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Medizinrecht

Mangel­hafte Brustim­plantate - Arzt trifft keine Schuld

Quelle: Westend61/gettyimages.de © Quelle: Westend61/gettyimages.de

Eine kosme­tische Operation kann erheb­liche Risiken bergen. Der behan­delnde Arzt muss daher den Patienten besonders intensiv über negative Folgen einer OP aufzuklären. Er trägt deswegen aber nicht die Verant­wortung für mangel­hafte Brustim­plantate, entschied jetzt in einem Fall das Oberlan­des­ge­richt Karlsruhe

In dem von der Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mitgeteilten Fall waren einer Frau Brustimplantate des französischen Billigherstellers Poly Implant Prothèse (PIP) eingesetzt worden, die mit billigem Industriesilikon gefüllt waren. Sie hatte diese dann auf entsprechende Warnungen vor darin enthaltenem minderwertigem und nicht zugelassenem Silikon austauschen lassen. Sie klagte unter anderem gegen den behandelnden Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie auf Schadensersatz und Schmerzensgeld.

2007 noch keine Anhaltspunkte für Billigsilikon

Ohne Erfolg. Die Gerichte in der ersten und zweiten Instanz konnten keine Verletzung der ärztlichen Aufklärungspflicht feststellen. (20. April 2016; AZ: 7 U 241/14). Die Verwendung des Produkts sei 2007 nicht behandlungsfehlerhaft gewesen. Dem Arzt hätten zu dieser Zeit keine Anhaltspunkte dafür bekannt sein müssen, dass Implantate dieses Herstellers Qualitätsmängel aufwiesen.

Besondere Aufklärungspflicht bei kosmetischen Eingriffen

Ausdrücklich wiesen die Richter auf die besonders hohe Aufklärungs­pflicht bei kosme­ti­schen Opera­tionen hin. Je weniger ein ärztlicher Eingriff medizi­nisch geboten sei, umso eindrücklicher müsse der Arzt über Erfolgs­aus­sichten und mögliche Folgen infor­mieren. 

Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass der Arzt im vorlie­genden Fall ausrei­chend infor­miert habe. Er habe über die in dem Aufklärungs­bogen „Dokumen­tierte Patien­ten­aufklärung Augmen­ta­ti­ons­plastik“ aufgeführten Risiken aufgeklärt. Darüber hinaus habe er darauf hinge­wiesen, dass 

• die Haltbarkeit von Silikon­im­plan­taten begrenzt ist und durch­schnittlich etwa 10 bis 15 Jahre beträgt

• die tatsächliche Lebens­dauer indivi­duell verschieden ist und von der Reaktion der Implantate mit dem umlie­genden Gewebe abhängt. Diese Reaktion wiederum wird von der Größe, dem Weich­teil­mantel und der Lage der Implantate und den körperlichen Aktivitäten der Patientin beein­flusst

• zu den Umständen, die die Lebens­dauer der Implantate begrenzen, auch die Risiken einer Implan­tat­ruptur mit den Folgen möglicher lokaler Gewebe­re­ak­tionen, einem Gel-Bleeding oder einer Beschädigung des Implantats durch eine massive Gewalt­ein­wirkung (etwa bei einem Unfall)

• die begrenzte Lebens­dauer von Silikon­im­plan­taten, die nach zehn Jahren eine regelmäßige engma­schige Kontrolle und gegebe­nen­falls einen Austausch der Implantate erfor­derlich macht.

Wer Opfer eines medizinischen Behandlungsfehlers geworden ist, sollte in jedem Fall die Beratung eines Fachanwalts für Medizinrecht aufsuchen.

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Arzt Medikament Patienten

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