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Gesundheit

Patien­tenverfügung: Wie sollte sie geschrieben sein?

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Wer einen Unfall erleidet oder schwer krank wird, kann oft nicht mehr selbst bestimmen, wie er medizi­nisch behandelt werden will. Man kann solche Situa­tionen aber vermeiden indem man vorsorgt und in gesunden Zeiten eine Patien­tenverfügung aufsetzt. Wir zeigen, wie man ein solches Dokument schreiben sollte und was man beim Aufsetzes einer Patien­tenverfügung beachten muss.

Nur wenige Menschen befassen sich mit der Frage, wie sie ärztlich behandelt werden wollen, wenn sie schwer krank werden oder einen Unfall erleiden. Daher besitzen aktuell nur rund 28 Prozent der Bundesbürger eine Patientenverfügung, wie eine repräsentative Umfrage des Vereins VorsorgeAnwalt von 2014 zeigt. Immerhin planen 34 Prozent der Befragten, in näherer Zukunft ein solches Dokument zu verfassen. Es sind vor allem ältere Menschen, die Patientenverfügungen aufsetzen, und eher Frauen als Männer.

Warum sollte man eine Patientenverfügung verfassen?

Eine Patientenverfügung sollte man verfassen, bevor der "Ernstfall" eintritt, man geistig und körperlich also noch gesund ist. Mit einer Patientenverfügung sorgt man für den Fall vor, dass man schwer erkrankt und nicht mehr selbst darüber entscheiden kann, wie man dann medizinisch behandelt werden will. Ärzte und Verwandte sind an die in einer Patientenverfügung niedergeschriebenen Behandlungswünsche gebunden. Allerdings müssen diese Wünsche rechtlich erlaubt sein. Dem Wunsch beispielsweise nach aktiver Sterbehilfe dürfen Mediziner nicht nachkommen, diese ist in Deutschland verboten.

Eine Patien­tenverfügung kann man schriftlich oder am Computer verfassen. Ihre Inhalte darf man jederzeit wider­rufen, auch mündlich ist dies möglich.  

Patien­tenverfügung: Muster und Vordrucke aus dem Internet?

Wer eine Patien­tenverfügung aufsetzen möchte, sollte sich zuvor eingehend Gedanken darüber machen, was Krankheit und Sterben für ihn bedeuten und wie diese Situa­tionen im Ernstfall für ihn aussehen sollen. Da jeder Mensch dazu andere Vorstel­lungen und Wünsche hat, sollte sich diese Indivi­dualität auch in der Patien­tenverfügung zeigen. Es ist daher ratsam, auf Muster oder Vordrucke für Patien­tenverfügungen aus dem Internet zu verzichten.

Wie muss eine Patien­tenverfügung formu­liert sein?

Damit Ärzte und Verwandte die Wünsche eines Patienten umsetzen können, sollte eine Patien­tenverfügung so genau wie möglich verfasst sein und detail­liert beschreiben, in welcher Situation welche ärztliche Behandlung greifen soll. Es empfiehlt sich also, in einer Patien­tenverfügung Anord­nungen für jedes mögliche Szenario zu treffen.

Besonders wichtig ist bei der Beschreibung möglicher Szenarien, genau zu formulieren. „Es reicht nicht, zu schreiben: ‚Ich möchte nicht an Schläuchen hängen‘“, sagt dazu der Münchener Rechtsanwalt Dr. Rudolf Ratzel von der Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Solche Sätze nützen wenig, denn sie beschreiben die Situation nicht genau genug. „Eine gute Ergänzung ist in diesem Fall: ‚Wenn man sehr wahrscheinlich nicht wieder zu Bewusstsein kommt‘“, erläutert der Medizinrechtsexperte. „Die Patientenverfügung kann auch das er- oder verbieten bestimmter Therapie- und/oder pflegerischer Maßnahmen enthalten.“

Wie wichtig genaue Formu­lie­rungen in Patien­tenverfügungen sind, hat der Bundes­ge­richtshof (BGH) im August 2016 in einem seiner Urteile betont und die Anfor­de­rungen an Patien­tenverfügungen präzisiert (AZ: XII ZB 61/16). „Von vornherein nicht ausrei­chend sind allge­meine Anwei­sungen, wie die Auffor­derung, ein würdevolles Sterben zu ermöglichen oder zuzulassen, wenn ein Thera­pie­erfolg nicht mehr zu erwarten ist", heißt es in dem Urteil der Karls­ruher Richter.

Schwammige Formu­lie­rungen in Patien­tenverfügungen führen in der Praxis häufig dazu, dass den behan­delnden Medizinern und Angehörigen nicht klar ist, wie der Patient behandelt werden möchte und wie der „mutmaßliche Wille" des Patienten aussieht.

Schwammige Formulierungen in Patientenverfügungen führen in der Praxis häufig dazu, dass den behandelnden Medizinern und Angehörigen nicht klar ist, wie der Patient behandelt werden möchte und wie der „mutmaßliche Wille" des Patienten aussieht. Dass das Handeln nach dem „mutmaßlichen Willen" eines Patienten notwendig ist, hat der BGH in einem im März 2017 veröffentlichten Beschluss vom 8. Februar 2017 klargestellt. Angesichts der genannten höchstrichterlichen Urteile empfiehlt es sich, seine Patientenverfügung zu überprüfen. Dabei helfen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte.

Was ist was: Patien­tenverfügung, Betreu­ungsverfügung, Vorsor­ge­voll­macht

Es empfiehlt sich, neben einer Patientenverfügung eine Betreuungsverfügung und eine Vorsorgevollmacht auszustellen. Mit einer Vorsorgevollmacht legt man fest, welcher Vertraute in Gesundheitsfragen für einen entscheiden darf, wenn man dies selbst nicht mehr kann. Als Vertrauensperson kommen übrigens nicht nur Familienangehörige in Frage, sondern auch gute Freundinnen oder Freunde. Ihnen sollte man mitteilen, dass man eine Patientenverfügung besitzt und wo an diese aufbewahrt. Sinnvoll ist es auch, wenn man etwa im Portemonnaie einen Hinweis auf seine Patientenverfügung bei sich trägt.

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