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Reiserecht

Pauschalreise: Neue Regeln bieten Reisenden mehr Transparenz

Mit der Landung am Urlaubsort kann die Erholung beginnen - oder der Ärger. © Quelle: hkratky/ panthermedia.net

Ein toller Urlaub hängt am Wetter und einem schönen Strand. Kommt es zu ärgerlichen Pannen, bleiben diese jedoch meist eher im Gedächtnis. Neue Regeln bei Pauschalreisen sollen Touristen bald besser über Absicherungen aufklären. Es gibt allerdings auch Bedenken.

Wenn sie erstmal entspannt in der Sonne liegen, ist die Buchung für Millionen Urlauber schon ganz weit weg. Die einen haben Kataloge gewälzt, andere klickten sich durchs Internet. Doch sollten Ameisen durchs Hotelzimmer laufen oder es zu einer Flugverspätung kommen, kann es einen deutlichen Unterschied machen, wie genau die Reise gebucht wurde. Was Urlauber von ihrem Anbieter nicht nur bei Ärgernissen erwarten können, wird europaweit neu geregelt. Die Reform soll zur sommerlichen Hochsaison 2018 greifen - und adelt die klassische Pauschalreise als Ferienpaket mit maximaler Absicherung. Verbraucherschützer und Reisebüros üben trotzdem Kriti.

Was ist das Ziel der Neuregelung zu Pauschalreisen?

Der jetzige EU-Rechtsrahmen stammt noch von 1990. Seitdem hat sich das Geschäft mit den angenehmsten Wochen des Jahres stark gewandelt. Statt Arrangements „von der Stange“ zu buchen, stellen sich viele lieber alles einzeln zusammen - dank Internet ja meist kein größeres Problem. Doch wer steht dafür ein, wenn dann etwas schief geht oder sogar ein Anbieter Insolvenz anmeldet? Eine im Herbst besiegelte Richtlinie der EU legt Vorgaben dafür fest. Ziele seien „mehr Transparenz und bessere Information der Verbraucher über die Art der Reise, die sie buchen“, sagt Gerd Billen, Staatssekretär im Bundesjustizministerium, das nun einen Entwurf für die nationale Umsetzung vorgestellt hat.

Was sind überhaupt Pauschalreisen?

Was als Pauschalreise gilt, wird etwas sperrig, aber viel konkreter definiert. Nämlich „eine Gesamtheit von mindestens zwei verschiedenen Reiseleistungen für den Zweck derselben Reise“. Und darunter fallen wiederum Personenbeförderung, Beherbergung und „die Vermietung von vierrädrigen Kraftfahrzeugen“. Nicht eingeschlossen sind Kurztouren, die weniger als 24 Stunden dauern und höchstens 75 Euro kosten. Gut 40 Prozent der jährlich 69 Millionen Trips ab fünf Tagen werden laut Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen immer noch pauschal gebucht.

Was gilt künftig für Pauschalreisen?

Dass sie einen umfassenden Schutz bei Problemen mitbuchen, sollen Pauschalurlauber künftig ausdrücklich signalisiert bekommen. Und zwar mit einem Info-Formular, das etwa Rücktrittsrechte, Ansprüche auf Preisminderung bei Mängeln oder einen Insolvenzschutz auflistet. Zentraler Ansprechpartner: der Reiseveranstalter. In der Werbung angepriesen werden aber auch Produkte wie „Komplettangebote“ oder „Kombireisen“, die wie Pauschalreisen klingen, obwohl sie keine sind. So etwas muss künftig als „verbundene Reiseleistungen“ ausgewiesen werden. Gemeint sind mindestens zwei Leistungen, die aber getrennt gebucht und bezahlt werden. Auch dafür soll es ein Info-Blatt für die Kunden geben, inklusive ist jedoch nur ein geringerer Problemschutz.

Was sagen die Reisebüros?

Viele Reisebüros sind alarmiert. Denn den Agenturen drohten höhere Risiken, wenn sie wie bisher Einzel-Leistungen für Kunden bündeln und somit selbst zum Veranstalter mit Haftungsverpflichtung werden, warnt der Deutsche Reiseverband. Um das zu vermeiden, müssten zum Beispiel Flug, Hotel und Mietwagen separat verkauft und abgerechnet werden - und der Kunde drei Mal die EC-Karte zücken. „Praxisfern“, schimpft der Verband. Auf individuelle Kundenwünsche einzugehen, sei doch gerade die Stärke der Reisebüros im Vergleich zu Online-Portalen.

Was sagen Verbraucherschützer?

Trotz einiger Verbesserungen sieht auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Kratzer im Glanz. „Pauschalreisen werden zu Glücksreisen“, kritisiert Expertin Kerstin Hoppe. Bis zu 20 Tage vor Reiseantritt sollen künftig Preiserhöhungen von bis zu acht Prozent als zumutbar gelten - bisher sind es fünf Prozent. Und Schweigen gilt als Akzeptanz. Allerdings muss sich dies unmittelbar aus gestiegenen Treibstoffkosten, Abgaben oder aus Wechselkurseffekten ergeben. Um Kunden nicht zu verprellen, werde schon jetzt mit abrupten Erhöhungen kaum ernst gemacht, heißt es beim Reiseverband. Bei Erhöhungsklauseln im Vertrag dürfen Kunden künftig übrigens auch Preissenkung fordern, wenn diese Posten billiger werden - und sie das nachweisen können.

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