 Anwältinnen und Anwälten in Deutschlands grösster Anwaltssuche

Aus dem Magazin

  • Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland

    Die Grundgesetz-App des Deutschen Anwaltvereins bietet u. a. alle Artikel der neuesten Fassung des Deutschen Grundgesetzes in ansprechender und übersichtlich gestalteter Form.

  • Bußgeldrechner

    Sie haben eine rote Ampel übersehen oder sind geblitzt worden? Mit der App des Deutschen Anwaltvereins können Sie direkt Ihr Bußgeld ermitteln – und sofort einen Anwalt finden.

  • Unterhaltsrechner

    Mit der Unterhalts-App lässt sich schnell und simpel ermitteln, welchen Unterhaltsanspruch Sie haben.

  • Blutalkoholrechner

    Sie möchten wissen, wie sich Alkoholkonsum auf den Blutalkoholspiegel auswirkt? Der Blutalkoholrechner des Deutschen Anwaltvereins hilft Ihnen weiter.