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Schmerzensgeld

Friseur: Schadensersatz bei missra­tenem Schnitt?

Missratene Frisur: Schadensersatz vom Friseur
© Quelle: Bloom/gettyimages.com

Falsche Farbe, kahle Stellen: Ein missra­tener Friseur­besuch ist für viele Menschen eine Horror­vor­stellung. Ein Recht auf Nachbes­serung haben Kunden in jedem Fall – und in härteren Fällen auch Chancen auf Schadensersatz.

Kaum etwas kann das Selbstbewusstsein so nachhaltig stören wie ein schlechter Haarschnitt – vor allem dann, wenn die Haare ab sind und nichts mehr zu retten ist. In Tränen aufgelöste, völlig verzweifelte Kunden haben wohl die meisten Friseure schon erlebt. Doch anders als ein Paar zur kleiner Schuhe aus dem Online-Shop kann man einen Haarschnitt nicht einfach zurückgeben. Was können frisch Frisierte also tun, wenn sie mit der Leistung des Coiffeurs unzufrieden sind?

Geld zurück gibt’s nicht

„Ich will mein Geld zurück!“ Wenn der erste Blick in den Spiegel Entsetzen auslöst, liegt der Gedanke nahe, einfach die Zahlung zu verweigern oder nachträglich das Entgelt zurück zu verlangen. Einen recht­lichen Anspruch darauf gibt es aller­dings nicht.

Dabei unterscheidet sich ein Friseurbesuch rechtlich nicht von anderen Dienstleistungen: Wer sich beispielsweise das Bad neu fliesen lässt und mit dem Ergebnis unzufrieden ist, kann nicht ohne weiteres die Bezahlung verweigern. Er muss dem Handwerker in jedem Fall die Gelegenheit zum Nachbessern geben.

Beim Haarschnitt gilt das Gleiche. Wer also zu Hause eine unerwünschte Schnitt­kante am Hinterkopf oder einen anderen handwerk­lichen Fehler entdeckt, sollte zunächst den Friseur aufsuchen und eine Nachbes­serung verlangen. Ist der betref­fende Mitar­beiter selbst nicht anwesend, kann auch ein anderer Friseur aus dem Team die Korrektur übernehmen.

Schwierig wird es, wenn eine verpfuschte Frisur nicht mehr zu retten ist – zum Beispiel, wenn die lange Haarpracht raspelkurz abrasiert wurde. Ein solcher Zwischenfall löst nicht selten erhebliche seelische Qualen aus. Wer die Pein allerdings durch Schmerzensgeld gelindert wissen möchte, muss den Schaden auch beweisen können.

Urteil: Schmer­zensgeld für Verlust langer Haare

Für eine Kundin endete der Friseur­besuch in einem Fiasko: Sie wollte sich ihre langen schwarzen, bereits mehrfach gefärbten, Haare blondieren lassen. Noch während  der Behandlung klagte die Kundin über Hitze im Nacken­be­reich, woraufhin die Friseurin die Haare umgehend ausspülte. Dennoch waren die Haare bereits angesenkt bzw. verbrannt. Die Haare mussten bis auf Boblänge gekürzt werden. Da das vollständige Nachwachsen der Haare bis zu der vorhe­rigen Länge eine lange Zeit erfordere, verlangte die Kundin ein Schmer­zensgeld in Höhe von wenigstens 4.000 Euro.

Das Amtsge­richt Rheine fällte folgendes Urteil: Die Friseu­kundin hat gegen die Beklagte einen Schmer­zens­geldan­spruch gemäß §§ 280 Abs. 1, 253 BGB. Aller­dings nur in Höhe von 1.000,00 Euro. Unstreitig sind die Haare der Kundin aufgrund der Färbung bei der Beklagten geschädigt worden. Hierfür ist die Beklagte auch gemäß §§ 276, 278 BGB verant­wortlich.

Es ist davon auszu­gehen, dass das "Verbrennen" der Haare alleine darauf zurückzuführen ist, dass die vorgeschädigten Haare der Kundin auf das von der Beklagten verwendete Oxida­ti­ons­mittel reagiert haben. Dies erzeugte einen Wärmestau, der sich durch die Folie im Haar erhöhte. Nach den Angaben der Sachverständigen kann nicht ausge­schlossen werden, dass alleine die Painting-Methode ausreichte, um das "Verbrennen" der bereits struk­tur­geschädigten Haare zu verur­sachen.

