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Weihnachts­geschäft

Umtausch von Weihnachts­ge­schenken: Die wichtigsten Fragen

Nach Weihnachten wollen viele Beschenkte ihr Präsent zurückgeben oder umtauschen - welche Regeln gelten dafür? © Quelle: HiyaImages/corbisimages.com

Nach den Weihnachts­fei­er­tagen beginnt die Zeit des Umtauschs. Dabei ist man in Geschäften und Kaufhäusern auf die Bereit­schaft der Händler angewiesen – eine gesetz­liche Pflicht, Ware umzut­au­schen haben sie nicht. Anders ist es im Internet. Hier ist der Umtausch gesetzlich garan­tiert. Die Deutsche Anwaltaus­kunft infor­miert über die recht­lichen Pflichten von Händlern, Beschenkten und Schenkern.

Besteht generell ein „Recht auf Umtausch“?

Ungeliebte Weihnachts­ge­schenke unverzüglich umzut­au­schen – das fänden viele Beschenkte sicher praktisch. Rechts­anwalt Swen Walen­towski, Sprecher der Anwaltaus­kunft (anwaltaus­kunft.de), dämpft aller­dings die Erwar­tungen: „Ein grundsätzliches Recht auf Umtausch gibt es nicht. Ob Geschäfte Waren zurücknehmen, hängt vor allem von ihrer eigenen Bereit­schaft ab.“ Im Einzelfall gilt also, der Händler legt die Fristen und Bedin­gungen für ein Rückgabe­recht fest. Im Umkehrschluss muss er sich aber auch daran halten. Billigt also ein Kaufhaus zum Beispiel ein vierwöchiges Rückgabe­recht  zu, bindet es sich damit rechtlich. Die Festlegung von Fristen ist dabei ebenso dem Händler überlassen, wie die Art der Rückerstattung.

Möchte ein Verkäufer bei einem Umtausch nur Gutscheine in der Höhe des Waren­wertes ausstellen, müssen Kunden dies akzep­tieren – einen Anspruch auf die Auszahlung von Bargeld haben sie nicht. Kunden sollten sich also bereits vor einem Kauf über ihre Rückgabe­rechte infor­mieren. Das gilt für reguläre Käufe ebenso wie für Weihnachts­ge­schenke. „Wegen der Fristen kann auch ein Hinweis auf dem Kassenbon reichen, dass es sich um ein Weihnachts­ge­schenk handelt und man erst danach weiß, ob ein Umtausch notwendig ist,“ erläutert Walen­towski.

Muss der Kaufbeleg beim Umtausch immer vorgelegt werden?

Auch hier gilt: Ob bei der Rückgabe von Waren ein Kaufbeleg vorgelegt werden muss, ist den Händlern selbst überlassen. Verlangen müssen sie ihn nicht, aller­dings tun das in der Regel die aller­meisten Geschäfte. Wer also ein Geschenk umtau­schen möchte, kommt vermutlich nicht darum herum, den Schen­kenden darum zu bitten, den Kaufbeleg auszuhändigen. Ist man als die schen­kende Partie nicht sicher, wie das ausgewählte Geschenk ankommt, empfiehlt es sich eventuell, den Beleg gleich beizu­legen oder zumindest gut aufzu­be­wahren.

Können Kunden ein eigenes Rückgabe­recht verein­baren?

Wenn der Händler zustimmt, spricht rechtlich nichts dagegen, ein eigenes Rückgabe­recht ausdrücklich zu verein­baren. Dies muss aller­dings vor dem Vertrags­ab­schluss geschehen und sollte aus Beweisgründen schriftlich festge­halten werden. „Lässt sich ein Händler auf eine derartige Verein­barung ein, zum Beispiel einen Umtausch gegen Geld binnen 30 Tage ab Kauf, dann ist er auch an diese Zusage gebunden.“ erklärt Anwalt Swen Walen­towski.

Was gilt bei kaputter oder mangel­hafter Ware?

Ist das Geschenk einwandfrei, könnte sich die Rückgabe bei keiner anderen Verein­barung als schwierig erweisen. Ist es aller­dings kaputt oder nicht vollständig, haben Kunden eindeutige gesetz­liche Ansprüche. Bei Mängeln haben Kunden pauschal einen Anspruch auf Nachbes­serung – sofern der Verkäufer die Ware nicht wegen des Mangels bereits reduziert hatte. Der Mangel muss dann aller­dings schon beim Kauf bestanden haben. Zwei Versuche stehen dem Verkäufer frei, den Fehler zu beheben. Erst wenn das nicht funktio­niert hat oder eine Nachbes­serung unsinnig ist, können Kunden den Preis mindern oder darauf beharren, den Kaufpreis erstattet zu bekommen. Sie müssen sich dann auch nicht auf ein Ersatz­produkt verweisen lassen. Unter Umständen ist dann sogar Schaden­ersatz möglich.

