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Strafstoß

Können sich Fußball­profis zur WM klagen?

Ralf Fährmann hat bessere kicker-Noten als Manuel Neuer. Stefan Kießling trifft öfter als Miroslav Klose. Joachim Löw hat sie trotzdem nicht in den WM-Kader berufen. Trotz starker Form bleiben sie und viele Profifuß­baller unberück­sichtigt. Können sie eine Nominierung erzwingen und sich zur Weltmeis­ter­schaft klagen?

Zeige mir einen guten Verlierer und ich zeige dir einen Versager. So dürfte das auch Jermaine Jones gesehen haben, als er nach drei Spielen für die deutsche National­mann­schaft nicht mehr nominiert wurde. „Das hat mich geärgert, nach welchen Prinzipien da entschieden wird. Leistungs­fragen waren es nicht“, bilanzierte der damalige Schalker und heutige US-National­spieler. Seine Kritik an Bundes­trainer Joachim Löw ist fünf Jahre her. Seitdem gab es viele Nichtno­mi­nierte, aber nur selten so deutliche Worte.

Keine Klagemög­lichkeit für Fußballer – es fehlt an klaren Kriterien

Auch den juristischen Weg hat bisher noch kein Kicker beschritten. Der einfache Grund: „Ein Profifuß­baller kann keinen Platz in der Nationalelf einklagen“, sagt Dr. Thomas Summerer, Rechts­anwalt und Vorsit­zender der Arbeits­ge­mein­schaft Sportrecht im Deutschen Anwalt­verein (DAV). Denn im Gegensatz zu anderen Sportarten fehlt dafür die Rechts­grundlage. „Im Profifußball gibt es keine Nominie­rungs­richt­linien mit klaren Kriterien wie in der Leicht­athletik“, erklärt Summerer.

So legt der Deutsche Leicht­athletik-Verband jedes Jahr für die anstehenden Großereignisse Qualifi­ka­ti­ons­normen fest. Demnach braucht ein Marathon­läufer für die diesjährige EM in Zürich eine Zeit von 2:13,30 Stunden, ein Zehnkämpfer benötigt 8050 Punkte und ein Stabhoch­springer eine Höhe von 5,70 Metern. Doch bei Fußballern ist die Erfolgs­formel kompli­zierter: Die besten sind nicht immer die richtigen Spieler fürs Team. Stefan Kießling ist zum Beispiel der erfolg­reichste deutsche Stürmer der Bundesliga und wird dennoch nicht mit nach Brasilien reisen. Löw bevorzugt auf seiner Position andere Stürmer. Miroslav Klose, der spielstärker scheint. Andre Schürrle, der diese Rolle neuerdings hin und wieder bei Chelsea einnimmt und interna­tional erfahrener ist. Mario Götze, der schneller und direkter kombiniert.

Bis Anfang Juni muss der 23-Mann-Kader stehen

Löw muss abwägen, welche Profis besser in sein System passen, wer am meisten Entwick­lungs­po­tenzial hat und wer am mannschafts­dien­lichsten spielt. Zunächst verkündete er nun den erweiterten Kader, Anfang Juni muss er dann auf 23 Spieler runter­kürzen. Auf die Frage, wie seine Personal­ent­schei­dungen zustande kommen, antwortete Löw bereits während der vergangenen EM: „Was hat mal ein ganz großer Kollege von mir gesagt, Giovanni Trapattoni: Ein Trainer ist kein Idiot!“

Datum
Aktualisiert am
21.12.2016
Autor
dwe
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Themen
Fußball Sport WM

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