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Tierrecht-Blog

Haftung bei Hunderan­gelei und Hundebiss

Gerangel zwischen zwei Hunden - wer haftet bei Verletzungen? © Quelle: jonnysek/fotolia.com

Kommt es beim Spazie­ren­gehen mit dem Hund zu einem Gerangel zwischen zwei Hunden, in dessen Rahmen der Halter des einen Hundes von dem anderen Hund gebissen wird, so ist die typische Tiergefahr des Hundes des Geschädigten bei der Schadens­ent­stehung mitursächlich geworden, was sich der Geschädigte mindernd auf seinen Anspruch aus § 833 Satz 1 BGB anrechnen lassen muss. Eine Mithaftung muss sich nach Ansicht des BGH im aktuellen Urteil vom 31. Mai 2016 (AZ VI ZR 465/15) der gebissene Hunde­halter nur dann nicht anrechnen lassen, wenn der andere Hunde­halter vorsätzlich oder fahrlässig den Schaden verur­sacht hat.

Der Kläger ging am 16. Juli 2011 an dem Grundstück der Beklagten vorbei. Sein Labrador-Mischling war ordnungsgemäß angeleint und ging „bei Fuß“. Die Hunde­leine hatte der Hunde­halter um sein linkes Handgelenk gewickelt. Auf dem Grundstück der Beklagten befand sich deren Hund, ein Golden Retriever. Dieser zwängte sich durch die etwa einen Meter hohe Hecke, durch die das Grundstück von dem Weg abgegrenzt war, und rannte auf den Kläger und dessen Hund zu. Es kam zu einem Gerangel zwischen den Hunden, wobei der Hund der Beklagten immer wieder am Kläger hochsprang. Zwischen den Hunden stehend und mit der sein Handgelenk umwickelnden Leine war der Kläger in seiner Abwehr eingeschränkt und konnte sich nicht befreien. Der Kläger trug blutende Wunden davon, seine Brille wurde beschädigt und seine Kleidung beschmutzt.

Während ihm durch das Landge­richt Erfurt noch Schmer­zensgeld und Schadensersatz von insgesamt 3.560,00 € zugesprochen wurde reduzierte das Thüringer Oberlan­des­ge­richt diese Summe auf 2.660,10 €.

Der BGH hob das Urteil nun auf und verwies es zur erneuten Prüfung an das OLG zurück.

Das OLG hatte die Beklagte verpflichtet, dem Kläger alle Schäden zu ersetzen, soweit diese auf den Hundebiss zurückzuführen waren. Der Kläger müsse sich hierbei kein eigenes Mitver­schulden anrechnen lassen, da er nichts unter­nommen habe, um in den Streit zwischen den Hunden einzu­greifen. Er müsse sich, so die Richter, auch nicht die eigene Tiergefahr seines Hundes anrechnen lassen. Auch wenn der Hund der Beklagten höchstwahr­scheinlich nicht auf den Kläger losge­gangen wäre, wenn dieser ohne Hund unterwegs gewesen wäre, stelle allein der Umstand, dass der Kläger seinen Hund angeleint bei sich geführt habe, keinen dem Kläger zurechen­baren Verur­sa­chungs­beitrag für den entstan­denen Schaden dar. Allein die Tatsache, dass der Hund des Klägers ein Hund sei, begründe keine Mithaftung des Klägers, so die Richter.

Der BGH ist nun der Auffassung, dass bei einer Rangelei grundsätzlich die eigene Tiergefahr mit zu berücksich­tigen sei. Eine typische Tiergefahr äußert sich nach ständiger Recht­spre­chung des erken­nenden Senats in einem der tieri­schen Natur entspre­chenden unbere­chen­baren und selbständigen Verhalten. An der Verwirk­li­chung der Tiergefahr fehlt es insbe­sondere dann, wenn keinerlei eigene Energie des Tieres an dem Geschehen beteiligt ist oder wenn das Tier lediglich der Leitung und dem Willen eines Menschen folgt. Demgegenüber können bereits von einem Tier ausge­hende und auf ein anderes Tier einwir­kende Reize eine für einen Schaden mitursächliche Tiergefahr darstellen (so etwa für den von läufigen Hündinnen ausge­henden Duft). Für die vorzu­neh­mende Abwägung der Verur­sa­chungs­beiträge der beiden Tierhalter kommt es sodann darauf an, mit welchem Gewicht konkret sich das in den Tieren jeweils verkörperte Gefah­ren­po­tential in der Schädigung manifes­tiert hat.

Entgegen der Auffassung des OLG fanden die Richter des BGH gerade nicht, dass sich in der Situation, in der der Kläger von dem Hund der Beklagten gebissen wurde, die Rolle seines Hundes darauf beschränkte, ein an der Leine geführter Hund zu sein. Es fanden ein Gerangel und ein Kampf zwischen den Hunden statt, von dem sich der zwischen den Hunden stehende Kläger nicht entfernen konnte, und in dessen Verlauf er von dem Hund der Beklagten gebissen wurde. Es hat sich damit in der Bissver­letzung die von beiden Hunden ausge­hende Tiergefahr mitursächlich verwirk­licht. Was letztlich Auslöser des Gerangels war und welcher der beiden Hunde in dem Geschehen eine über- oder unter­ge­ordnete Rolle einnahm ist für die Begründung der Mithaftung unbeachtlich, so die Richter.

Eine Tiergefahr des Labrador-Misch­lings dürfte aller­dings dann nicht anspruchs­min­dernd berücksichtigt werden, wenn die Beklagte den Schaden vorsätzlich oder fahrlässig verur­sacht hat. Da sich der Golden Retriever der Beklagten durch die Einzäunung des Grundstückes zwängen konnte hat sie den Schaden wenigstens fahrlässig verur­sacht. Auch hat sie ihren Hund wohl nicht ausrei­chend beauf­sichtigt. Der BGH hat daher die Sache an das OLG zur weiteren Prüfung zurück verwiesen.

Die Frage stellt sich daher nicht, ob man haftet, sondern eher wie Hoch diese Haftung ausfällt.

Andreas Ackenheil ist Anwalt mit dem Schwerpunkt Tierrecht (Hunderecht, Pferderecht, Recht rund um das Tier) und betreibt einen eigenen Blog, der unter http://www.der-tieranwalt.de aufzurufen ist. Auch für die Deutsche Anwaltauskunft bloggt Herr Ackenheil regelmäßig zum Thema Tierrecht.

Themen
Haftung Tiere
Datum
Aktualisiert am
20.07.2016
Autor
Andreas Ackenheil
Bewertungen
470

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