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Internet

Sexting: Was dürfen Jugend­liche verschicken?

Private Fotos gelangen manchmal an Empfänger, für die sie nicht bestimmt sind. © Quelle: dpa

Beim „Sexting“ verschicken Teenager über ihr Smart­phone Nackt­bilder von sich an andere. Mitunter ziehen derlei Fotos weitere Kreise als den Absendern lieb ist: Wie im Fall der Schülerinnen, deren Bilder ein 21-Jähriger erst erpresst und dann bei Facebook veröffent­licht hatte. Am Amtsge­richt München hat man ihn dafür nun verur­teilt.

Ein Leben ohne Internet ist für viele junge Leute im Jahr 2014 unvor­stellbar. Knapp drei Stunden verbringen die 12- bis 19-Jährigen im Durch­schnitt täglich im Netz. Dabei gehen immer mehr Jugend­liche über ihre Smart­phones online, inzwi­schen sind es 73 Prozent. Doch so inter­essant die virtuelle Welt ist, so gefährlich kann sie manchmal sein. Jugendschützer weisen immer wieder auf die Gefahren des Internets hin. In letzter Zeit warnen sie vor allem vor „Sexting“, ein in Europa recht neuer Trend.

Gefahren des „Sexting“

„Sexting“ ist eine Wortschöpfung aus „Sex“ und „Texting“. Dabei verschicken Teenager über ihre Smart­phones erotische Bilder und Videos von sich an jemand anderen, häufig an ihre Freundin oder ihren Freund. „Viele Jugend­liche wollen mit den Bildern ein bisschen Esprit und Prickeln in ihre Beziehung bringen“, sagt die Medienpädagogin Ina Brecheis von der EU-Initiative Klicksafe. Aller­dings bleiben die intimen Fotos manchmal nicht in den Smart­phones der Verliebten, sondern gelangen auch an andere Jugend­liche. Das passiert wie bei einem Ketten­brief: Die oder der Liebste schickt die Fotos unerlaub­ter­weise an die beste Freundin, und diese wiederum sendet die Bilder an andere. Der ursprüngliche Absender kann nicht mehr kontrol­lieren, wer die Bilder sieht oder wo sie einge­stellt werden. Das kann zum Beispiel auch eine für alle öffentlich einsehbare Seite auf Facebook sein.

Erpres­sungen können die Folge sein

Was als intimer Liebes­beweis begann, endet für die betrof­fenen Teenager manchmal in öffent­licher Bloßstellung mit fatalen Folgen. „Im schlimmsten Fall werden die Jugend­lichen in der Schule gemobbt. Manchmal kann es auch zu Erpres­sungen kommen, nach dem Motto: Wenn du nicht machst, was ich will, gelangen die Bilder an noch mehr Leute“, erklärt Brecheis. Bisher gibt es keine Zahlen darüber, wie viele Jugend­liche negative Erfah­rungen mit „Sexting“ gemacht haben. Klar ist aber, dass das Phänomen Jugendschützer, Eltern und Lehrer besorgt. So warnten im vergan­genen Oktober zum Beispiel einige Schul­leiter aus dem niedersächsischen Cloppenburg in einen medial viel beach­teten Eltern­brief vor dem neuen Trend.

„Sexting“ und recht­liche Fallen

„Sexting“ kann nicht nur die Reputation von Teenagern zerstören, sondern bringt auch juris­tische Fallen mit sich, die vielen Jugend­lichen oft nicht bewusst sind. Rechtlich proble­ma­tisch ist dabei noch nicht die Tatsache, dass Teenager erotische Bilder von sich an andere schicken. Die Legalität ist aber dann überschritten, wenn der Empfänger der intimen Bilder diese an andere weiter­leitet, ohne dass der ursprüngliche Absender sein Okay dazu gegeben hat. Eine solche unerlaubte Verbreitung verletzt das Urheber­recht, verstößt vor allem aber gegen das allge­meine Persönlich­keits­recht.

Was kann man gegen „Sexting“ tun?

