Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Patientenrechte

Wie im Krankenhaus einen Geburts­be­richt anfordern?

Der Geburtsbericht dokumentiert den Ablauf einer Geburt und darf den Eltern nicht vorenthalten werden. © Quelle: vividpixels/ panthermedia.net

Wenn Eltern den Geburts­be­richt ihres Kindes anfordern, stellen sich Krankenhäuser oft quer: sie fürchten eine Klage wegen Kompli­ka­tionen während der Geburt oder Folgeschäden. Dabei wollen Mütter manchmal einfach nur die Geburt nachvoll­ziehen und dürfen das auch. Sie haben einen Anspruch darauf, sich ihre Patien­tenakte anzusehen.

Im Kreißsaal hatte man ihr gesagt, die Herztöne seien schlecht. Deshalb müsse sie liegen. Anders sei das „CTG“ nicht sicher zu schreiben. Also lag Miriam. Unter der gesamten Geburt – obwohl sie den Drang hatte, sich zu bewegen. Vielleicht hätte sie die Schmerzen und die Wehen stehend besser ertragen, denkt sie manchmal. Vielleicht hätte sie dann auch nicht nach einer PDA gebettelt, wäre es nicht zu einem Geburts­s­till­stand gekommen und sie nicht im OP gelandet. Dass ihr Kind per Kaiser­schnitt zur Welt gekommen ist – darüber hadert sie bis heute.

Geburts­be­richte stellen den Verlauf einer Entbindung ausführlich dar

An die Details der Geburt kann sich die junge Mutter nicht erinnern, nur nebulös an unerträgliche Schmerzen. Ihre Hebamme rät ihr deshalb im Wochenbett, den Geburtsbericht des Krankenhauses anzufordern, in dem sie entbunden hat. Das könne Miriam helfen, das Geburtsgeschehen zu verarbeiten.

Krankenhäuser legen über alle Geburten Berichte an: inklusive CTG, Notizen der Hebammen zum Geburts­verlauf und ärztlichen Eingriffen – bis hin zum Geschehen im OP, wenn es zu einem Kaiser­schnitt kommt.

Gleichsam rät die Hebamme Miriam zur Beharrlichkeit: Sie habe die Erfahrung gemacht, dass Krankenhäuser den Geburtsverlaufsbericht nur zögerlich herausgäben. Die Kliniken fürchten Klagen wegen Behandlungsfehlern unter der Geburt. Tatsächlich kann ein Geburtsbericht klagenden Eltern im Prozess helfen, dem Krankenhaus-Personal im Kreißsaal Fehler nachzuweisen.

Wie den Geburts­be­richt des Kranken­hauses anfordern?

Sprechen Sie sich mit der Leitung der Geburts­station ihrer Klinik ab. Vielleicht genügt schon ein Anruf, um ihren Anspruch auf den Geburts­be­richt durch­zu­setzen. Wenn das Krankenhaus auf ein Anschreiben besteht, setzen sie eines auf.

„Rein rechtlich genügt eigentlich, den Geburts­be­richt mündlich anzufordern“, sagt Dr. Rudolf Ratzel. Der Rechts­anwalt ist Vorsit­zender der Arbeits­ge­mein­schaft Medizin­recht des Deutschen Anwalt­vereins (DAV). Krankenhäuser forderten aber in der Regel einen schrift­lichen Antrag ein, um den dokumen­tieren zu können.

Müssen Ärzte alles offen­legen?

Prinzi­piell haben Patienten Zugriff auf ihre gesamte Akte. „Es dürfen aber Passagen abgedeckt werden, die nichts mit der eigent­lichen Behandlung zu tun haben“, sagt Dr. Ratzel: Sogenannte subjektive Bemer­kungen über den Patienten zu schwärzen, sei in der Praxis aber sehr schwierig. Patienten würden schnell argwöhnisch, wenn ihnen Schwärzungen auffielen. „In der Regel werden Patien­ten­be­richte deshalb ohne Änderungen in Kopie übergeben“, so der Rechts­anwalt.

Was sollte in dem Anschreiben an das Krankenhaus stehen?

Beschreiben Sie in ihrem Antrag detail­liert, was Sie aus dem Geburts­be­richt erfahren wollen. Genügen Ihnen die Infor­ma­tionen aus dem sogenannten Partogram? Darin halten Hebammen und Ärzte den Geburts­verlauf fest: zum Beispiel die Dauer und Intensität der Wehen, ob die Frucht­blase geplatzt ist oder wann Schmerz­mittel verab­reicht wurden.

Sie können darüber hinaus aber auch eine Kopie des CTGs anfordern. Auch die Notizen über die Kontroll­un­ter­su­chungen während der letzten Schwan­ger­schafts­wochen stehen Ihnen zu.

Themen
Arzt Geburt Krankenhaus Patienten

Zurück