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Schiffsreisen

Kreuz­fahrt: Ihre Rechte bei einer Schiffs­reise

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Eine Kreuzfahrt durch die Karibik gilt für viele Touristen als Traumreise.
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Kreuz­fahrten werden als Urlaubs­reisen immer beliebter. Viele Reisende schätzen die Möglichkeit, in kurzer Zeit verschiedene Orte kennen­zu­lernen und gleich­zeitig den Komfort auf dem Schiff zu genießen. Touristen sind bei einer Kreuz­fahrt jedoch meist weniger flexibel als Hotel­ur­lauber – besonders dann, wenn etwas nicht so läuft wie geplant.

Kreuzfahrten hatten noch bis vor einigen Jahren den Ruf, etwas altbacken zu sein. Viele dachten dabei an ältere Ehepaare, die mit dem Traumschiff gemütlich über das Mittelmeer oder die Nordsee schippern. Das hat sich mittlerweile geändert: Singles, Familien, Party-Begeisterte und viele andere Interessengruppen sind auf Kreuzfahrtschiffen mit speziell zugeschnittenen Angeboten auf allen Weltmeeren unterwegs. Ein Grund für die Anwaltauskunft, sich die Rechtsfragen, die sich daraus ergeben, einmal genauer anzusehen.

Kreuz­fahrt: Änderung des Reise­weges kann Grund für Rücktritt sein

Rechtsstreite im Zusammenhang mit Kreuzfahrten beschäftigen die Gerichte häufig. Einer der Streitpunkte: Änderungen der Reiseroute. Immer wieder kommt es vor, dass der Reiseweg und die Häfen, an denen das Kreuzfahrtschiff anlegen sollte, kurz vor dem Start geändert werden. Wer solch eine Kreuzfahrt gebucht hat, kann dann in vielen Fällen vom Vertrag zurücktreten, zumindest aber in erheblichem Umfang Reisepreisminderung geltend machen.

Die Chancen sind besonders gut, wenn sich der Reiseweg erheblich verändert und viele Programmpunkte ausfallen. Ist der Veranstalter für die Änderungen verantwortlich, bekommen die Touristen unter Umständen nicht nur den gesamten Preis der Kreuzfahrt zurück, sondern können auch Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden fordern.

Änderung des Reise­weges aus politi­schen Gründen kein Mangel

Immer ist zu klären, ob der Veran­stalter die Verant­wortung für Routenänderung trug. Das Amtsge­richt Rostock entschied: Wird der Kurs wegen politi­scher Unruhen geändert, kann man den Preis der Kreuz­fahrt im Nachhinein regelmäßig nicht mindern. Es ging im entschie­denen Fall um eine Fluss­kreuz­fahrt auf der Donau, die bis zur Mündung am Schwarzen Meer und dabei auch durch die Ukraine führen sollte.

Aufgrund der politischen Unruhen fuhr das Schiff allerdings nicht durch die Ukraine, sondern durch den rumänischen Arm der Donau. Der Kläger forderte daraufhin eine Minderung des Gesamtreisepreises um 40 Prozent. Das sah das Gericht als nicht gerechtfertigt an. Da das Kreuzfahrtschiff trotzdem den „Kilometer 0“ der Donau, die berühmte Mündung des Flusses, erreicht hatte und in Rumänien an nur einem Hafen nicht Halt machte, hielt das Gericht allenfalls eine Minderung des Tagesreisepreises um 30 Prozent für angemessen. Dem Gericht zufolge sei eine Änderung des geplanten Reiseweges aus politischen Gründen kein Reisemangel (AZ: 47 C 415/14)

Flug verspätet und Kreuz­fahrt­schiff verpasst: Preis­min­derung möglich

Das Amtsgericht Rostock entschied in einem anderen Fall zugunsten von Urlaubern, die im brasilianischen Santos eine Südamerika-Kreuzfahrt beginnen wollten. Wegen Verzögerungen beim Hinflug erreichten sie ihr Schiff mit zweieinhalb Tagen Verspätung. Die Touristen forderten vor Gericht eine Preisminderung für drei volle Urlaubstage. Das Gericht sprach ihnen allerdings nur zweieinhalb Tagesreisepreise zu, die der Reiseveranstalter zurückzahlen musste (AZ: 47 C 181/14). Eine solche Preisminderung ist allerdings nur möglich, wenn Flug und Kreuzfahrt als Paket gebucht werden.

Mangel der Unter­kunft an Bord: Reise­leitung infor­mieren

Auch wenn man recht­zeitig am Start­punkt der Kreuz­fahrt ankommt, wartet in der Kabine womöglich eine Enttäuschung: Eine defekte Badezim­mer­ein­richtung, Lärm oder eine viel schlechtere Unter­kunft als die gebuchte können die Urlaubs­freude erst einmal verhageln. Auf einem Schiff lässt sich auch nicht so einfach eine andere Unter­kunft organi­sieren, wie das zum Beispiel in einem Hotel der Fall wäre – vor allem dann nicht, wenn das Kreuz­fahrt­schiff ausge­bucht ist.

