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Urteil

Warum manche Nackt­katzen nicht gezüchtet werden dürfen

  Quelle: ots-photo/fotolia.com
Ein nackter Streitgegenstand.
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Tierische Fälle vor Gericht sichern fast immer öffent­liches Interesse. Nun ist ein nackter Kater in Berlin ins Rampen­licht gerückt.

Das Schicksal von Zucht-Kater Willi aus der Haupt­stadt ist fürs Erste entschieden: Der vier Jahre alte Nackt­kater soll kastriert werden, er darf keine Nachkommen mehr zeugen, urteilte das Berliner Verwal­tungs­ge­richt (AZ: VG 24 K 202.14). Die Zucht von Nackt­katzen ohne funktionsfähige Tasthaare verstoße gegen das Tierschutz­gesetz, hieß es im Urteil. Die Richter betraten mit ihrer Entscheidung juris­ti­sches Neuland.

Über eine Qualzucht habe bislang kein anderes deutsches Gericht seit dem neuen Tierschutz­gesetz von 2013 geurteilt, sagte Richter Christian Oestmann. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung wurde eine Berufung zugelassen. Letztlich könnte der Fall von Kater Willi noch beim Bundes­ver­wal­tungs­ge­richt landen.

Züchterin Jacqueline Linke kam ohne Willi ins Gericht. Die Berli­nerin war nach dem Urteil entschlossen, für ihre Canadian-Sphinx-Katzen weiter zu kämpfen. Sie hält in ihrer Wohnung nicht nur Willi, sondern noch «die Mädchen» Enola, Rumba und Sadira ohne Fell. «Die sind so verschmust und kinder­freundlich», schwärmte die 41-Jährige. Und Willi habe schon mal einen Champions-Titel geholt - wegen seines Aussehens. Acht Katzen habe sie schon verkauft.

Bei Nackt­katzen fehlt nicht nur das Fell, durch eine Genveränderung hat die Rasse Canadian-Sphinx auch fast keine Tasthaare. Mit denen orien­tieren sich Normalo-Katzen zum Beispiel bei Dunkelheit. Bei einer Zucht wird das Fehlen der Haare vererbt. Auch Wimpern seien bei den Nackt­katzen verkümmert, hatte ein Gutachter im Prozess gesagt.

Zwar zeigte sich Richter Oestmann in der mündlichen Verhandlung zunächst tolerant und sagte: «Schönheit liegt im Auge des Betrachters.» Aber es gehe hier um die Grenzen von Liebha­berei. Er hatte es sich wie seine Kollegen nicht leicht gemacht. Auf dem Richter­tisch lag auch ein Buch zur Zucht der Nackt­katzen mit etlichen bunten Klebe­streifen. Gleich fünf Richter waren zugegen.

Das Urteil war dann glasklar: Das Tierschutzgesetz verbiete es, Wirbeltiere zu züchten, wenn ihnen Körperteile für ihren artgemäßen Gebrauch fehlen und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Sphinx-Katzen werden auch im Internet zum Kauf angeboten. Verkäufer verlangen bei Ebay-Kleinanzeigen derzeit hunderte Euro für ein Jungtier.

Auch der Gutachter hatte gesagt: «Das Fehlen eines Sinnes­organs bewerte ich als Schaden.» In seiner Tierarzt-Praxis behandle er immer mal wieder Nackt­katzen-Patienten. Sie seien sehr nette Katzen, hätten aber häufig Hautpro­bleme. Auch das Gesicht dieser Züchtung sei weniger ausdrucks­stark. Eigentlich könnten Katzen mit ihren Haaren ihre Stimmung zum Ausdruck bringen.

Der Streit um Willi zieht sich schon länger hin. Die Züchterin wollte die Anordnung des Bezirksamtes Spandau nicht hinnehmen, die die Zucht verboten und die Kastrierung von Willi angeordnet hatte.

Die Katzen­lieb­ha­berin schüttelte nur den Kopf: «Willi ist Famili­en­mit­glied.» In ihrer Vier-Zimmer-Wohnung gehe es ihren Tieren gut. «Nackt­katzen sind menschen­be­zogen und sehr intel­ligent.» Sie würden gebadet, es gebe keine Flöhe oder Milben. Seit anderthalb Jahren sei Willi nun aber schon lahmgelegt. Wenn es nicht bald eine endgültige Entscheidung gebe, sei er zu alt für Nachwuchs.

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