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Arzttermin kurzfristig absagen: Wann muss man Schadensersatz zahlen?

Nicht alle, die einen Arzttermin gemacht haben, tauchen auch im Wartezimmer auf. © Quelle: Fälchle/fotolia.com

Es gibt viele Gründe, warum man geplante Arzttermine manchmal nicht wahrnehmen kann: Mal stehen Überstunden an, mal hat man eine Erkältung oder das Kind ist krank. Sagt man erst kurz vor dem Termin ab oder taucht gar nicht auf, ohne vorher Bescheid gegeben zu haben, kann das eine Arztpraxis organi­sa­to­risch in Bedrängnis bringen. Das gilt vor allem bei aufwen­digen Unter­su­chungen oder Opera­tionen. Dürfen Ärzte in solchen Fällen von den Patienten Schadensersatz fordern?

Wer regelmäßig Arztpraxen aufsucht, könnte einen solchen oder ähnlichen Aushang schon gesehen haben: „Bei Nichterscheinen oder einer Terminabsage weniger als 24 Stunden im Voraus behalten wir uns vor, Ihnen eine Gebühr in Rechnung zu stellen.“ Dass Arztpraxen auf eine gewisse Zuverlässigkeit ihrer Patienten angewiesen sind, um den Arbeitstag organisieren zu können, ist verständlich. Lesen Sie hier, ob sie in den genannten Fällen wirklich Schadensersatz verlangen dürfen.

Arzttermin abgesagt oder verpasst: In der Regel keine Kosten

Für Patienten gibt es Entwarnung: „Reguläre Arzttermine wie eine Kontrolle beim Zahnarzt oder eine Untersuchung beim Hausarzt kann man auch kurzfristig absagen, ohne zahlen zu müssen“, informiert Rechtsanwalt Dr. Paul Harneit, Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Das gelte auch für verpasste Termine. Um die Organisation in der Arztpraxis oder dem Krankenhaus nicht zu gefährden, sollte man allerdings so früh wie möglich absagen, wenn man einen Termin nicht wahrnehmen könne.

Aufwendige Arzttermine absagen gegebe­nen­falls kosten­pflichtig

Lediglich bei kompli­zierten, aufwen­digen Unter­su­chungen oder Opera­tionen kann es gerecht­fertigt sein, bei kurzfris­tiger Absage eine Gebühr zu berechnen. „Wenn für einen Eingriff zum Beispiel der OP für mehrere Stunden freige­halten wird und der Patient taucht nicht auf, könnte das zulässig sein“, sagt Rechts­anwalt Harneit. Das sei aller­dings nur möglich, wenn der Arzt den Patienten zuvor explizit darauf hinge­wiesen hat.

Gericht: Kosten bei Absage dürfen nicht höher sein als bei Anwesenheit

Doch auch dann ist es nicht immer zulässig, von Patienten eine Gebühr zu verlangen. Das zeigt eine Entscheidung des Amtsgerichts (AG) München. Eine Patientin hatte einen Operationstermin zwei Tage im Voraus aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Klinik zufolge muss der Patient bei einer solch kurzfristigen Absage nicht nur die kompletten Behandlungskosten, sondern zusätzlich eine Verwaltungsgebühr zahlen. Der Richter hielt es allerdings für realitätsfern, wenn Patienten für eine ausgefallene OP mehr zahlen müssten als für eine durchgeführte. Die AGB seien deshalb unwirksam.

Fazit für Patienten: Wer einen Arzttermin verpasst oder kurzfristig absagt, muss in der Regel nichts befürchten. Eine Gebühr bezie­hungs­weise Schadensersatz ist unter Umständen dann fällig, wenn ressour­cen­in­tensive Opera­tionen oder Unter­su­chungen kurzfristig gecancelt oder verschoben werden. Dennoch sollten Patienten Termine beim Arzt oder im Krankenhaus so früh wie möglich absagen oder verschieben, wenn sie sie nicht wahrnehmen können. Das erleichtert dem Praxis- oder Klinikteam die Arbeit. Strei­tig­keiten um möglichen Schadensersatz können so gar nicht erst entstehen.

Themen
Arzt Schadensersatz

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