„Wird ein erotisches Bild zum Beispiel unerlaubt auf Facebook hochgeladen, sollte man schnell handeln, bevor es kopiert oder noch stärker verbreitet wird“, sagt die Berliner Rechtsanwältin Friederike Lemme von der Arbeitsgemeinschaft Informationstechnologie im Deutschen Anwaltverein (DAV). Lemme zu Folge haben Betroffene Unterlassungsansprüche gegen diejenigen, die solche Fotos unerlaubt zum Beispiel in sozialen Netzwerken einstellen.

Die Betrof­fenen können ihre Ansprüche über eine Einst­weilige Verfügung durch­setzen. Nimmt derjenige, der für das Hochladen der Bilder verant­wortlich ist, die Bilder trotz einer solchen Verfügung nicht von seiner Seite, drohen ihm saftige Ordnungs­strafen von bis zu 250.000 Euro. „Außerdem können Betroffene den Verant­wort­lichen auf Schmer­zensgeld verklagen“, so Lemme. Übrigens haften die Verant­wort­lichen selber, selbst wenn sie noch minderjährig sind. „Eltern haften nur in Ausnahmefällen für ihren Nachwuchs, zum Beispiel dann, wenn sie ihre Aufsichts­pflicht in grober Weise verletzt haben“, erklärt die IT-Rechts­ex­pertin Lemme. „Davon kann bei 16- oder 17-Jährigen aber in den meisten Fällen keine Rede mehr sein.“

Schwierig wird es, wenn solche Bilder in Suchmaschinen auftauchen. Betroffene  konnten bisher etwa Google kaum zwingen, diese Bilder aus den Suchergebnislisten zu entfernen. Allerdings könnte ein jüngst ergangenes Urteil gegen Google das ändern.

„Sexting“ und Porno­graphie

Rechtlich noch prekärer wird es, wenn die verschickten Bilder so explizit sind, dass sie die gesetz­lichen Kriterien für Porno­graphie erfüllen. Zwar dürfte ein Jugend­licher im Alter von 14 bis 18 Jahre diese Bilder an Bekannte verschicken. Doch wenn diese die Bilder an andere weiter­leiten, fällt das unter den Straf­tat­be­stand der Verbreitung von Jugendpor­no­graphie. Zeigt das Foto gar jemanden unter 14 Jahre, wird aus einer solchen Verbreitung der Straf­tat­be­stand der Verbreitung von Kinderpor­no­graphie. In Kanada etwa wurde Anfang des Jahres eine Jugend­liche eben wegen Verbreitung von Kinderpor­no­graphie verur­teilt. Sie hatte Nackt­bilder der Ex-Freundin ihres Freundes herum­ge­schickt und auf Facebook hochge­laden. Ein solcher Fall wäre auch in Deutschland denkbar.

Jugendstrafe

Die gegenüber Jugend­lichen oder Heran­wach­senden verhängte, erzie­he­risch ausge­staltete Freiheits­ent­ziehung in beson­deren Jugend­straf­an­stalten. Sie ist die einzige Krimi­nal­strafe des Jugend­straf­rechts (§§ 17 ff. Jugend­ge­richts­gesetz, JGG) und wird nur in den Fällen verhängt, in denen beim Angeklagten sogenannte schädliche Neigungen zu erkennen sind …

Der Sexting-Fall vorm Amtsge­richt München

Im Fall des 21-Jährigen, der in München Schülerinnen mit deren Nackt­bilder erpresst hatte, sprachen die Richter den Angeklagten schuldig. Neben Schmer­zensgeld an seine Opfer, soll er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Ob er die zwei Jahre Freiheits­s­trafe, zu denen die Richter ihn verur­teilt haben, absitzen muss, wird erst in sechs Monaten entschieden. Solange steht der 21-Jährige unter "Vorbewährung". Eine Bewährungsform, die nur im Jugend­straf­recht existiert und Jugend­lichen die Möglichkeit eröffnen soll, eine Jugend­strafe zu umgehen.

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