Dennoch gelten die gleichen Regeln wie bei jeder anderen Reise: „Wer bei seiner Unter­bringung auf dem Kreuz­fahrt­schiff Mängel feststellt, muss sich zunächst an die Reise­leitung wenden, sie auf die Mängel aufmerksam machen und Abhilfe verlangen“, rät Rechts­anwalt Paul Degott, Experte für Reise­recht und Mitglied im Deutschen Anwalt­verein. Man müsse die Reise­leitung mit den konkreten Mangel­sach­ver­halten konfron­tieren.

Unter­kunft auf dem Kreuz­fahrt­schiff: Beson­der­heiten auf See beachten

Besteht ein Mangel, muss die Reiseleitung Abhilfe schaffen, also zum Beispiel die defekte Badezimmereinrichtung reparieren lassen oder sich um eine andere Kabine bemühen. Wenn das nicht möglich ist, bleibt als letzte Möglichkeit: bei schwerwiegenden Mängeln im nächsten Hafen das Schiff verlassen und nachhause fliegen. Dann kann man die Kosten für die Reise, für den Rückflug und eventuell die Kosten für ein Hotel später vom Reiseveranstalter zurückfordern.

Dabei ist aller­dings auch Vorsicht geboten: „Manche Dinge, die einige Passa­giere als Mangel betrachten könnten, liegen in der Natur einer Kreuz­fahrt begründet“, warnt Rechts­anwalt Degott. Dass beispiels­weise Außenkabinen keine großen Fenster, sondern nur Bullaugen hätten und dass es in der Nähe des Maschi­nen­raums etwas lauter werden könne, müssten Schiffs­rei­sende einplanen und aushalten.

Unter­kunft auf dem Schiff: Geringe Sicht­be­hin­derung muss hinge­nommen werden

Mit der Unter­bringung auf einem Kreuz­fahrt­schiff beschäftigte sich auch das Landge­richt Bonn. Eine Kreuz­fahrt­pas­sa­gierin hatte auf Schadensersatz geklagt, weil sich vor ihrem Kabinen­fenster zwei Rettungs­tonnen befanden, wodurch sie ihren Blick auf das Meer beeinträchtigt sah.

Das Landge­richt wies die Klage der Passa­gierin ab. Die Tonnen, die im unteren Bereich der Reling angebracht waren, seien keine erheb­liche Sicht­be­hin­derung gewesen – und damit auch kein erheb­licher Reise­mangel. Wenn man im Hotel ein Zimmer mit Meerblick buche, könne da auch schon mal eine Palme davor stehen, begründete die Kammer ihre Entscheidung (AZ: 8 S 11/16).

Trinkgeld bei der Kreuz­fahrt: Bei Ankündigung muss gezahlt werden

Ein häufiger Streit­punkt sind versteckte Kosten. Welche Extra-Leistungen wie Wellness, Sport­an­gebote oder Ausflüge im Preis inbegriffen sind, sieht man bei der Buchung in der Reise­aus­schreibung. Anders ist das beim Trinkgeld. Denn manche Reede­reien verlangen von den Kreuz­fahrt-Passa­gieren am Ende der Reise ein heftiges Service-Trinkgeld: Zweistellige Beträge pro Tag und Person sind keine Seltenheit. Da kommen schnell mehrere hundert Euro zusammen. Diese werden teilweise automa­tisch vom Bordkonto abgebucht.

„Kündigt der Veran­stalter an, dass Passa­giere Trink­gelder zahlen müssen, zählen diese als Neben­kosten und damit zum Reise­preis“, erklärt der Rechts­anwalt aus Hannover. Werde dies nicht angekündigt und werde man genötigt, dennoch zu zahlen, könne man das Geld gegebe­nen­falls im Nachhinein vom Reise­ver­an­stalter zurück verlangen.

Heiraten auf dem Kreuz­fahrt­schiff nur unter bestimmten Flaggen möglich

Weniger mit Geld als mit persönlichen Vorlieben hat es zu tun, wenn ein Paar auf einem Kreuzfahrtschiff heiraten möchte. Doch auch wenn es in Filmen anders vermittelt wird: Kapitäne haben nicht die gleichen Befugnisse wie Standesbeamte. Sie dürfen nur dann rechtskräftig trauen, wenn das Schiff unter der Flagge Maltas, der Bermudas oder der Bahamas fährt und sich auf hoher See befindet.

Konflikt mit dem Reise­ver­an­stalter: Anwalt kontak­tieren

Sie haben eine Kreuzfahrt gemacht und mussten dabei unter Reisemängeln leiden? Sie haben eine Kreuzfahrt gebucht, der Reiseweg sowie das Programm wurden erheblich geändert und sie möchten wissen, welche Rechte sie nun haben? Sie haben anderweitig Konflikte mit einem Reiseveranstalter? Kontaktieren Sie einen Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin für Reiserecht. Einen Experten in Ihrer Nähe finden Sie in unserer Anwaltssuche.

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