Welche Rückgabe­rechte gelten für Waren, die im Internet oder dem Versand­handel bestellt wurden?

Im Kaufhaus ist der Käufer auf die Bereit­schaft der Händler angewiesen. Im Internet gilt das nicht. Hier ist der Widerruf gesetzlich garan­tiert – mit einer zeitlichen Einschränkung. „Online-Versandhändler müssen Käufern ein Wider­rufs­recht einräumen“, erklärt Rechts­anwalt Swen Walen­towski. Die gesetz­liche Frist für die Wider­rufserklärung und die Rückgabe der Ware beträgt 30 Tage. Gemeint sind hier immer Kalender- und keine Werktage. Also auch Sonn- und Feiertage müssen mit einbe­rechnet werden. Viele Händler gehen gerade in der Weihnachtszeit aber darüber hinaus. Wer beispiels­weise beim Inter­net­ver­sandhaus Amazon zwischen dem 1. November und dem 31. Dezember 2016 bestellt (hat), darf die Ware bis einschließlich dem 31. Januar 2017 zurückgeben oder umtau­schen. Aller­dings muss die Ware grundsätzlich immer den jewei­ligen Rückgabe­be­din­gungen entsprechen. In den meisten Fällen bedeutet das, dass sie unbenutzt oder ungetragen zu sein hat.

Ist der Umtausch von Geschenk­gut­scheinen gegen Bargeld möglich?

Geschenk­gut­scheine gehören mittler­weile zu den belieb­testen Geschenken unter deutschen Weihnachtsbäumen. Umtau­schen lassen sie sich aller­dings kaum. Einen gesetz­lichen Anspruch auf einen Rücktausch gegen Bargeld gibt es nicht. Auch gewähren die meisten Händler diesen auch nicht aus Kulanz. Anders verhält es sich aller­dings, wenn der Gutschein sich auf ein bestimmtes Produkt oder eine Dienst­leistung bezieht und gerade diese(s) nicht mehr erhältlich ist. Dann ist die Erfüllung des ursprünglich geschlos­senen (Kauf-)Vertrags nicht mehr möglich. Ein Anspruch auf Rückzahlung oder Baraus­zahlung des Gutschein­wertes besteht aller­dings nur dann, wenn dies vor dem Kauf des Gutscheins ausdrücklich vereinbart worden ist.

Haben Gutschein­be­sitzer ein Recht auf eine teilweise Auszahlung?

Kaufen sich Gutschein­in­haber ein Produkt, welches unter dem Wert des Gutscheins liegt, stellt sich die Frage: Was passiert mit dem restlichen Wert? Einen Rechts­an­spruch auf die Auszahlung des Restbe­trages gibt es nicht. Das bedeutet aller­dings nicht, dass der restliche Wert automa­tisch verfällt. Gutschein­be­sitzer dürfen die Ausstellung eines neuen Gutscheines mit dem Restwert, oder einen Vermerk auf Teileinlösung auf dem ursprünglichen Gutschein verlangen.

Wann verlieren Geschenk­gut­scheine ihre Gültigkeit?

Grundsätzlich beträgt die Verjährungs­frist von Gutscheinen drei Jahre. Denn jeder allge­meine zivil­recht­liche Anspruch ist nach drei Jahren verjährt. Diese Frist beginnt immer am Ende des Jahres, in dem der Gutschein vom heraus­ge­benden Händler erstellt wurde. Wurde der Gutschein also im Januar 2016 gekauft, beginnt die Verjährungs­frist erst am 1.1.2017 und endet zum 31.12.2019. Rechtlich verbindlich ist die dreijährige Verjährungs­frist aller­dings nicht. Ein Gutschein kann eine kürzere Gültigkeits­frist besitzen, wenn der Händler das deutlich festlegt und ausrei­chend begründen kann. Generell sind aber zu kurze Gültigkeits­fristen, etwa nur ein Jahr, rechtlich nicht haltbar, wie mehrere Gerichts­ent­schei­dungen beweisen.

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Geschenk Reklamation Umtausch Weihnachten

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