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Tierrecht

Tierquälerei: Wie Zeugen helfen können

Tiere zu quälen ist eine Straftat. © HeroImages/gettyimages.de

Jeden Sommer wieder­holen sich die Bilder: Hunde ersticken in überhitzten Autos oder vegetieren auf Rastplätzen einsam vor sich hin. Doch wer Tieren absichtlich Leid zufügt, begeht kein Kavaliers­delikt, sondern macht sich strafbar. Die Anwaltaus­kunft erklärt, wie Menschen reagieren können, wenn Sie Zeugen von Tierquälerei werden.

Theore­tisch sind in Deutschland alle Wirbel­tiere durch das Tierschutz­gesetz geschützt. Paragraph 17 des Gesetzes besagt, dass „niemand Wirbel­tiere ohne vernünftigen Grund töten oder ihnen aus Rohheit erheb­liche Schmerzen oder Leiden bzw. sich wieder­ho­lende erheb­liche Schmerzen oder Leiden zufügen darf.“ Es drohen Geldstrafen oder Freiheits­s­trafen von bis zu drei Jahren. Das Problem: Praktisch ist dieser Paragraph sehr schwer anzuwenden.

Viel Ungeklärtes im Tierschutzgesetz

„Im Paragraph 17 des Tierschutz­ge­setzes haben wir es mit vielen ungeklärten Begriffen zu tun“, erklärt Andreas Ackenheil, Anwalt für Tierrecht in Mainz. „Was genau Rohheit ist oder ab wann sich von erheb­lichen Schmerzen sprechen lässt, ist schlichtweg nicht definiert.“ Die Folge: Der „Tierquälerei-Paragraph“ hat vor Gericht hohe Hürden.

„Lässt sich Paragraph 17 nicht anwenden, gibt es noch Paragraph 18 des Tierschutz­ge­setztes“, so Ackenheil weiter. Ein Verstoß wird als Ordnungs­wid­rigkeit einge­stuft und mit einer Geldstrafe bis zu 25.000 Euro geahndet. „Paragraph 18 greift etwa dann, wenn eine Person, die nicht dafür geeignet ist, eine Operation am Tier vornimmt und ihm dabei Leid zufügt.“ 

Als Zeuge: entschlossen, aber überlegt handeln

Wie aber sollten Personen reagieren, wenn sie selbst Zeuge von Tierquälerei werden? Rechts­anwalt Ackenheil rät zu entschlos­senem aber überlegten Handeln: „Generell ist es ratsam, rasch die Polizei zu verständigen. Ist dies nicht möglich oder befindet sich das Tier in einer akuten Notsi­tuation, sollte man versuchen, dem Tier selbst zu helfen – natürlich im Rahmen des gesetzlich Erlaubten und ohne Gewalt anzuwenden.“

Doch gerade wenn Passanten auf einen Hund stoßen, der im verschlos­senen Auto hoher Hitze ausge­setzt ist, geraten sie schnell an die Grenze des gesetzlich Erlaubten. „Wer eine Autoscheibe einschlägt, um einen Hund aus einem überhitzten Auto zu befreien, macht sich unter Umständen selbst strafbar“, so Ackenheil.

In einem solchen Fall müsse jeder für sich selbst zwischen Gesetz und Moral abwägen. Generell gilt aber: „Schnellstmöglich die Behörden zu infor­mieren, ist der gesetzlich sichere Weg.“ Für Passanten sei es außerdem oft schwer einzuschätzen, ob ein Hund sich wirklich in einer Notsi­tuation befinde – oder nur stark hechele. Das kann je nach Art, bzw. Rasse sehr stark variieren.

Regelmäßige Verstöße dokumentieren

Beobachten Personen regelmäßig Verstößen gegen das Tierschutz­gesetz, rät der Mainzer Rechts­anwalt dazu, diese zu dokumen­tieren – etwa durch Fotos oder Videos. Diese könnten sie dann als Beweis­mittel dem Veterinäramt überreichen. Auch die Hinzu­nahme von weiteren Zeugen sei sinnvoll. Abschließend mahnt Ackenheil trotz guter Vorsätze zur Vorsicht: „Jeder sollte darauf achten, sich beim Zusam­men­tragen von Beweisen nicht strafbar zu machen. Sonst steht am Ende vielleicht nicht nur der Tierquäler vor Gericht.“

Wer eine juris­tische Ausein­an­der­setzung aller­dings nicht scheut, sollte sie auf keinen Fall ohne passenden Rechts­bei­stand suchen. Ein(e) fachlich versierte(r) Anwalt/Anwältin unterstützt dabei durch umfang­reiche Erfahrung vor Gericht, kann Erfolgs­aus­sichten und die Aussa­ge­kraft von Beweis­mitteln prüfen. Über die Anwalts­suche der Deutschen Anwaltaus­kunft können Sie bundesweit nach passenden Fachkräften suchen.

Themen
Tiere Tierrechte Tierschutz

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