Recht oder falsch

Arbeiten trotz Krankschreibung: Ist das erlaubt?

Darf man zur Arbeit gehen, sobald man sich wieder fit fühlt?
Darf man zur Arbeit gehen, sobald man sich wieder fit fühlt?

Quelle: Rudie/Fotolia.com

Im Bett liegen, fernsehen und sich verwöhnen lassen: Eine Krankschreibung ist für Abeitnehmer nicht immer unangenehm  – zumindest für ein paar Tage. Auf Dauer kann das Nichtstun jedoch ganz schön langweilig werden. Vor allem dann, wenn man sich eigentlich schon wieder gesund fühlt.

Hinzu kommt das schlechte Gewissen, weil die Kollegen die eigene Arbeit miterledigen müssen, während man selbst auf der Couch sitzt. Aber kann man einfach wieder zur Arbeit gehen, obwohl man noch ein paar Tage oder gar Wochen krank geschrieben ist? 

Um die Frage, wie verbindlich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – so der offizielle Titel der Krankschreibung in Deutschland –  ist, werden viele Mythen gestrickt, vor allem im Internet. Oft ist zu lesen, dass die Krankschreibung einem Arbeitsverbot gleich komme: Wenn der Arzt einmal den gelben Schein ausgestellt habe, sei es dem Arbeitnehmer für die betreffende Zeit untersagt an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Oft ist auch von einer „Gesundschreibung“ zu hören, mit der man sich vom Arzt die Arbeitsfähigkeit bescheinigen lassen müsse. 

Wer sich gesund fühlt, darf zur Arbeit gehen 

Diese Gerüchte sind falsch. „Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist kein Arbeitsverbot“, sagt Rechtsanwältin Donata Gräfin von Kageneck von der Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). „Die Bescheinigung ist lediglich eine Prognose des Arztes darüber, wie lange der Arbeitnehmer voraussichtlich nicht arbeiten kann“, so von Kageneck.

Wenn die Arbeitsfähigkeit schon früher hergestellt sei, dürfe man auch zum Arbeitsplatz zurückkehren. Das heißt: Wer sich gesund fühlt, kann ohne weiteren Arztbesuch wieder arbeiten gehen. Eine „Gesundschreibung“ als Gegenstück zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gibt es nicht.

Keine Auswirkungen auf Versicherungsschutz

Ein weiteres Gerücht besagt: Wenn man trotz Krankschreibung zur Arbeit geht, verliert man seinen Versicherungsschutz. Wer dann bei der Arbeit einen Unfall habe, würde keine Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung erhalten. Auch das stimmt nicht.

„Wenn man sich trotz Krankschreibung gesund fühlt und zur Arbeit geht, hat das keinen Einfluss auf den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz“, sagt Stefan Boltz vom Spitzenverband der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Das gelte auch für Wegeunfälle.Wer sich also trotz Krankschreibung auf den direkten Weg zur Arbeit macht, genießt in der Regel von der Haustür an den gleichen Versicherungsschutz wie alle anderen Arbeitnehmer. Unabhängig von der Krankschreibung gilt, dass ein medizinischer Vorfall am Arbeitsplatz nur dann als Arbeitsunfall anerkannt wird, wenn er in direktem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht.

Wer krank ist, darf nicht „fremdarbeiten“

Wer sich wieder gesund und voll einsatzfähig fühlt, kann also durchaus wieder arbeiten gehen, obwohl eine Krankschreibung vorliegt. Das gilt allerdings ausdrücklich nur für den eigenen Arbeitgeber. Während einer Krankschreibung einer anderen Tätigkeit nachzugehen und ein paar Euro nebenher zu verdienen ist keine gute Idee: Erfährt der Arbeitgeber von der ungenehmigten Nebentätigkeit, droht eine fristlose Kündigung.

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