Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Arbeit und Krankheit

Hepatitis als Berufs­krankheit: Kranken­schwester erhält Entschädigung

Welche Krankheiten zählen als Berufskrankheiten? Manchmal eine umstrittene Frage. © Quelle: stockbroker/ panthermedia.net

Die Anerkennung als Berufs­krankheit ist wichtig, um bestimmte Ansprüche durch­setzen zu können. Berufs­ge­nos­sen­schaften haben meist kein Interesse daran, dies zu tun. Mitunter ist es auch strittig, und es kommt auf das Risiko des ausgeübten Berufs an. Wer als Kranken­schwester arbeitet, unter­liegt aber einem erhöhten Risiko.

Das Landes­so­zi­al­ge­richt Hessen hat ein wichtiges Urteil für Beschäftigte gefällt, die in und wegen ihrer Arbeit krank werden. Zumindest ist das Urteil für Pflege­per­sonal wichtig, denn die Landes­so­zi­al­richter haben die Hepatitis-Infektion einer Kranken­schwester als Berufs­krankheit anerkannt.

Voraussetzung dafür ist aber der ständige Kontakt mit Blut und die dadurch besonders erhöhte Gefahr einer Hepatitis-Virusinfektion. Ist dies der Fall, dürfen Arbeitnehmer eine Entschädigung verlangen, erläutert die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

Krank durch Arbeit: Risiken für Kranken­schwestern

Der Fall: Die ausge­bildete Kranken­schwester war von 1987 bis 1992 bei einem Blutspen­de­dienst für die intravenöse Blutab­nahme zuständig. Anschließend arbeitete sie als Steuer­fachan­ge­stellte. Im Jahre 2004 wurde eine vergrößerte Leber und als Zufalls­befund eine Hepatitis-Virus­in­fektion festge­stellt. Die Frau beantragte daraufhin die Anerkennung als Berufs­krankheit. Sie begründete dies damit, dass sie monatlich rund 400 Blutab­nahmen durchgeführt und sich auch dabei manchmal mit der Nadel verletzt habe.

Die Berufs­ge­nos­sen­schaft lehnte den Antrag ab. Es gebe keine Studien, wonach es ein erhöhtes Risiko einer solchen Infektion bei Beschäftigten im Gesund­heits­dienst gebe.

Gericht erkennt Hepatitis als Berufs­krankheit an

Die Klage der Frau hatte Erfolg. Die ehemalige Kranken­schwester sei bei ihrer Tätigkeit im Blutspen­de­dienst einem erhöhten Infek­ti­ons­risiko ausge­setzt gewesen, erläuterten die Darmstädter Richter. Hepatitis würde nur selten durch sexuelle oder Alltags­kon­takte übertragen. Für Beschäftigte in Heilbe­rufen ergebe sich ein Risiko der Infektion durch Blut oder Blutpro­dukte in Folge von Nadel­stich­ver­let­zungen. Das Risiko, mit einer von einem infektiösen Patienten gebrauchten Nadel gestochen zu werden, betrage bei Hepatitis C etwa drei Prozent, so das Gericht.

Auch konnte das Gericht nicht feststellen, dass im privaten Lebens­be­reich mit der erfor­der­lichen Gewissheit ein höheres Infek­ti­ons­risiko besteht. Es lohne sich bei einer Erkrankung, auf den gesamten Berufsweg zurückzublicken. Auch eine Tätigkeit, die schon längere Zeit zurückliegt, könne noch zu einer Berufs­krankheit führen. Man könne dann auch noch Anspruch auf eine Entschädigung haben.

Haben Sie mit der Berufs­ge­nos­sen­schaft ein Problem oder wollen sich zu einem anderen sozial­recht­lichen Thema beraten lassen? Hier finden Sie auf Sozial­recht spezia­li­sierte Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte.

Hessisches Landessozialgericht am 14. Juli 2015 (AZ: L 3 U 137/11)

Themen
Arbeit Arbeitnehmer Berufszweig Gesundheit Krankheit

Zurück

Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Mobilität
Sünden am Steuer: So verlieren Sie schnell Ihren Führerschein
Geld
Testament schreiben: Den letzten Willen richtig aufsetzen
Wohnen
Wann ein befristeter Mietvertrag gültig ist
Beruf
Gehaltsverhandlung: Das sollten Arbeitnehmer wissen
Mobilität
Rote Ampel überfahren und erwischt – was nun?
zur
Startseite