Für die Höhe des Schmer­zens­geldes war u.a. zu berücksich­tigen, dass die Kundin kein volles und gesundes Haar hatte, sondern ihr Haar bereits erheblich vorbeschädigt war. Nur deshalb lässt sich erklären, dass ihre Haare bei der Färbung so erheblich reagiert haben. Das Gericht hielt daher ein Schmer­zensgeld von nicht mehr als 1.000 Euro für angemessen.

Schmer­zensgeld braucht gute Gründe

„Für einen Anspruch auf Schmerzensgeld sind grundsätzlich zwei Begründungen denkbar“, sagt Rechtsanwalt Swen Walentowski von der Deutschen Anwaltauskunft. „Entweder, man hat tatsächlich Schmerzen erlitten, oder das allgemeine Persönlichkeitsrecht wurde stark beeinträchtigt. Letzteres ist der Fall, wenn man durch eine dauerhafte Schädigung des Haares quasi entstellt wird.“ Eine vorübergehende Beeinträchtigung der äußeren Erscheinung durch einen Haarschnitt zählt in der Regel nicht dazu.

So scheiterte die Klage einer Frau vor dem Amtsgericht München, die sich durch einen missratenen Haarschnitt geschädigt fühlte (AZ: 173 C 15875/11). Sie hatte beim Friseurbesuch darum gebeten, das Deckhaar nur mit größter Vorsicht zu kürzen, da es sehr dünn sei. Zwei Tage nach dem Schnitt erschien sie wieder beim Friseur und verlangte ein Schmerzensgeld: Die Friseurin habe die Haare zu kurz geschnitten habe und man könne nun die Kopfhaut sehen.

Das Gericht wies die Klage jedoch ab. Eine Begründung war unter anderem, dass die Frau den gesamten Schnei­de­vorgang beobachtet und sich auch danach nicht beschwert hatte. Wer das Gefühl hat, dass ein Haarschnitt in die falsche Richtung geht, sollte sich also unbedingt recht­zeitig melden.

Bei Verlet­zungen kann hohe Entschädigung gerecht­fertigt sein

Anders sieht es aus, wenn ein Friseurbesuch bleibende Schäden hinterlässt. Im vergangenen Jahr erstritt eine junge Frau vor dem OLG Koblenz ein Schmerzensgeld in Rekordhöhe (AZ: 12 U 71/13). Der Inhaber des Friseursalons musste ihr 18.000 Euro zahlen.

Durch die fehler­hafte Anwendung eines Haarfärbemittels war die Kopfhaut der Schülerin teilweise abgestorben. Sie muss nun dauerhaft mit einer kahlen Stelle am Kopf leben. Das Gericht berücksich­tigte bei der Entscheidung die erheb­lichen psychische Belastung der Schülerin und damit die Verletzung ihres Persönlich­keits­rechtes.

„Neben den psychi­schen Belas­tungen ist bei der Festsetzung eines Schmer­zens­geldes entscheidend, wie schwer die Beeinträchtigung ist, wie lange sie anhält und ob dauer­hafte Schäden zurückbleiben“, sagt Rechts­anwalt Swen Walen­towski.

Erfolg vor dem Landge­richt Köln hatte auch eine junge, als Model tätige Frau: Sie hatte nach einer misslun­genen Haarfärbung geklagt, die ihr Haar dauerhaft geschädigt hatten. Dadurch seien der Frau mehrere Model-Aufträge entgangen. Außerdem sei die seelische Belastung so groß gewesen, dass die Kundin stress­be­dingte Akne bekam. Die Richter überzeugten sich in der Verhandlung selbst davon, dass das Haar geschädigt ist - und sprachen dem Model für die entstan­denen Verdien­steinbußen Schadensersatz zu.

Fazit: Recht­zeitig hinschauen

Beim Friseur­besuch empfiehlt es sich, im Spiegel genau hinzu­schauen. Wenn Ihnen der Haarschnitt missfällt, sollten Sie Ihre Bedenken recht­zeitig anmelden. Scheuen Sie sich nicht, den Friseur noch einmal aufzu­suchen, wenn Ihnen erst zu Hause ein Mangel auffällt. Bei handwerk­lichen Mängeln ist der Betrieb zum Nachbessern verpflichtet.

Ein Anspruch auf Schmer­zensgeld kommt in der Regel nur dann in Frage, wenn durch eine falsche Behandlung dauer­hafte Schäden zurückbleiben – zum Beispiel durch den falschen Einsatz von Bleich- und Färbemitteln.

Themen
Handwerk Schadensersatz Schmerzensgeld
Datum
Autor
red
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