Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Wildpinkeln

Öffentliches Urinieren: pinkeln in die Kommunenkasse

Öffentliches Urinieren ist verboten - das gilt auch für die Tribüne des Berliner Olympiastadions... © Quelle: DAV

Nicht nur an Fasching oder Karneval kommt man mitunter in Drucksituation – dann nämlich, wenn die Blase ebenso voll ist, wie die Toiletten der jecken Kneipen. Dabei geht öffentliches Urinieren richtig ins Geld – je nach Bundesland und Ort des Geschehens.

Das Rheinland feiert in diesen Tagen die fünfte Jahreszeit: Es ist Karneval. Die Jecken lachen, tanzen – und trinken eine ganze Menge Kölsch, Alt und Co. Doch was reingeht, muss auch wieder raus. Nur wohin? Die Kneipen sind überfüllt, die Toiletten ohnehin hochfrequentiert – sowohl innen als auch die angemieteten mobilen Klos. Da liegt es für viele nah, das Geschäft unter freiem Himmel abzuwickeln. Doch Vorsicht: Das sogenannte Wildpinkeln ist verboten und kann richtig teuer werden.

Wildpinkeln ist eine Ordnungswidrigkeit, die Strafen variieren

„Wildpinkeln ist eine Ordnungswidrigkeit und wird bestraft“, sagt Rechtsanwalt Swen Walentowski, Sprecher der Deutschen Anwaltauskunft. Es handle sich hierbei um Belästigung der Allgemeinheit. Walentowski ergänzt: „So klar die Rechtslage hier ist, so unterschiedlich können die Folgen sein.“

Für das Wasserlassen unter freiem Himmel ist zwar wohl noch kein Mensch ins Gefängnis gekommen, doch kann die physische Erleichterung teuer werden. Das wiederum hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab.

1.    Strafen für Wildpinkeln unterscheiden sich je nach Kommune  

Von Kommune zu Kommune gibt es teilweise gravierende Unterschiede bezüglich der „Höchststrafe“ für freies Urinieren. Im vergangenen Jahr fragte ein Hersteller von Taschen-WCs hierzu 52 deutsche Städte. Das Ergebnis: In Hannover, Stuttgart, Erfurt und Halle (Saale) kann das Wildpinkeln bis zu 5000 Euro kosten. 5000 Euro – dafür kann man sich monatelang eine mobile Toilette in den Garten stellen. Allerdings solle dies in Hannover nur in schwerwiegenden Fällen Anwendung finden, wie ein Sprecher der Stadt mitteilte. Normalerweise würden die Kosten um die 35 Euro betragen.

Das entspricht in etwa dem, was Wildpinklern in den Karnevalshochburgen droht: In Düsseldorf sind es in der Regel auch um die 35, in Bonn um die 40 Euro. In Köln kann das freie Urinieren – zumindest zur Karnevalszeit – dagegen bis zu 200 Euro kosten. Auch Mainz hebt seine Sätze in dieser Jahreszeit an, ebenso München während des Oktoberfests – auf 75 bzw. 100 Euro.

Recht kulant zeigt sich dagegen die Hauptstadt. „Arm aber sexy“ sei Berlin laut ihres ehemaligen Bürgermeisters Klaus Wowereit. Da scheint es konsequent, dass Berlin die geringsten Geldbußen deutscher Großstädte erhebt: 20 Euro müssen Freiluftpinkler berappen. Ob sie das aber von einer Wiederholungstat abhält, ist zu bezweifeln – und sexy ist Uringeruch nun wirklich nicht.

Bei all diesen Strafen ist einschränkend anzufügen: Die Kosten können deutlich steigen, je nach Ort des Geschehens.

2.    Der Tatort ist mitentscheidend

Die Variationen von Stadt zu Stadt sind die eine Sache, eine andere ist das Opfer der feuchten Erleichterung. In Wäldern oder Parks werden meist Bußgelder in den unten angesetzten Mindestbußen verhängt. Anders ist das aber üblicherweise bei Hauswand- oder Straßenurinierern.

„Viele Kommunen verhängen hierfür ein höheres Bußgeld, das kann auch dreistellig sein“, sagt Swen Walentowski. Darüber hinaus kann es zu Schadenersatzansprüchen etwa von Hausbesitzern kommen, sodass zwar das Bußgeld womöglich überschaubar ist, Zusatzkosten die kurze Befreiung aber zu einem sehr kostspieligen Vergnügen werden lassen.

Auf Mallorca – der Deutschen liebste Insel – gelten seit 2011 übrigens auch neue Regelungen für Wildpinkler. Wer am Strand, in den Dünen oder im Wasser pinkelt, muss 1500 Euro Strafe zahlen.

Ausnahmen: Für wen Wildpinkeln erlaubt ist

Ordnungshüter greifen dabei nicht immer rigoros durch. Wer beispielsweise eine attestierte Blasenschwäche hat und zudem an einem Ort öffentlich uriniert, an dem keine Toilette in der Nähe ist, kann auf die Kulanz des Ordnungsamts oder auch der Polizei hoffen.

Doch nicht immer reichen diese Argumente aus. Im vergangenen Jahr entschied das Amtsgericht Stuttgart, dass ein Rentner, der in den Stuttgarter Schlossgarten urinierte, das Bußgeld zu zahlen hat. Der Mann gab an, dass er Medikamente nehme, die eine Blasenschwäche hervorriefen. Zudem sei die öffentliche Toilette vor Ort geschlossen gewesen. Die Richterin erklärte in ihrer Urteilsbegründung, dass es genügend benutzbare Toiletten in der Innenstadt und damit in der Nähe gebe, sodass man den Schlossgarten dafür nicht „missbrauchen“ müsse (Urteil vom 16. Dezember 2014, AZ: 1 OWi 131 Js 108476/14).

Erwischt beim öffentlichen Urinieren: Wie es weitergeht

Wer auf frischer Tat ertappt wird, muss seine Personalien angeben. Der Bußgeldbescheid landet dann im heimischen Briefkasten – zusammen mit einer Frist zur Begleichung des Betrags. Touristen müssen dagegen sofort bezahlen.

Haben auch Sie Ärger mit Ordnungsamt oder Polizei? Hier finden Sie kompetente Anwältinnen und Anwälte.

Themen
Bußgeld Karneval Polizei

Zurück

Anwältin/Anwalt finden!

Merkzettel

Es befinden sich noch keine Anwälte in Ihrer Merkliste.

Mobilität
Sturm und Starkregen: Ihre Rechte bei Zugausfall und Flugverspätung
Leben
Matratzenkauf im Internet: Gibt es ein Recht auf Rückgabe?
Beruf
Sabbatical: Antworten auf die wichtigsten Rechtsfragen
Mobilität
Unfall beim Abschleppen eines Autos: Wie weit geht die Darlegungslast?
Beruf
Mindestlohn: Was Arbeitnehmer und Arbeitgeber wissen müssen
zur
Startseite