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Diskri­mi­nierung?

Sollte sexis­tische Werbung verboten werden?

Die Frau als selige Haushaltsfee: sexistischer Stereotyp oder legitimes Werbemotiv? © Quelle: GretaMarie/gettyimages.de

Anzeigen wollen unsere Aufmerk­samkeit. Mit nackten Frauen bekommen sie die schnell. Ist das so frauen­feindlich, dass es verboten werden sollte? Die Debatte darüber wird noch eine Weile dauern.

Ein Werbe­plakat, das ganz auf die Wirkung nackter Frauen­hintern setzt - ist das jetzt sexis­tisch, Meinungs­freiheit oder einfach nur einfallslos? Auf jeden Fall hat es Aufre­ger­po­tenzial. Ein angedachtes Verbot sexis­ti­scher Werbung wird in der Öffent­lichkeit ausein­an­der­ge­nommen, bevor es auch nur einen Gesetz­entwurf gibt. Auf Twitter schimpft ein Nutzer über „Sitten­po­lizei“.

Politiker sprechen von „Gesin­nungs-TÜV“, „Spießigkeit“ und „Nanny­staat“. Angestoßen hat die Debatte vergangene Woche eine Idee aus dem Bundes­jus­tiz­mi­nis­terium. Dort wird eine Änderung des Gesetzes gegen den unlau­teren Wettbewerb geprüft, wonach Werbung unzulässig sein soll, die Frauen oder Männer auf Sexual­ob­jekte reduziert.

Die Werbeindustrie ist wenig erfreut von diesen Gedankenspielen. Der Staat sollte nicht regeln, was zeitgemäß sei und in der Werbung gezeigt werden dürfe, sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Werberats Julia Busse. So etwas müsse aus der Gesellschaft selbst kommen, statt vom Gesetzgeber verordnet zu werden. Außerdem sei auch Werbung von der Meinungsfreiheit geschützt.

Der Werberat ist das Selbst­kon­troll­organ der Branche. Bis Ende März 2016 erreichten ihn 72 Beschwerden über geschlech­ter­dis­kri­mi­nie­rende oder herabwürdigende Werbung. In sechs Fällen wurde eine öffent­liche Rüge ausge­sprochen. Das tut der Werberat immer dann, wenn ein Unter­nehmen eine beanstandete Anzeige nicht zurücknehmen will.

Nach den Verhal­tens­regeln des Selbst­kon­troll­organs darf Werbung Menschen nicht auf ihr Geschlecht reduzieren. Außerdem sind etwa Anzeigen untersagt, die die sexuelle Verfügbarkeit einer Person nahelegen oder übertriebene Nacktheit heraus­stellen.

Sexismus in der Werbung: Wirkt die Selbst­kon­trolle der Werbe­wirt­schaft?

Die Frauenrechtsorganisation Terre des femmes hält nicht viel von der Selbstkontrolle. „Der Werberat reagiert unserer Meinung nach nicht sensibel genug“, sagt Maja Wegener von Terre des femmes. Und wer sitze denn in dem Organ? Die Werbeindustrie und die Wirtschaft. Die hätten natürlich ihre eigenen Interessen. Die Checkliste von Terre des femmes geht denn auch etwas weiter als die Verhaltensregeln des Werberats. Frauenfeindlich ist danach auch ein Spot, der eine Frau auf ihre Rolle als Hausfrau reduziert.

Aber kann ein Verbot überhaupt dabei helfen, ein „modernes Geschlech­terbild“ in Deutschland zu etablieren, wie es nach einem „Spiegel“-Bericht das Ziel des Bundes­jus­tiz­mi­nis­te­riums ist? Ja, sagt die Frauen­recht­lerin Wegener. Der einzige Punkt werde es sicherlich nicht sein. „Das ist natürlich Quatsch.“ Aber sie bleibt dabei: „Ohne ein Verbot wird sich zu wenig bewegen.“

Unzufrieden ist man bei Terre des femmes vor allem mit kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die zeigten sich häufig besonders „einfallslos und kreativlos“, stellten einfach eine nackte Frau neben das zu bewerbende Produkt. Die großen Firmen seien da schon weitaus moderner, sagt Wegener.

Die Werberat-Geschäftsführerin Busse hält die ganze Idee dagegen für eine „Scheinlösung“. Außerdem: Eine Waschmaschinenwerbung mit einer Frau sei nicht automatisch herabwürdigend, nur weil damit ein bestimmtes Rollenbild weitergegeben würde. Denn es bilde ja auch den Alltag von vielen Menschen ab, sagt Busse. Ein Verbot solcher Rollenbilder in der Werbung? „Ich würde sogar sagen, das diskriminiert eigentlich Millionen von Frauen, die sich zu Hause um den Haushalt kümmern.“

Spätestens damit ist man mitten in der Sexismus-Debatte drin. Es gibt wenig Aussicht darauf, dass ein Verbot dem bald ein Ende setzen wird. Die rechts­po­li­tische Sprecherin der Unions­fraktion, Elisabeth Winkel­meier-Becker, hat dem Vorschlag bereits eine Absage erteilt: „Es passt ... nicht zu einem freiheit­lichen Rechts­staat, jede Geschmack­lo­sigkeit mit Verbot und Strafe zu belegen.“

Außerdem hat die Union angekündigt, in dieser Legis­la­tur­pe­riode nur noch die Geset­zes­vor­haben umsetzen zu wollen, die auch im Koali­ti­ons­vertrag vereinbart worden sind. Ein Verbot sexis­ti­scher Werbung zählt nicht dazu.

Solange ruft die Frauen­recht­lerin Wegener der Werbe­in­dustrie zu: „Werdet doch mal ein bisschen kreativer!“

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Sexismus Unternehmen Werbung

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